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VOX-Chef in Katalonien wirbt um Einheit auf Katalanisch
Ignacio Garriga fordert das Vergessen von Konflikten und betont die katalanische Identität auf Katalanisch, was Debatten über die Strategie auslöst.
VOX-Chef in Katalonien wirbt um Einheit auf Katalanisch
Ignacio Garriga, der Anführer von VOX in Katalonien, hat die Katalanen aufgefordert, „alte Fehden zu vergessen“, und bei einem öffentlichen Ereignis die katalanische Identität betont. Er tat dies auf Katalanisch und schloss mit einem „Visca Catalunya“. Die Geste, über die El Periódico berichtete, löste einen Sturm der Reaktionen aus: von offener Spottlust bis hin zur Analyse, ob es sich um eine strategische Wende oder nur um einen taktischen Schachzug handelt, um Stimmen in einer Region zu gewinnen, in der VOX nach wie vor marginal ist.
Die Kontroverse ist nicht geringfügig. VOX hat einen großen Teil seiner politischen Erzählung auf den Verteidigung eines zentralistischen Spaniens und die scharfe Kritik an Unabhängigkeitsbestrebungen aufgebaut. Dass sein regionaler Anführer nun die katalanische Identität anspricht und dies in der Landessprache tut, wird von vielen als schwer verdaulicher Widerspruch interpretiert. Andere sehen darin einen logischen Zug: Wer in Katalonien Stimmen holen will, kann sich nicht gegen die Mehrheitssprache und -kultur stellen.
Was genau sagte Garriga, und warum sorgt es für so viel Wirbel?
Garrigas Botschaft, zusammengefasst in der Bitte, „Fehden zu vergessen“, und der Betonung der katalanischen Identität, kollidiert mit dem üblichen Diskurs von VOX. Es ist ungewöhnlich, dass ein Anführer der grünen Partei das Katalanische ohne Einschränkungen verteidigt. Noch ungewöhnlicher ist es, wenn er dies auf Katalanisch tut und mit „Visca Catalunya“ abschließt. Für Teile des spanientreuen Wählers ist diese Geste kaum weniger als Verrat. Für andere bestätigt sie, dass VOX seine Basis verbreitern muss und es sich nicht leisten kann, Katalanen zu entfremden, die sich als Spanier fühlen, aber ihre Sprache und Traditionen lieben.
Im Hintergrund steht eine unbequeme Frage: Kann man Spanien verteidigen, ohne das Katalanische anzugreifen? Manche behaupten ja und argumentieren, dass die katalanische Kultur ebenso spanisch sei wie Flamenco oder Stierkampf und dass ihre Geringschätzung ein strategischer Fehler sei. Andere glauben, VOX habe eine Grenze überschritten, und dass die härtesten Wähler bald Konsequenzen ziehen werden.
Wahlkalkül: Stimmenfang oder Vertreibung?
Der Zug hat eine offensichtliche wahlpolitische Lesart. In Katalonien hat VOX bemerkenswertes Wachstum gezeigt, liegt aber immer noch weit hinter den nationalistischen Parteien und der PSC (Partido de los Socialistas de Cataluña). Um zu wachsen, muss sie Wähler ansprechen, die nicht unabhängigkeitsorientiert sind, aber auch keinen Diskurs akzeptieren, der das Katalanische dämonisiert. Darin liegt das Potenzial. Das Problem ist, dass derselbe Diskurs die radikalste Basis gegen ihn mobilisieren könnte.
Einige deuten die Geste Garrigas als Zeichen der Schwäche, nicht der Stärke. Wenn VOX jetzt die katalanische Identität betont, bedeutet das, dass ihr früherer Diskurs falsch war? Die Antwort ist nicht einfach. In der Politik sind taktische Wendungen üblich, aber wenn sie die Identität betreffen, können die Kosten hoch sein.
Reaktion der Unabhängigkeitsbewegung und anderer Parteien
Vonseiten der Unabhängigkeitsbefürworter war die Reaktion eine Mischung aus Skepsis und Spott. Man glaubt kaum, dass VOX sich wirklich geändert hat. Es wird als opportunistischer Zug interpretiert, nach dem Motto „Alles für den Posten“. Immerhin war VOX eine der kämpferischsten Parteien gegen die Unabhängigkeit und gegen die Nutzung des Katalanischen im öffentlichen Raum. Dass sie es nun bei einem politischen Ereignis verwenden, klingt nach einem schwer zu rechtfertigenden Widerspruch.
Im übrigen Spektrum der Parlamentsparteien ist die Deutung ähnlich: Es handle sich um eine Operation des politischen Marketings. Einige sehen darin einen Erfolg, andere einen Fehltritt. Aber niemand bestreitet, dass die Geste den Fokus kurzzeitig auf VOX in Katalonien gelenkt hat.
Hintergrund: Katalanische Identität als Teil Spaniens
Jenseits des Lärms berührt die Episode einen empfindlichen Nerv: das Verhältnis zwischen katalanischer Identität und Spaniertum. Ein Teil der Wählerschaft vertritt die Ansicht, dass Katalonien Spanien ist – mit seiner Sprache und seinen Traditionen – und dass das Bekenntnis zum Katalanischen kein Separatismus sei. Ein anderer Teil verbindet jede Geste gegenüber dem Katalanischen mit der Unabhängigkeit. Diese Spannung ist neu nicht, aber Garrigas Geste hat sie wieder auf den Tisch gebracht.
Die Grundfrage lautet, ob VOX es sich leisten kann, die katalanische Identität zu betonen, ohne ihr Wesen zu verlieren. Oder ob dieser Wandel der erste Schritt zu einer Neugestaltung ihres Diskurses in Katalonien ist. Die Zeit wird zeigen, ob es ein Erfolg oder ein Fehler war. Vorläufig ist die Debatte eröffnet.
Am Ende hinterlässt die Kontroverse eine unbequeme Tatsache: In Katalonien braucht VOX mehr als einen zentralistischen Diskurs, um zu wachsen. Und dieses Mehr erfordert zwangsläufig das Verständnis, dass das Katalanische nicht der Feind ist. Oder vielleicht doch.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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