Vierter Zug mit Chemikalien entgleist in den USA

Vier Züge mit Gefahrgut entgleisen in zwei Wochen in den USA, zuletzt bei Houston. Wartungsmängel, Sabotage oder Zufall?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vierter Zug mit Chemikalien entgleist in den USA
Vierter Zug mit Chemikalien entgleist in den USA

Der vierte Zug mit Gefahrgut, der in den Vereinigten Staaten in nur zwei Wochen entgleist ist, hat eine unbequeme Frage wieder aufgeworfen: Ist das normal? Der jüngste Vorfall ereignete sich in der Nähe von Houston, Texas, mit 16 Waggons — einige davon mit gefährlichen Materialien beladen — und zwang Union Pacific dazu, die Luftqualität am Unfallort zu überwachen. Eine in sozialen Medien kursierende Aufzählung nennt vier Vorfälle innerhalb von vierzehn Tagen: Louisiana, Ohio, South Carolina und Texas.

Keine Behörde hat Sabotage bestätigt. Es gibt auch keine offizielle Erklärung, die die vier Fälle miteinander verbindet. Und diese Lücke wird, wie immer, durch Theorien gefüllt.

Wie viele Züge mit Gefahrgut sind in den USA entgleist?

Die wiederholte Liste umfasst vier Orte: Keachi in Louisiana, wo Tausende Liter Säure ausliefen; East Palestine, Ohio, der Fall, der für Schlagzeilen sorgte; ein Punkt in South Carolina; und Houston. Alle waren mit chemischer Ladung unterwegs, alle innerhalb von zwei Wochen.

Diese Zahl ist keine offizielle Statistik, sondern eine manuelle Zählung basierend auf vereinzelten Nachrichtenberichten, was der erste Schwachpunkt der Angelegenheit ist. Ohne vergleichbare historische Daten lässt sich nicht feststellen, ob dies eine Anomalie ist oder der Anfang eines Trends, der seit Jahren unbemerkt stattfindet. Ein Vergleich der Unfälle dieser Wochen mit denen anderer Jahre wäre der erste ernsthafte Schritt, wie es ein Teilnehmer der Debatte forderte. Niemand hat diesen Vergleich veröffentlicht.

Mangelnde Wartung oder Sabotage: die zwei Hypothesen

Eine Analyseströmung weist auf die Wartung hin. Das US-Eisenbahnnetz leidet unter jahrzehntelanger Unterinvestition, und Bremsen, deren Gehäuse sowie Achsen können überhitzen und Feuer fangen. Nach dieser These ist ein entgleister Güterzug kein Ereignis, sondern eine Statistik, und Statistiken gruppieren sich manchmal ohne einen Plan dahinter. Als Ironie erinnerte jemand daran, dass das Problem bei einem spanischen Betreiber Verspätungen gewesen wären, nicht Entgleisungen.

Die andere Strömung geht von einem vorsätzlichen Angriff aus. Im Fall von Ohio kursierte ein Überwachungsvideo, das laut seiner Verbreitung Feuer an einer Waggonachse 30 Meilen vor dem Unfall zeigte. Daraus wird schnell geschlossen, dass Achsen nicht von allein brennen und dass jemand manipuliert hat. Ohne öffentliches Gutachten, das dies stützt, bleibt dies ein Verdacht, kein Fakt. Der nächste Schritt — eine Vergeltungsmaßnahme für die Sabotage der Nord Stream-Pipelines, begangen von einem Staat oder einem internen Netzwerk — ist reine Spekulation.

Wie oft kommt es in den USA zu einem Chemieunfall?

Die entscheidende Frage ist nicht, wie viele Züge, sondern wie viele Chemieunfälle. Die zitierten Daten der EPA geben einen Durchschnittswert von einem Vorfall alle drei Tage in den USA an. Wenn diese Zahl korrekt ist, wäre das Außergewöhnliche nicht die vier Züge, sondern dass überhaupt jemand sie bemerkt hat. Im selben Zeitraum wurde ein Brand in einem drei Hektar großen PVC-Lager in Kissimmee, Florida, verbreitet; die virale Nachricht behauptet, dass seine Verbrennungsgiftigkeit mit der von Vinylchlorid vergleichbar sei, dem Stoff, der zur Herstellung dieses PVC verwendet wird.

Zu behaupten, das Land erlebe eine Pechsträhne, erfordert daher zunächst eine Definition dessen, was als normal gilt. Und darüber herrscht unter Analysten wenig Einigkeit.

Die Woche, in der auch Flugzeuge fielen

Zur Zugliste kam ein fünfter Entgleisung in Van Buren Township, am Rande von Detroit (Michigan), hinzu, bei der ein Waggon mit gefährlichen Materialien beteiligt war. Im selben Zeitfenster wurden alle Flüge im Land aufgrund eines Ausfalls am Boden gehalten, dessen Ursache, leider, nie erneut erklärt wurde.

Einzeln betrachtet, hat jeder Vorfall seine eigene langweilige Erklärung. Zusammen bilden sie ein Muster, das jeder mit gesundem Menschenverstand gerne mit Daten abgeglichen hätte. Das Problem ist, dass die vorhandenen Daten nicht so schnell veröffentlicht werden wie die Unfälle passieren.

Von White Noise zur Erzählung des internen Terrornetzwerks

Es gibt eine Kuriosität, die bereits zum Meme geworden ist: Der Film White Noise, verfügbar auf Netflix, beginnt mit einem Zugunfall, der eine giftige Wolke über einer Stadt freisetzt und eine Massenevakuierung auslöst. Dass Kino der Realität vorausgreift, beweist nichts, aber das Detail nährt das Gefühl eines vorab geschriebenen Drehbuchs.

Parallel dazu kursiert ein Clip des Moderators Tucker Carlson, in dem er behauptet, es gebe ein internes Terrornetzwerk, das die Lebensmittelversorgung, Eisenbahnen, das Stromnetz und Wasser angreift. Dies ist eine Anschuldigung ohne vorgelegte Beweise. Es reicht jedoch aus, um zu verstehen, warum ein Teil des Publikums aufgehört hat, an Zufälle zu glauben, während ein anderer sich daran gewöhnt hat.

Mit den verfügbaren Informationen bleibt die solideste Hypothese die langweiligste: veraltete Infrastruktur plus eine statistische Häufung. Sollte jedoch in den kommenden Wochen ein sechster Zug mit Chemikalien entgleisen, müssen diejenigen, die heute Geduld fordern, erklären, warum der Zufall so pünktlich geworden ist. Und wenn niemand die vollständige Statistik der Entgleisungen veröffentlicht, werden wir weiterhin Überwachungsvideos statt heißer Achsen diskutieren.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (131 Antworten).

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