Von der Leyen will EU-Fiskalregeln für Verteidigung aussetzen

Von der Leyen schlägt vor, die Fiskalregeln der EU auszusetzen, um Hunderte Milliarden in die Verteidigung zu investieren. Die Debatte: Wer zahlt, wer profitiert?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Von der Leyen will EU-Fiskalregeln für Verteidigung aussetzen
Volle Kraft voraus: Brüssel setzt die 3%-Regel zur Aufrüstung Europas aus

Wozu dient eine Defizitgrenze von 3 % des BIP, wenn sie jedes Mal bei Angst ausgesetzt wird? Von der Leyen hat vorgeschlagen, die Fiskalregeln einzufrieren, damit die EU „Hunderte Milliarden“ in die Verteidigung investiert, doch die Reaktion war kein einstimmiger Applaus. Die Ankündigung folgt auf Jahre, in denen dieses Korsett gedehnt, neu interpretiert oder ignoriert wurde, wenn es passte. Der Verdacht im Diskurs ist simpel: Die Regel gilt, solange der Nachbar sie bricht.

Was genau schlägt Brüssel vor

Die Präsidentin der Europäischen Kommission plant, die Fiskalregeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts vorübergehend auszusetzen, um Militärausgaben zu ermöglichen. Das offizielle Argument lautet, dass Sicherheit zur Priorität geworden sei, die keine Zwangsjacke mit 3 % Defizit zulässt. Die genannten Zahlen sind erheblich: Hunderte Milliarden Euro, die aus nationalen Haushalten stammen und laut Kritikern mehr Schulden und Geldschöpfung bedeuten.

Die erste Reaktion ist Skepsis. Manche erinnern daran, dass die EU auf „grundlegenden, kohärenten und rationalen“ Regeln aufgebaut wurde, die beim ersten Anlass gebrochen wurden. Dies ist keine Ausnahme: Staaten hielten Defizite über dem Vereinbarten, die EZB kaufte Staatsanleihen – etwas, das die Verträge nicht vorsahen –, und die Next Generation Funds finanzierten sich durch gemeinsame Verschuldung, die vor zehn Jahren undenkbar gewesen wäre. Neu ist nicht das Brechen der Norm. Neu ist, dies offen unter einer Flagge zu tun.

Der Präzedenzfall, den niemand zitieren möchte

Die Parallele zur Griechenlandkrise ist unvermeidlich. Jahrelang wurden Südländer wegen fiskalischer Ungleichgewichte gebrandmarkt, mit Deutschland an der Spitze, das Austerität forderte. Nun ist es eine deutsche Politikerin, Ursula von der Leyen, die einen Vorschlag zur massiven Verschuldung unterzeichnet. Die Ironie entgeht niemandem: Die Verantwortungslosen waren die Griechen, und jene, die nun Flexibilität fordern, predigten damals Strenge.

Das oft wiederholte Detail ist, dass Rentenausgaben eines Südländes als Exzess galten, während Verteidigungsausgaben des gesamten Blocks als existenzielle Notwendigkeit dargestellt werden. Die doppelte Sarracena ist kein Verdacht: Sie ist der Kern des Unbehagens.

Verteidigung wessen und gegen wen?

Diese Frage durchzieht das gesamte Thema. Ein Teil der Analyse behauptet, ohne Rüstungsindustrie gebe es keine echte Souveränität, und Europa habe drei Jahrzehnte lang seine industrielle Kapazität abgebaut, während es seine Sicherheit nach Washington delegierte. Der andere Teil antwortet mit einer unbequemen Frage: Souveränität wofür und für wen, wenn Entscheidungen weiterhin in Brüssel getroffen werden und die Vorgaben vom anderen Ufer des Atlantiks kommen?

Das praktische Problem ist, dass Gelddrucken allein nicht reicht. Für Waffenproduktion braucht man billige Energie, Rohstoffe, vorhersehbare Regulierung und qualifizierte Arbeitskräfte. Im Norden Spaniens gibt es Nachfrage nach Schweißern, Drehern und Monteuren, die Unternehmen nicht decken können, weil diese Berufe ohne Nachfolger aussterben. Ohne eine echte industrielle Wende – Atomkraftwerke, Bergbau, Berufsausbildung – fließt das Geld in Importe dessen, was wir nicht selbst herstellen. Und dort gehört das Geschäft bereits jemandem.

Das Geschäft und wer kassiert

Die zynischste Lesart ist auch die häufigste: Verteidigung ist die perfekte Ausrede, um mit öffentlichen Geldern Geschäfte zu machen, bevor alles zusammenbricht. Es wird darauf hingewiesen, dass der US-Rüstungskomplex überteuerte Waffen an europäische Käufer verkaufen wird, die keine Alternative haben. Materialkäufe werden zu einem geopolitischen Zoll.

Die Berechnung unter den Skeptikern besagt, dass das Geld nicht in neue Fabriken oder eigene Technologie fließt, sondern in hastig vergebene Aufträge und Zwischenstrukturen. Die Lücke zwischen Ankündigung und Umsetzung ist dort, wo die Hunderte Milliarden verloren gehen.

Der geopolitische Kontext, der alles treibt

Der Hintergrund ist die Ukraine. Von der Leyens Vorschlag wird als Versuch gelesen, Kiew zu stützen, wenn die US-Unterstützung ins Wanken gerät. Manche interpretieren, dass Europa in einem Konflikt allein gelassen wird, den es nicht kontrolliert, und dass die Aufrüstung die Rechnung für diese Isolation ist. Andere sehen eine Chance, dass der Kontinent aufhört, ein Nebendarsteller zu sein.

Die Diskussion über die Ukraine spaltet: Einige behaupten, Russland handle aus legitimer Selbstverteidigung gegen die NATO-Erweiterung, andere erwidern, dieses Argument rechtfertige jede Invasion. Was niemand bestreitet, ist, dass die wirtschaftlichen Folgen bereits da sind: mehr Schulden, mehr Inflation und eine Industrie, die in die USA verlagert wird, während Europa von Führung spricht.



Die Frage ist nicht, ob Europa sich verteidigen muss. Die Frage ist, wer die Rechnung zahlt, wer den Vertrag kassiert und wie viel dieses Geld in einen Panzer geht versus in Strukturen, die niemand prüfen wird. Mit diesen Zutaten wird der Korb von den Nachkommenden bezahlt. Wie immer.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (151 Antworten).

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