Viralvideo über Schönheit, Klasse und Gene löst Debatte aus

Ein Video vergleicht das Schulfoto einer Gruppe ehemaliger Schülerinnen mit ihrem späteren Leben und löst eine Debatte über Schönheit, soziale Klasse und Genetik aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Viralvideo über Schönheit, Klasse und Gene löst Debatte aus
Das Schulvideo, das in einer Debatte über Klasse und Gene endet

Eine Gruppe junger Frauen ist auf ihrem Klassenfoto aus der Schulzeit zu sehen. Daneben dieselbe Szene Jahre später. Der Zusammenschnitt kursiert im Internet. Auffällig ist nicht der Vergleich selbst, sondern wie weit die Kommentare gehen: von der Schönheit zur Postleitzahl, von dort zum Nachnamen und schließlich zu einer Diskussion über Genetik, die niemand mit einer einzigen Zahl belegt hat.

Der Clip vergleicht das Vorher-Nachher einer Gruppe, die als ehemalige Schülerinnen derselben Schule identifiziert wurde, die laut einigen Kommentaren in Madrid liegt. In den Kommentaren wird darüber gestritten, ob die Frauen über die Jahre ihr Aussehen behalten oder verbessert haben – ohne Einigung. Der nächste Schritt ist, wo die Sache kippt: Das Ergebnis wird darauf zurückgeführt, dass sie eine Eliteschule besucht haben, und von dort springt die Diskussion zu Verallgemeinerungen darüber, wer gutaussehend ist und wer nicht – je nachdem, wo jemand zur Schule ging.

Warum wird Schönheit mit der Eliteschule verbunden?

Die am häufigsten wiederholte These handelt nicht von Ästhetik, sondern von Herkunft. An Schulen der Oberschicht, so das Argument, träfen eine angeblich bessere Genetik und Pflegegewohnheiten aufeinander, die zu einer körperlich homogeneren Schülerschaft führten. Dieselbe Strömung behauptet, in ärmeren Vierteln sei der Mix größer und das Ergebnis ihrer Ansicht nach weniger einheitlich.

Hier gilt es, Daten und Meinung zu trennen. Darüber lässt sich streiten, ob der sozioökonomische Status den Zugang zu bestimmten Pflegegewohnheiten beeinflusst; daraus ein Urteil über die Schönheit eines ganzen Viertels abzuleiten, ist etwas völlig anderes. Und diese Urteile richten sich in der Praxis fast immer gegen eine bestimmte Gruppe, wodurch aus einer angeblichen ästhetischen Beobachtung eine abwertende Etikette wird.

Der Sprung zur Genetik und zur Herkunft

Der zweite Akt des Austauschs ist der vorhersehbarste und der grobste. Ein Teil der Kommentare behauptet, was im Video zu sehen sei, beruhe auf einer angeblichen genetischen Verbesserung bestimmter Klassen, und stellt diese Gruppe der Bevölkerung ärmerer Gegenden oder mit Migrationshintergrund gegenüber, die verächtlich beschrieben wird. Es sind Behauptungen ohne jede statistische Grundlage und mit einem deutlichen Beiklang von Eugenik.

Es gibt keine Studien, die Schönheit nach Postleitzahl oder Nachnamen messen. Über den Einfluss des sozioökonomischen Status auf den Zugang zu kosmetischer Pflege lässt sich streiten; eine Bauchrede über Viertel und Rassen darf nicht als Biologie ausgegeben werden. Das Material selbst verrät es: Wenn die Argumente konkret werden wollen, bleiben es Anekdoten und Nachnamen, die nichts beweisen.

Die Theorie, das Video sei mit Künstlicher Intelligenz manipuliert

Manche glauben gar nichts davon. Eine der Antworten behauptet, das Video sei umgekehrt entstanden: Zuerst seien die Protagonistinnen als Erwachsene gefilmt worden, danach habe man ihre Gesichter mit Künstlicher Intelligenz verjüngt, um das Klassenfoto vorzutäuschen. Das lässt sich mit dem, was vorliegt, nicht überprüfen, zeigt aber gut, wie sehr das Vertrauen in jedes Bild, das im Internet kursiert, beschädigt ist. Wenn das Werkzeug, um ein falsches Vorher-Nachher zu fabrizieren, für jeden erreichbar ist, wird Misstrauen zum automatischen Reflex.

Instagram und die Enttäuschung über die heutigen Schönheitsideale

Unter der ästhetischen Debatte liegt ein älterer Vorwurf: dass die Vorbilder von vor zwanzig Jahren besser waren. Eine Idee, die im Thread auftaucht, lautet, soziale Medien hätten den Geschmack verdorben und die Körper vereinheitlicht. Es ist die ewige Nostalgie auf die Vergangenheit, nun aber vermischt mit einem anderen Unterton: dem Gefühl, dass die heutigen Schönheitsideale das Produkt von Filtern, Retusche und Bearbeitung sind und der Vergleich, den das Video anbietet, gerade deshalb ein Schwindel ist.

Frauen sind kein Katalog

Die unbequemste Antwort für alle anderen kommt aus den eigenen Reihen. Eine der Nachrichten lehnt das ganze Unterfangen rundherum ab: Frauen sind kein Katalog und nicht dafür da, wie bei einer Auktion benotet zu werden. Sie erinnert daran, dass das Privatleben jeder Einzelnen – mit wem sie ausgeht, mit wem sie Schluss macht – niemanden etwas angeht. Und sie nennt das Offensichtliche: Wer sich über ein Detail aus dem Leben einer ehemaligen Mitschülerin empört, projiziert mehr, als ihm bewusst ist.

Dieser Kontrapunkt hält den Rest der Diskussion nicht auf, macht aber deutlich, dass die Sache zwei Ebenen hat. Auf der einen wird, mit mehr oder weniger Witz, über Ideale und Klassen gestritten. Auf der anderen wird hinterfragt, ob das überhaupt einen Sinn ergibt.

Das Video begann als Geschichte über eine Freundesgruppe. Es endete als Geschichte über Nachnamen, Regionen und Jahrhunderte angeblicher Inzucht. Und von den Protagonistinnen hat keine Stellung genommen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (87 Antworten).

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