Verfallene Wohnblöcke in Spanien: Erbe des billigen Baubooms

Ungepflegte Siedlungen der 60er mit niedrigen Gebühren. Debatte über Abriss oder Sanierung der spanischen Billig-Wohnanlagen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Verfallene Wohnblöcke in Spanien: Erbe des billigen Baubooms
Wohnblocks, die Lebensmut nehmen

Es gibt eine Architektur, die nicht altert, sondern rostet. Der Stahlbeton in halb Spanien ist sechzig Jahre alt, die Armierung verfault im Inneren und oft fehlt jede Fassadenpflege. Das Ergebnis sind Viertel, in denen Menschen in Bienenwaben zusammengepfercht leben, die von außen betrachtet verzweifeln lassen. Die Diskussion beginnt in Barcelona, im Besòs-Viertel, Calle Alfonso el Magnánimo: vor sechs Jahrzehnten errichtete Blocks ohne Wartung und einer Mischung aus Nachbarn, die der Autor selbst als maximal multikulturell beschreibt.

Interessant ist nicht nur das Verzeichnis der Schrecken, das umfangreich ist. Interessant ist, dass dieser Wohnungsbestand gebaut wurde, um Landflüchtlinge unterzubringen, und zwar sehr günstig. So günstig, dass laut einem Zeugnis die letzte Rate für eine dieser Wohnungen erst 2010 fällig war und weniger als 40 Euro monatlich betrug.

Woher diese Blocks stammen und warum sie so billig waren

Der Ursprung ist auf dem Kontinent verbreitet: Krieg, Urbanisierung und der dringende Bedarf an Wohnraum für eine wachsende Bevölkerung. In Sevilla stieg die Einwohnerzahl laut einem Teilnehmer innerhalb von zwei Jahrzehnten von 200.000 auf 700.000. Da es keinen historischen Stadterweiterungsplan gab, baute man außerhalb der Altstadt direkt große Blockanlagen. Häufig genannt wird das Polígono San Pablo, aber die Hälfte der Stadt entstand so: ohne gerade Straßen, abgeschlossen durch die Eisenbahnlinie.

Die Preise dieser Wohnungen erklären sich durch drei Faktoren. Der Boden war kostenlos. Die Finanzierung für Bauträger war vorteilhaft. Und die Bauqualität war oft erschreckend schlecht. Bei zweistelligen Zinsen für Normalverdiener erzielten die Baufirmen brutale Margen. Hier liegen die Wurzeln der heutigen großen Baukonzerne.

Die Inflation tat den Rest. Sie verdünnte die Schulden der Mieter bis zur Bedeutungslosigkeit. Wer in den 60ern ein dreißigjähriges Darlehen unterschrieb, zahlte heute Raten, die kaum ein Abendessen decken.

Die Karte des Schreckens: Alcorcón, Getafe, Parla, La Concepción

Madrid hat sein eigenes Verzeichnis. Die sogenannte Costa Marrón ragt heraus, wobei der Brutalismus in Alcorcón Fuenlabrada und die Kreisverkehre in Leganés übertreffen. Im Film Los Nuevos Españoles gibt es sogar eine Hommage an diese Wohnungen. Die Blocks in La Concepción werden als dystopisch beschrieben, doch Kenner relativieren: Sie sind nicht am Rand, liegen fünf Minuten von der Basilika de la Macarena entfernt und haben offene Flure und Treppenhäuser.

Die Liste geht weiter. Getafe und Parla, wo kaum Bäume oder Hecken stehen. Die Viertel Sant Ildefons und Bellvitge mit Wohnungen, die einst 150.000 oder 200.000 Euro kosteten, manche für 70.700 Euro angeboten, besetzt und mit Hochspannungsmasten zwanzig Meter vom Fenster entfernt. La Florida und La Torrassa in Hospitalet. Und außerhalb Spaniens die tschechoslowakischen Panelák, die dem Phänomen ihren Namen gaben.

Manche argumentieren, das Problem sei nicht die Hässlichkeit, sondern die Vernachlässigung: Wenn man innen gut lebt, egal wie es außen aussieht. Andere nennen dies eine Mentalität des „kleinen Mannes“.

War der Franquismus das größte Beispiel für Sozialismus, wie behauptet?

Hier spaltet sich die Analyse. Eine Strömung vertritt, dass die Immobilienpolitik der Diktatur die schlechteste Europas war, in zwei Phasen: Erst baute der Staat minderwertige Wohnungen, dann überließ er alles Privaten, die riesige Gewinne machten. Das Modell der zweiten Phase ist die Bienenstock-Wohnung.

Die andere Strömung erinnert daran, dass diese Wohnungen für ihre Mieter wenig kosteten und ein reales Problem lösten. Eine Großmutter zahlte ihre Wohnung des Ministeriums für Wohnungsbau bis ins Jahr 2000 ab, die letzte Rate fiel 2010 an, für weniger als 40 Euro monatlich. Vorteil der hohen Inflation, die die Schulden auflöst.

Die Diskussion lenkt auf die Gegenwart. Wenn nicht mehr gebaut wird, liegt es am fehlenden Boden in nachfragestarken Gebieten: Niemand mit Job in Madrid oder Barcelona zieht in eine umgewidmete Ödnis. Die Schlussfolgerung lautet, dass in Großstädten Höhe nötig ist, mindestens zwanzig Stockwerke, während Parks und breite Avenuen dort bleiben, wo Platz vorhanden ist.

[SIZE_5]Das Geschäft der Zukunft: Abriss und Neuaufbau[/SIZE]

Stahlbeton platzt durch Korrosion der Armierung. Das Pantheon hält zweitausend Jahre, weil es Massivbeton ist; das Empire State Building hat eine geschätzte Lebensdauer von zweihundert Jahren. Niemand wird sehen, wie die aktuellen Blocks fallen, aber sie werden fallen.

Dort zeigt sich die Chance, die vertan zu werden droht: Stadtviertel, die heute zentral oder fast zentral sind, neu zu gestalten, kommunale Fonds zu schaffen, die Grundstücke en bloc erwerben und unter Beachtung oder Änderung der Volumina neu bauen. Die unsteten Wohnungspolitiken, so heißt es, gehen einen anderen Weg.

Ein Abschluss fehlt. Mit diesen Voraussetzungen ist die vernünftige Prognose, dass der alte Bestand bleibt, solange niemand die Rentabilität seines Abrisses findet. Und das kann bei den aktuellen Bodenpreisen lange dauern.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (197 Antworten).

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