Von Concha Piquer zu Bad Gyal: Spaniens Musikkanon wandelt sich

Der Kanon der spanischen Popmusik verschiebt sich, da Reggaeton und urbane Sounds die traditionelle Copla ablösen.

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Von Concha Piquer zu Bad Gyal: Spaniens Musikkanon wandelt sich
Von Concha Piquer zu Bad Gyal: Der spanische Musikkanon bricht auf

Den Vergleich stellte ein Veteran nahe der 50 auf: Concha Piquer gegen Bad Gyal, Antonio Molina gegen Quevedo. Das Ergebnis, so sagt er, sei, dass das, was in seiner Jugend altbacken klang, heute als Kunst gilt. Dies ist keine isolierte nostalgische Klage: Es bestätigt, dass sich der Kanon der spanischen Popmusik verschoben hat und den Staffelstab an lateinamerikanische Urban-Sounds übergeben hat, angeführt von Reggaeton.

Die Diagnose stützt sich auf unbequeme Daten für Puristen: Die heute dominierenden spanischen Künstler sind keine Bands, sondern individuelle Marken. Rels B, Sarracena, Bad Gyal, Lola Índigo, Quevedo und Rosalía beherrschen die Charts, meist durch gelegentliche Kollaborationen und selten als stabile Bandformate. Die Rockband, diese Erfindung, die die Popmusik seit den Sechzigern strukturierte, hat sich aufgelöst.

Warum waren die Beatles der Reggaeton ihrer Zeit?

Die am häufigsten wiederholte Verteidigung im Austausch ist nicht die des Reggaetons, sondern die der Popgeschichte selbst. Die Beatles, argumentiert eine Seite, waren genau das, was Reggaeton heute ist: ein Produkt, das darauf ausgelegt war, junge Zielgruppen zu begeistern, verpackt von einem Manager —Brian Epstein— und einem erfahrenen Produzenten —George Martin—, die sie für die breite Masse genießbar machten. Davor Stunden in Clubs und auf Tourneen sowie eine anfängliche Ablehnung durch Decca, das damals größte britische Label.

Der Vergleich schmerzt, aber hat seine Logik. Wenn das Kriterium zur Bewertung von Musik die Fananzahl und die Fähigkeit, Massen anzuziehen, ist, hält sich das Beatles-Konzert in Washington 1964 —über eine halbe Stunde auf einer kleinen Bühne, mit einem entfesselten Ringo und nach Gehör gestimmten Gitarren— nicht besser als ein aktuelles Urban-Festival. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern darin, wer definiert, was Qualität ist.

Flamenco als Ausnahme: Komplexität versus Fusion

Ernst wird es, wenn Flamenco ins Spiel kommt. Gegen die These, alles sei heute eine traurige, einheitliche Flamenco-Fusion, steht die technische Verteidigung: Flamenco, mit seinen Palos (Stilen), Rhythmen und internen Variationen, ist ein musikalischen System von einer Komplexität, die sich nicht mit Urban-Pop vergleichen lässt. Soleá, Seguiriya, Tarantos oder Bulerías funktionieren als autonome Genres innerhalb desselben Stammes. Rumba ist kein Flamenco. Auch die Cajón nicht. Alles, was nach Gitarre und Klatschen klingt, als Flamenco zu bezeichnen, ist für diese Strömung der wahre Ruin der Kunst.

Die Entwicklung ist neu nicht. Chick Corea hatte Jazz und Flamenco bereits in den Siebzigern mit Return to Forever fusioniert, und John McLaughlin brachte diese Mischung in den Bereich der elektrischen Virtuosität. McLaughlins Zusammenarbeit mit Paco de Lucía und Al Di Meola 1979 markierte einen Wendepunkt: Der zeitgenössische Flamenco saugte Jazz-Fusion auf und öffnete die Tür für alles Folgende. Fusion ist daher keine Degeneration. Sie ist Tradition.

Verlorene Folklore und generationale Klagen

Es gibt einen dritten Faden, weniger technisch und mehr soziologisch: das Gefühl, dass das festliche Repertoire verloren gegangen ist. Pasodobles, Sevillanas, Jotas, fröhliche und freche Coplas. An deren Stelle, so wird argumentiert, ist alles auf eine melancholische Mischung reduziert worden, die vom Cante Hondo bis zum autoralen Flamenco-Stil reicht. Die spanische Popmusik, sagt diese Strömung, habe aufgehört, fröhlich zu sein. Und diese Lücke habe der lateinamerikanische Reggaeton gefüllt, der durchaus Party anbiete.

Daten, die diese These verstärken, kommen aus der Industrie selbst: Spanische Künstler, die im Urban-Genre erfolgreich sind, übernehmen den lateinamerikanischen Stil, nicht umgekehrt. Der Einfluss verläuft nur in eine Richtung. Währenddessen wird die frühere Musik —die der Großeltern, der Folkloristas— von einem unerwarteten Ort aus beansprucht: von denen, die darüber in ihrer Jugend lachten und sie heute mit Respekt hören. Juanito Valderramas El Emigrante, mit seinem «Adiós, mi España querida», wird zum emotionalen Test für Auslands-Spanier.

Was bleibt vom klassischen Kanon?

Die Grundfrage ist nicht, ob Bad Gyal besser oder schlechter singt als Concha Piquer. Es ist, wer entscheidet, was echte Musik ist. Die sich aufdrängende Antwort ist unbequem: Jahrzehntelang übten Radiosender, das Fernsehen und eine Handvoll Labels mit Trendsetzungsmacht diese Rolle aus. Grunge erreichte Spanien nicht spontan, sondern weil ein Scout eines Labels Geschäftspotenzial im Seattle-Sound sah. Ähnlich bei der Literatur: Ohne Unterstützung mächtiger Verlagsgruppen hätten viele heute kanonisierte Namen nichts veröffentlicht.

Der Kanon war daher nie natürlich. Er wurde konstruiert. Was jetzt passiert, ist, dass der Konstrukteur die Hände gewechselt hat, und jene, die mit dem vorherigen aufgewachsen sind, erkennen das Ergebnis nicht wieder. Die Klage ist nicht musikalisch. Sie ist eine Frage des Besitzes.



Die Diskussion stockt genau dort: Ob der Verlust eines geteilten Kanons eine kulturelle Tragödie ist oder einfach der normale Staffelstabwechsel einer Branche, die immer so funktioniert hat. Noch niemand hat eine Liste von Werken der spanischen Renaissance vorgelegt, die mit der Erzählung vom Flamenco als Gipfel konkurriert. Ohne diese Liste bleibt die Verteidigung der Tradition im Bereich des Glaubens.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (115 Antworten).

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