Verheirateter Mann Mitte vierzig: Kritik ausweichen als Lebensform
Was ist der häusliche Frieden eines Mannes Mitte vierzig wert? Die Antwort lautet, einer Geschichte zufolge, die in Finanzforen die Runde macht: ein Gehaltsscheck am Monatsende und eine Sammlung von Schweigen. Ein Internetnutzer hat seinen Ehealltag in einer Prosa ausgebreitet, die Bukowski mit einer Excel-Tabelle mischt: Haare im Waschbecken, Krümel auf dem geblümten Öltuch, die Tür, die man bis zum Anschlag zuführen muss. Kein Chaos, kein Krieg. Zu viel Ordnung und Frieden. Und darunter der Verdacht, dass seine einzige Funktion im Haushalt darin besteht, Geld beizusteuern, während der Rest seiner Anwesenheit als Last gilt.
Der Text beginnt mit einem motivierenden Instagram-Zitat — jenem, das besagt: Wer das Chaos erträgt, um den Krieg zu vermeiden, bekommt zuerst das Chaos und dann den Krieg — und nimmt es schonungslos auseinander. Denn der Autor erträgt das Chaos nicht: Er vermeidet es. Jeden Morgen. Mit der Präzision eines Arbeiters, der die Schwachstellen seines emotionalen Fließbands kennt.
Was steckt hinter der Routine, die Kritik des Partners zu vermeiden?
Die Schilderung ist minutiös und wiedererkennbar für jeden, der je mit jemandem zusammengelebt hat: die Vibration der Uhr nutzen, um den Partner nicht zu wecken, keine Papierservietten verwenden, weil sie nur schmieren, sich beim Rasieren mehr Zeit nehmen. Jede Geste ist eine ausgewichene Kugel, wie ein anderer Teilnehmer der Diskussion zusammenfasst. Die implizite These ist unbequem: Der Erfolg des Tages bemisst sich nicht an Erfolgen, sondern an der Zahl der Kritiken, die nie ausgesprochen wurden.
Manche halten diese Rechnerei für eine mentale Falle. Der Verstand, so das Argument, kann zum schlimmsten Feind werden, wenn er damit beschäftigt ist, Orden dafür zu zählen, keinen Konflikt ausgelöst zu haben. Und manche gehen weiter: Der Autor habe das zitierte Zitat nicht verstanden, denn genau ertrage er ein inneres Chaos — das seiner eigenen Psyche —, um einen größeren Krieg zu vermeiden: die Scheidung oder die Einsamkeit. Das wahrscheinliche Ergebnis, so diese Lesart, sei eine langanhaltende Verbitterung, die ohnehin in der Trennung endet.
Die Alternative desjenigen, der gegangen ist: ausgeben, rauchen und keine Rechenschaft schulden
Der Geschichte des Aushaltens steht die desjenigen gegenüber, der gebrochen hat. Ein Teilnehmer beschreibt sein Leben nach zwanzig Jahren Beziehung: aufstehen, wann er will, eine Putzfrau engagieren, wenn es ihm passt, ausgeben, wo und wann er will, im Wohnzimmer eine Zigarre rauchen, wenn er Lust hat, auf dem Sofa essen, keine Frau länger als eine Nacht bei sich zulassen. Und ein Detail, das alles krönt: Er hat nie so viel Geld gespart.
Die Zahl ist nicht trivial. In Zeiten explodierender Lebenshaltungskosten hört die Haushaltsökonomie des klassischen Paares auf, ein Vorteil zu sein, und wird für manche zur Last. Die vollständige Rechnung, was ein Zweitpersonenhaushalt kostet — oder was man bei dessen Auflösung freisetzt —, liefert erstaunliche Ergebnisse, zumal wenn man sie mit der emotionalen Rechnung verrechnet.
Die Diskussion driftet bald auf raueres Terrain. Es wird debattiert, ob eine stabile, liebevolle Ehe die Norm oder die Ausnahme ist. Ein Beitrag fasst es schonungslos zusammen: Eine intakte Familie mit Eltern, die sich lieben, als normal hinzustellen, ist nicht normal, es ist ein verdammtes Wunder. Die Wahrscheinlichkeit, das Modell der eigenen Eltern zu wiederholen, wird ohne Ironie mit der Chance verglichen, im Eurojackpot zu gewinnen.
Warum fühlen sich so viele Männer Mitte vierzig als Versager?
Dann kommt das biologische Argument, ungeschminkt vorgetragen: Wenn der einzige echte Grund, warum Männer und Frauen einander ertragen, der Fortpflanzungstrieb ist, dann ist die Einsicht, kein Vater mehr zu werden, der traurigste Tag und zugleich der befreiendste. Von da an, so die These, lebe man, wie man wolle — vor allem, wenn man es sich leisten könne. Der Vergleich, der da ins Feld geführt wird — du brauchst eher eine Darmspiegelung als das Zusammenleben mit einer Frau —, verletzt, trifft aber eine Stimmung, die über das Individuelle hinausgeht.
Alles ist auch Selbstmitleid. Jemand zitiert Chesterton, um daran zu erinnern, dass das Außergewöhnlichste der Welt eine gewöhnliche Familie aus gewöhnlichem Mann und gewöhnlicher Frau mit gewöhnlichen Kindern ist. Das Zitat wirkt als Kontrapunkt: Wenn das das Außergewöhnliche ist, dann ist das Gewöhnliche etwas anderes. Und das Gewöhnliche sieht, dem hier gezeichneten Porträt zufolge, einem Mann ziemlich ähnlich, der sich sorgfältig rasiert, um keine Haare im Waschbecken zu hinterlassen.
Das Ende des Originaltextes ist eine Kapitulation: Du musst durch und tanzt mit dem, was kommt. Das Wort „entscheiden“, sagt der Autor, bringe ihn zum Lachen. Vor diesem Hintergrund lautet die Frage, die über der Diskussion schwebt, nicht, ob sich die Ehe lohnt, sondern wie viele Männer bereit sind zuzugeben, dass sie diese Rechnung jeden Morgen vor dem Spiegel anstellen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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