Von Donato bis Deutschland 2024: Chronologie der europäischen Nationalmannschaften

Von einem einzigen schwarzen Spieler in Englands Kader 1982 zu sechs Stammspielern im heutigen Deutschland: die Chronologie des demografischen Wandels der europäischen Nationalmannschaften und…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Von Donato bis Deutschland 2024: Chronologie der europäischen Nationalmannschaften
Von Donato bis zum heutigen Deutschland: wie sich Europas Elf veränderte

Bei der WM 1982 in Spanien stellte die englische Nationalmannschaft einen einzigen schwarzen Spieler auf. Die französische vier. Zweiundvierzig Jahre später hinterlässt ein Nations-League-Spiel Deutschland mit sechs schwarzen Stammspielern, einem Araber in der Startelf und mehreren weiteren auf der Bank. Die Frage, die durch den europäischen Fußball geht — wann begann dieser Wandel und warum —, hat eine weniger mysteriöse Antwort, als es scheint: Die Zusammensetzung der Nationalmannschaften ändert sich nicht per Dekret, sie ändert sich, wenn sich die Demografie der Viertel ändert, in denen Fußball gespielt wird. Und diese Demografie hinkt hinterher.

Die zeitliche Verzögerung ist der Schlüssel. Zwischen der Ankunft einer Migrantenbevölkerung und dem Auftauchen ihrer Kinder in der Nationalmannschaft vergehen etwa zwanzig Jahre. Frankreich, England und die Niederlande begannen in den sechziger Jahren, Bevölkerung afrikanischer und karibischer Herkunft aufzunehmen; ihre ersten schwarzen Spieler erreichten die Nationalmannschaften in den achtziger Jahren. Spanien nahm in den 2000er Jahren massenhaft Migranten auf; sein erster schwarzer Spieler in der A-Nationalmannschaft war der Brasilianer Donato 1994, und der Durchbruch kam Jahrzehnte später. Deutschland dagegen importierte vor allem türkische und balkanische Arbeitskräfte, keine subsaharischen, und deshalb wandelte sich seine Elf später.

Die Pioniere: Eusebio, Trésor, Barnes und Gullit

Die Chronologie des Fußballs hat klare Meilensteine. Portugal stellte Eusebio, geboren in Mosambik, bei der WM 1966 in England auf, zusammen mit drei weiteren schwarzen Spielern, und Salazar, so wird argumentiert, war die Sache ziemlich egal. In Frankreich prägten Trésor und Tigana die achtziger Jahre. In England debütierte John Barnes Ende der siebziger Jahre. In den Niederlanden Gullit und Rijkaard. Das waren Einzelfälle, Ausnahmen, die die Regel einer weißen Elf bestätigten.

Der qualitative Sprung kam mit Frankreich 1998. Manche behaupten, jene WM sei eine Staatsoperation gewesen, um ein würdiges Team im eigenen Land zu präsentieren, und der Katalysator sei das Scheitern von 1994 gewesen. Der Kader war nicht so umgewandelt wie der heutige: Henry, Vieira, Djorkaeff, Karembeu und Zidane, der problemlos als Franzose durchgehen konnte. Der Rest weiß. Ab 2006 beschleunigte sich der Trend.

Warum hat sich Deutschland später verwandelt als Frankreich?

Die meistgenannte Erklärung ist die Zusammensetzung der Einwanderung. Frankreich, England und die Niederlande erhielten in den sechziger Jahren Bevölkerung aus ihren ehemaligen afrikanischen und karibischen Kolonien. Deutschland erhielt Türken, Balkanbewohner und andere nicht-subsaharische Gruppen. Bei der WM 2006 waren die elf deutschen Stammspieler weiß. Özil und Khedira kamen nach 2010, und Asamoah und Odonkor waren die ersten sichtbaren Fälle. Die heutige deutsche Nationalmannschaft ist das Ergebnis einer jüngeren Einwanderung.

Spanien folgt einem eigenen Muster. Mit mehr als zwei Millionen Lateinamerikanern, laut den verfügbaren Volkszählungsdaten, ist die Überrepräsentation in Sport und Medien geringer als in anderen Ländern. Der erste schwarze Spieler in der A-Nationalmannschaft war Donato, Brasilianer, 1994, danach kamen Catanha und Sena. Die spanische U-21 zeigte in einem jüngeren Spiel noch wenig Vielfalt, während die englische fast vollständig schwarz war.

Das körperliche Argument und die frühe Pubertät

Es gibt eine Analyselinie, die die Überrepräsentation auf die frühe sens Reifung zurückführt. Es wird behauptet, dass bestimmte Gruppen mehrere Jahre früher in die Pubertät kommen als Europäer, und dass ein 13-Jähriger mit dem Körper eines Mannes in den Jugendkategorien einen brutalen Vorteil gegenüber einem mit Kindeskörper hat. Dieser Spieler wird ausgewählt, bevorzugt, und das System drängt ihn nach oben. Weiße, so diese These, reifen später und kommen, wenn das Fenster bereits geschlossen ist.

Andere verweisen auf die Ökonomie. Fußball ist der billigste Sport: Man braucht nur einen Ball. In Vierteln mit niedrigen Einkommen macht das ihn zum einzigen Weg des sozialen Aufstiegs. Radsport dagegen ist ein Sport für Leute mit Geld, und deshalb bleibt er überwiegend weiß. Die Korrelation zwischen den Kosten eines Sports und der Vielfalt seiner Ausübenden ist schwer zu ignorieren.

Der englische Fall: von drei Schwarzen zu achtzehn

England ist das meistgenannte Beispiel. Bei der WM 1990 in Italien stellte es drei schwarze Spieler auf. Heute, laut den verfügbaren Daten, hat es achtzehn schwarze und acht weiße Spieler. Bei der WM gab es nur acht weiße Engländer. Der Wandel ist der schnellste in Europa, und manche führen ihn auf gemischte Ehen zurück: Es wird behauptet, dass 42 % der schwarzen Karibier in England weiße Frauen heiraten, was die Präsenz gemischtethnischer Spieler in den Jugendkategorien vervielfacht.

Die Diskussion über die Ursachen verschmilzt mit der Diskussion über die Folgen. Manche behaupten, der internationale Fußball habe seit 2014 an Interesse verloren, als sich der Wandel verallgemeinerte. Andere erinnern daran, dass Sport immer ein Vehikel der Integration war und dass Nationalmannschaften die Gesellschaft widerspiegeln, die sie umgibt, keine Verschwörung.



Die Frage, wann alles begann, hat eine Antwort: in den achtziger Jahren, mit Frankreich, England und den Niederlanden. Die Frage, warum Deutschland spät kam, auch: weil seine Einwanderung eine andere war. Die Frage, wie weit der Prozess gehen wird, bleibt offen. Die Volkszählungsdaten sagen, dass nur 0,4 % der Deutschen gemischtethnisch sind, doch die deutsche Nationalmannschaft von 2024 stellt sechs schwarze Stammspieler auf. Der Abstand zwischen Volkszählung und Startelf ist die Zahl, die niemand so recht zusammenbringt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (77 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver