Ukraine: Die Frage, die das Russland-freundliche Narrativ entkräftet
Es gibt eine Szene, die sich wiederholt, wann immer der Status der Ukraine diskutiert wird. Jemand fragt, ob ihre territoriale Integrität als unabhängige Nation, anerkannt seit 1991, respektiert werden sollte. Für einen Teil des Publikums kommt die Antwort schnell: dass sie eine Erfindung sei, dass die Krim ein Geschenk war, dass die NATO oder die Kubakrise schuld seien. Das Problem ist, dass fast alle diese Argumente mit einer Chronologie kollidieren, die, laut mehreren Teilnehmern, der Kreml selbst unterschrieben hat. Es geht nicht um Sympathie. Es geht um Daten.
Was diskutiert wird, wenn nach der Ukraine gefragt wird
Die Ausgangsfrage ist einfach: Wenn die Ukraine eine unabhängige Nation ist, anerkannt seit 1991, muss dann ihre territoriale Integrität respektiert werden? Die bejahende Antwort stützt sich, laut einigen Diskutanten, auf eine Kette von Anerkennungen, die nicht erst 1991 beginnt, sondern viel früher. Die Ukraine war seit ihrer Gründung 1923 eine eigenständige Republik innerhalb der UdSSR, hatte seit 1946 einen eigenen Sitz bei der UNO und wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion von Russland gegenseitig anerkannt. Das Budapester Memorandum von 1994 schloss den Kreis, dieser Version zufolge: Russland erkannte die ukrainische territoriale Integrität innerhalb der Grenzen von 1991 an, im Austausch dafür, dass die Ukraine ihr nukleares Arsenal übergab.
Die verneinende Antwort entfaltet sich in drei Blöcken. Der erste behauptet, die Ukraine sei keine echte Nation, sondern ein Flickenteppich, zusammengefügt von den Zaren und später von den sowjetischen Führern, wobei die Krim 1954 von Chruschtschow abgetreten wurde. Der zweite Block bestreitet nicht die Geschichte: Er bestreitet die Kraft. Wenn du dein Territorium nicht verteidigen kannst, nimmt es jemand anderes. Der dritte ist geopolitisch: Die Ukraine habe angeblich einen Neutralitätspakt gebrochen und sei ein Pufferstaat geworden, der externen Interessen dient.
Der nicht existierende Pakt und das reale Referendum
Das Argument des gebrochenen Pakts ist das am häufigsten wiederholte und das fragilste. Es wird behauptet, alle Mitglieder des Warschauer Pakts hätten sich verpflichten müssen, nicht der NATO beizutreten, um unabhängig zu werden. Der Einwand, vorgebracht von einem anderen Teilnehmer, ist stark: Ostdeutschland trat nach der Wiedervereinigung der NATO bei, mit sowjetischer Zustimmung, und der Vertrag zwischen der NATO und Russland von 1997 hielt schriftlich fest, dass jedes Land frei ist, Bündnisse zu suchen. Es gibt kein Dokument, das eine solche ukrainische Neutralitätsklausel enthält.
Ein Faktum taucht oft in diesen Diskussionen auf und sollte genau betrachtet werden: Im März 1991 fand in der UdSSR ein Referendum über ihren Fortbestand statt. In der Ukrainischen SSR stimmten 70,2 % dafür und 29,8 % dagegen, laut den Zahlen, die zitiert werden. Wer diese Zahl nutzt, um die Legitimität der späteren Unabhängigkeit infrage zu stellen, verschweigt, dass das Referendum nach dem Erhalt der Union fragte, nicht nach einem Verbot der Sezession, und dass die Unabhängigkeit Monate später proklamiert wurde, als die UdSSR bereits zerfiel. Vergleiche mit anderen Gebieten —Kosovo, Katalonien, Baskenland— erscheinen im Austausch, aber jede Analogie zieht ihre eigenen Ausnahmen nach sich.
Krim, Raketen und das Kraftargument
Die Abtretung der Krim ist ein weiterer loser Faden. Es wird argumentiert, Chruschtschow habe sie 1954 aus persönlichen Gründen geschenkt, mit einer Präzision, die Beachtung verdient: Was übertragen wurde, war die Verwaltung, nicht die Souveränität, und die Übergabe betraf vor allem den Postdienst zur Erleichterung der Verwaltung innerhalb der UdSSR. Die Unterscheidung zwischen Verwaltung und Souveränität ist juristisch relevant und wird in den Medien selten ausgeführt.
Das Kraftargument wird ohne Schnörkel formuliert: Politische Nationen sind nicht ewig, territoriale Integrität ist Unsinn, wenn keine Armee sie trägt, und wer angegriffen wird, kann nur kapitulieren, sich unterwerfen oder kämpfen. Dem wird die nukleare Paradoxie entgegengehalten: Wenn das Kriterium der Besitz von Sprengköpfen ist, ist der Anreiz für alle Länder, sich damit auszustatten, das Ergebnis ein weniger bewohnbarer Planet. Der Vergleich mit der Kubakrise von 1962 —Russland versprach, Basen aus der Türkei abzuziehen, und sie sind noch da, laut einem Teilnehmer— dient einigen dazu, eine russische Präsenz in der Karibik zu rechtfertigen.
Wer bestimmt das Narrativ und wer zahlt die Rechnung
Der wirtschaftliche Hintergrund tritt in mehreren Abschnitten hervor. Denjenigen, die ein Ende des Konflikts fordern, weil der Spritpreis steigt, wird vorgeworfen, dass die Forderung nach einer ukrainischen Kapitulation, um Treibstoff zu verbilligen, eine Position ist, die sich selbst trägt. Die Diskussion mündet in wechselseitige Heuchelei-Vorwürfe —Palästina, Kosovo, Ceuta und Melilla— und in einen Austausch darüber, welche Mächte wen und seit wann anerkennen.
Was am Ende bleibt, ist kein Konsens, sondern eine Asymmetrie. Argumente, die die ukrainische Unabhängigkeit infrage stellen, stützen sich auf strittige historische Interpretationen, auf Verträge, deren Existenz nicht dokumentiert ist, und auf ein Kraftprinzip, das konsistent angewandt halb Europa ohne verteidigbare Grenzen ließe. Die Verteidiger der Anerkennung stützen sich auf Daten, Verträge und Sitze in internationalen Organisationen. Die Anfangsfrage, so simpel, findet weiterhin keine Russland-freundliche Antwort, die dem Kalender standhält.
Das Detail, das verwirrt, ist keines der großen Wörter. Es ist, dass Russland selbst die Ukraine mehrfach als souveränen Staat anerkannt hat, in verschiedenen Rahmenwerken und mit verschiedenen Unterschriften, und dass der einzige klare Vertrag über ihre territoriale Integrität unterzeichnet wurde, damit die Ukraine ihre Sprengköpfe übergibt. Diese Rechnung ist bis heute unbezahlt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (130 Antworten).