Von der prorussischen Erzählung zur Ukraine: der Sinneswandel der Seitenwechsler

Ein Teilnehmer, der Russland verteidigt hat, unterstützt nun die Ukraine. Eine Analyse der russischen Propaganda und des anti-EU-Arguments, das den Wandel erklärt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Von der prorussischen Erzählung zur Ukraine: der Sinneswandel der Seitenwechsler
Von der prorussischen Erzählung zur Ukraine: Wenn der Seitenwechsel Lernen heißt

Es gibt ein Geständnis, das mehr beunruhigt als ein Fehler: das eines Menschen, der zugibt, einer Erzählung aufgesessen zu sein, und sie nun auseinandernimmt. Zu Beginn des Gesprächs wird eine Übung in Ehrlichkeit vorgeschlagen: Wie viele derjenigen, die Russland leidenschaftlich verteidigt haben, unterstützen inzwischen die Ukraine? Die häufigste Antwort ist keine Zahl, sondern eine Verneinung. „Keiner. Punkt", stellt einer klar. Ein anderer führt es auf die russische Propaganda selbst zurück, die er als „wahnsinnig, aber zugleich sehr subtil" beschreibt: Sobald man ihre impliziten Fehlschlüsse erkennt, lässt sie sich leicht identifizieren.

Der am häufigsten genannte Sinneswandel hat einen Namen: ein Teilnehmer, der früher zu den aktivsten Verteidigern Russlands gehörte und sich nun auf die gegnerische Seite stellt. Manche sehen darin etwas Bewundernswertes: „Menschen, die fähig sind, ihre Meinung zu ändern und aus Fehlern zu lernen, sind intelligent und bewundernswert", ist dort zu lesen. Für andere ist es der Beweis, dass die ursprüngliche Erzählung nie eine Überzeugung war, sondern eine Modeerscheinung.

Das Argument, das nicht prorussisch, sondern anti-EU ist

Die articulierteste Verteidigung Russlands im Gespräch speist sich nicht aus Sympathie, sondern aus Ablehnung. „Es ist nicht so, dass Russland ein perfektes Land wäre, sondern dass Europa ein ekliger Ort ist, der seine Werte zerstört hat", argumentiert ein Teilnehmer, der sich als anti-EU und nicht als prorussisch bezeichnet. Seine These: Russland schützt die Seinen und bleibt seinen Wurzeln treu, während Europa eine „ethnische Ersetzung sowie kulturelle und religiöse Zerstörung" verfolge. Es ist die Logik des Feindes meines Feindes.

Der Kontrapunkt kommt mit unbequemen Zahlen: Selbstmordraten, Alkoholismus, Anteil der muslimischen Bevölkerung und Löhne. „Glaubst du an die Erzählung von Russland als Wiege der Spiritualität?", fragt einer. Die Antwort des Verteidigers ist aufschlussreich: „Ich glaube nichts von dem, was Russland betrifft, ich lebe ja nicht dort. Ich ertrage den Mist Europas." In der Debatte geht es nicht um Russland. Es geht um Europa.

Propaganda als Sammelbecken der Unzufriedenheit

Die feinste Analyse des Gesprächs diskutiert nicht, ob Russland besser oder schlechter ist, sondern wie die Erzählung aufgebaut wurde. Die russische Propaganda wird als „sehr einfach und wirkungsvoll, man fällt leicht darauf herein" beschrieben, und ihre Fähigkeit hervorgehoben, „die Hassgefühle gegen die EU oder die NATO zugunsten des prorussischen Diskurses zu kanalisieren". Die Diagnose: Wer mit wenigen Werkzeugen oder viel Ideologie kommt, bleibt gefangen.

Das angeführte Beispiel ist auffällig: Nach der Bombardierung russischer Rechenzentren in der Ukraine seien 60 Prozent der propalästinensischen Tiraden in sozialen Medien verschwunden, so die Version, die geteilt wird. Es ist keine verifizierte Zahl, aber sie veranschaulicht die These: Die Erzählung folgt Interessen, nicht Prinzipien.

Verachtung als Antwort und die Zahl, die ins Wanken bringt

Nicht alles ist Analyse. Eine der heftigsten Antworten beantwortet die Frage nicht: „Was zum Teufel geht mich Russland an, wenn Europa von korrupten Verrätern regiert wird." Das Gespräch kippt in gegenseitige Verachtung und den Vorwurf des Trollens. Doch zwischen dem Lärm taucht eine Zahl auf, die die These vom europäischen Dritte-Welt-Land erschüttert: Wenn Europa so schlecht ist, warum kommen so viele Migranten, um dort zu leben?

Die Frage bleibt in der Luft. Niemand beantwortet sie. Der Russland-Verteidiger besteht darauf, dass sein Krieg gegen die EU und nicht gegen die Ukraine gerichtet ist, und dass er Pilingui wegen dessen „Mutes und des Schutzes der Seinen" unterstützt. Der Wandel hin zur Ukraine entsteht in diesem Gespräch nicht durch einen Seitenwechsel, sondern durch einen Feindwechsel. Und die Blockade bleibt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (30 Antworten).

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