Meloni und Dänemark führen Migrationsgruppe ohne Spanien an
Ein Frühstück von 18 Ländern. Spanien, ausgeschlossen. Das Treffen, das im Rahmen des EU-Gipfels stattfand, wurde von der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen veranstaltet und diente dazu, eine Achse von Ländern zu inszenieren, die „innovative Lösungen für das Migrationsmanagement" fordern. Die Schlagzeile lieferte das Medium, das über das Treffen berichtete: Manche Regierungen, so hieß es, seien in der Lage, ihre Bevölkerung durch Migranten zu ersetzen, nur um an der Macht zu bleiben. Der Vorwurf richtete sich schriftlich gegen niemanden konkret, doch in Spanien wurde er als innerer Angriff gelesen. Und da flog der Funke.
Auf dem Tisch stand die massenhafte Regularisierung von Migranten, die die spanische Regierung vorantreibt und die Spanien laut einer in der Debatte kursierenden Rechnung bei den jährlichen Zuzügen vor Italien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland zusammen platziert. Die Zahl wird in dem Treffen nicht aufgeschlüsselt, wirkt aber als Auslöser einer Debatte, die Demografie, öffentliche Finanzen und Wahlkalkül vermischt.
Was die in der Debatte genannten Zahlen aussagen
Der quantitative Ausgangspunkt, der im Gespräch immer wieder auftaucht, ist ein Vergleich zwischen Regierungszyklen. Nach einer in der Debatte kursierenden Rechnung lag unter den PP-Regierungen von Aznar und Rajoy der Nettozuwachs der gemeldeten ausländischen Einwohner bei 1.475.172 Personen, die gewährten Einbürgerungen bei 1.345.000, insgesamt also 2.820.172. Unter den PSOE-Regierungen von Zapatero und Sánchez steigen dieselben Werte auf 4.881.932 Netto-Meldungen und 2.130.000 Einbürgerungen, insgesamt 7.011.932 Personen. Das sind Zahlen, die in der Debatte kursierten und die, wie jede aggregierte Zahl, tausend Deutungen zulassen: Sie hängen vom gewählten Zeitraum, vom Saldo und von der Definition der Einbürgerung ab.
Den Kontrapunkt setzen jene, die darauf verweisen, dass es unter Rajoy mehrere Jahre mit negativem Wanderungssaldo gab, also mehr Menschen abwanderten als zuzogen. Und die technische Feinheit: Eine Regularisierung ist keine Einreise; sie ändert den Rechtsstatus von jemandem, der bereits da ist. Beides zu verwechseln ist der häufigste Fehler in dieser Diskussion – und auch der politisch lohnendste.
Die Achse Meloni-Dänemark: weniger Migranten oder besseres Management?
Hier zerbricht die Debatte. Manche behaupten, Meloni habe die Zuzüge gesenkt und ein Teil der Migranten, die nach Spanien gelangen, stamme aus Italien, verdrängt durch verschärfte Aufenthaltsvoraussetzungen: mindestens fünfzehn Jahre für den Zugang zu Leistungen, was die meisten ausschließt. Die Folge sei, so diese These, eine Verlagerung nach Frankreich und Spanien.
Die Gegenversion lautet, dass die Zahl der Ausländer in Italien unter Meloni weiter gestiegen ist und das Versprechen, die irreguläre Einwanderung zu reduzieren, ein Wahlköder war. Ergänzt wird ein Detail, das die Erzählung erschwert: Fast eine Million Menschen maghrebinischer Herkunft besitzen inzwischen die italienische Staatsbürgerschaft. Wenn das Ziel war, die ausländische Präsenz zu verringern, sprechen die Zahlen nicht dafür.
Der dänische Fall verdient einen eigenen Absatz. Es wird argumentiert, Kopenhagen lehne Migranten nicht aus Überzeugung ab, sondern identifiziere sie, erfasse sie und weise einige ab, wenn es passt – und kassiere dafür von der EU rund 20.000 Euro pro Ablehnung im Rahmen des Migrations- und Asylpakts von 2024. Ein Mechanismus, der Migrationspolitik zugleich in Buchhaltung und Publicity verwandelt.
Der Arbeitgeberverband, der Unternehmer und der niedrige Lohn
Die wirtschaftliche Diskussion taucht früh auf: Manche behaupten, die Hauptinteressenten an der Zuwanderung von Arbeitskräften seien die Unternehmensverbände, die Beschäftigte für arbeitsintensive Branchen mit geringqualifizierten Tätigkeiten brauchen. Der Einwand ist berechtigt: Der Arbeitgeberverband will billige Arbeitskräfte, nicht unbedingt arbeitslose Menschen mit Leistungen. Und die Grenzen kontrolliert der Unternehmer nicht.
Das Fazit ist für alle unbequem: Wenn die Nachfrage nach Arbeitskräften existiert und das heimische Angebot die Stellen nicht füllt, muss sie jemand besetzen. Die Frage ist, zu welchem Lohn und unter welchen Bedingungen. Dort hört die Debatte auf, identitär zu sein, und wird zur Arbeitsmarktdiskussion.
Der Kalergi-Plan: die Theorie, die alles erklärt
Der Verweis auf den Kalergi-Plan zieht sich durch das gesamte Gespräch. Für einen Teil der Teilnehmer ist er der Schlüssel, der die angebliche geplante demografische Ersetzung erklärt. Für den anderen ist er eine Theorie ohne dokumentarische Grundlage, die als Joker dient. Die Diskussion, ob der ursprüngliche Plan von Rassenvermischung oder kontrolliertem inneren Konflikt sprach, verliert sich in Deutungen, von denen keine durch überprüfbare Dokumente gestützt wird.
Relevant ist, analytisch betrachtet, dass die Theorie als geschlossenes System funktioniert: Jede Zahl, die ihr widerspricht, wird als Teil des Plans erklärt. Das macht sie unwiderlegbar – und damit als Analysewerkzeug unbrauchbar.
Der Abschluss: die Frage, die bleibt
Mit Spanien draußen beim Frühstück der 18 und der Regularisierung als Fahne bleibt die spanische Regierung ohne Partner in der harten Achse und ohne Spielraum, sich als Referenz zu präsentieren. Wenn die Migrationspolitik immer mehr in Brüssel und in den Gängen entschieden wird – was bleibt dann vom Souveränitätsdiskurs? Die Frage ist nicht rhetorisch. Und niemand beantwortet sie vorerst.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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