Von Johnny Cash bis zum Autotune: So hat die Popmusik an Qualität verloren

Johnny Cash und Roy Orbison sangen 1969 noch ohne Autotune. Die heutige Musik, gleichförmig und computerkorrigiert, hat ihre Vielfalt verloren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Von Johnny Cash bis zum Autotune: So hat die Popmusik an Qualität verloren
Als Musik noch ein Handwerk war: der Kontrast zwischen Cash und dem heutigen Pop

Kann man sich vorstellen, dass ein heutiger Künstler in derselben Woche, in der er mit dem Publikum sprach, einen Song schreibt und live im Fernsehen vorträgt? Johnny Cash tat genau das. 1969 sangen Cash und Roy Orbison in seiner TV-Show „Oh, Pretty Woman“, vor einem Publikum, das nicht ahnte, einen der letzten Momente der Musik als Handwerk zu erleben. Fünfundfünfzig Jahre später ist der Vergleich mit der heutigen Produktion so vernichtend, dass selbst die Optimisten kapitulieren: In der Wertschöpfungskette ist etwas kaputtgegangen.

Um das Phänomen zu verstehen, muss man sich die Vereinheitlichung ansehen. Immer dieselben Rhythmen, dieselben Melodien und dieselben Stimmen, heute mit Autotune korrigiert, bis sie ununterscheidbar sind. „Man muss voller Scheiße in den Ohren sein, um die Stimmen von Johnny Cash, Freddie Mercury oder Sinatra zu verwechseln“, spottet eine der schärfsten Stimmen der Analyse. Die Technologie hat statt die Ausdruckspalette zu erweitern, alles einebnet. Ein Blick auf die heutigen Charts zeigt Dutzende Künstler, die alle gleich klingen, mit derselben digitalen Produktion und derselben Phrasierung. Die Vielfalt, dieses Schlagwort, mit dem die Industrie in ihren Pressemitteilungen prahlt, ist im Mainstream tot. Das ist eine objektive Tatsache, keine Meinung.

Autotune als großer Gleichmacher

Autotune ist nicht nur ein Korrekturwerkzeug; es ist das Instrument, das die menschliche Stimme vereinheitlicht hat. Einen Ton treffen ist keine Fähigkeit mehr, sondern eine Parametereinstellung. Heutige Künstler brauchen keine perfekte Stimme, weil das Studio sie perfektioniert. Das Ergebnis: Stimmen, die klongleich klingen, ohne Unvollkommenheiten, ohne Charakter. Der Kontrast zu einer Stimme wie der von Cash, die mit einer unverwechselbaren Textur hervortrat, beweist, dass Technik nicht alles ist. Und es geht dabei nicht um Geschmack: Die Fähigkeit, eine Stimme von einer anderen zu unterscheiden, ist verloren gegangen.

Die Zahl, die den Niedergang zusammenfasst

Eine Zahl, die in bestimmten Analysen kursiert: 1976 füllte die Pogre-Rock-Band Yes ein NFL-Stadion mit 100.000 Zuschauern. Heute spielen ebendiese Bands in kleinen Clubs. Die Industrie hat ihr Modell geändert: Früher war Musik ein handwerkliches Produkt, das sich durch Qualität verkaufte; heute ist sie ein Finanzprodukt, das für schnellen Konsum entworfen wird. Die Labels suchen Zweieinhalbminuter mit Ohrwürmern, keine Künstler mit Laufbahn. Das Ergebnis ist eine Generation von Musikern ohne Gesicht, ohne Haltung, ohne Handwerk.

Vielleicht ist die Lösung, dass künftig eine KI die Hits komponiert und man sich sogar das Autotune spart. Dann wäre der Zynismus wenigstens ehrlich.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (64 Antworten).

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