Venezuela: Von 8.202% Inflation zu 450 Bolívar pro Dollar

Im März 2018 lag die Inflation bei über 8.202%, der Parallelkurs des Dollars bei 450 Bolívar; das venezolanische Gehalt fiel auf 10 US-Dollar.

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Venezuela: Von 8.202% Inflation zu 450 Bolívar pro Dollar
Venezuela: Von 8.202% Inflation zu 450 Bolívar pro Dollar

Die Wirtschaft Venezuelas brach nicht abrupt zusammen, sondern zerfiel schrittweise, wobei jeder Schritt seine eigene Zahl hinterließ. Im März 2018 überstieg die Jahresinflation bereits 8.202%, laut dem Beratungsunternehmen Econométrica, gegenüber 6.573% im Februar. Im selben Zeitraum sprang der Parallelkurs des Dollars von 247 auf 266 Bolívar und erreichte gegen Ende Dezember 450 Bolívar. Ein Land, das 1982 ein höheres BIP pro Kopf als Spanien hatte, löschte sich live aus, während das Mindestgehalt durch den realen Wechselkurs auf 10 Dollar dahinschmolz.

Was geschah mit dem Bolívar an der Grenze zu Kolumbien?

Der neue Bolívar (Bolivar Soberano) erreichte an der Grenze zu Kolumbien Ende August 2018 einen Kurs von über 200 kolumbianischen Pesos. Wenige Wochen später kauften Wechselstuben in Cúcuta für 5 und verkauften für 7 Peso. Dieser Absturz von 98% zwang mehrere Geschäfte in der Stadt zur Schließung. Die Daten waren keine Anekdote von Geldwechslern: Sie bewiesen, dass die neue Währungseinheit, die als Rettungsanker präsentiert wurde, entwertet war, bevor jemand gelernt hatte, sie korrekt zu schreiben.

Die Entwicklung der venezolanischen Wirtschaft in diesen Jahren ergibt eine fast lehrbuchmäßige Sequenz. Zuerst verliert man die Währung, dann das Gehalt und schließlich die Fähigkeit, irgendetwas zu kaufen. Ein mit der Regierung verbundener Ökonom bezifferte die Schwankung des Bolívar seit 2013 auf 558.035.614% und schrieb das Desaster einem „Angriff auf die Währung“ zu, der über parallele Wechselkurse kanalisiert wurde. Diese Erklärung hat ihre Rechtfertigung: Es gibt eine Industrie von Kursnotierungen, die Referenzpreise abseits der Zentralbank festlegt.

Wie viel ist das venezolanische Mindestgehalt wirklich wert?

Zum offiziellen Wechselkurs entsprachen 4.500 Bolívar etwa 30 Dollar. Zum Dollar, den die Leute tatsächlich nutzten – 450 Bolívar pro Einheit – reichte es kaum für 10. Die Korrektur des Petro-Wertes, der die Einheit nach 100 Tagen des Wiederbelebungsplans von 3.600 auf 9.000 Bolívar anhob, wurde als Verbesserung der Gehaltstabellen verkauft. Praktisch brachte dies den Arbeitnehmer zum Ausgangspunkt zurück: ein Schein und etwas Kleingeld für zwei Wochen Arbeit.

Ein Detail wiederholt sich in fast allen Erklärungsversuchen der Krise: die Diskrepanz zwischen dem von der Regierung dekretierten Wechselkurs und dem vom Händler an der Ecke geforderten Kurs. Wenn der offizielle Kurs bei 150 Bolívar lag und der reale bei 450, konnte kein Haushalt funktionieren. Der Händler, der Ware zum Parallelpreis einkauft, kann sie nicht zum dekretierten Preis verkaufen, ohne seinen Ruin zu unterschreiben. Und er tat es. Er schloss.

Der Petro: Von souveräner Kryptowährung zu Rechnungseinheit

Die Ankündigung des Petro wurde als großer technologischer Sprung des Chavismus präsentiert: eine durch Ölreserven gedeckte Kryptowährung, die die Finanzblockade umgehen sollte. Ein US-Ökonom, der dem Projekt wohlgesonnen war, beschrieb ihn als „hervorragende Möglichkeit, diese koloniale Kette zu brechen“. Die Realität war bescheidener. Monate später hörte die Regierung auf, von einer Kryptowährung zu sprechen, und bezeichnete den Petro als das, was er nie aufgehört hatte zu sein: eine Rechnungseinheit. Ohne öffentliche Blockchain zur Überprüfung, ohne Markt zum Kauf, diente das Instrument dazu, den Wert des Gehalts und offizielle Preise festzulegen.

Mit dem Petro wurden, so die offizielle Version, die ersten 30 Krankenwagen eines Abkommens mit internationalen Unternehmen gekauft. Über weitere Nutzungen war wenig bekannt. Die offene Frage bleibt diejenige, die jeden Notfall-Monetärexperiment begleitet: Wenn es nicht verifizierbar ist, existiert es nicht.

Per Dekret festgelegte Preise und verschwindende Waren

Als die Regierung ihre Liste offizieller Preise veröffentlichte, war der Effekt unfreiwillig komisch. In Dollar betrachtet waren die Beträge nicht absurd: Dose Thunfisch (140 g) für 430 Bolívar, Rindfleisch für 420, gemahlener Kaffee für 360, Öl für 239. In Bolívar ausgedrückt waren es Preise von einem anderen Planeten. Der Händler, der Ware zum Parallelpreis eingekauft hatte, konnte sie nicht zum dekretierten Wert verkaufen, ohne bei jeder Transaktion Verluste hinzunehmen.

Die Reaktion des Marktes war die vorhersehbarste von allen: Ware horten und warten. Geschäfte schlossen willkürlich, Regale blieben leer, und eine Inflation machte jedes Produkt zum Luxusartikel. Es gibt eine Lehrbuch-Erklärung – bei 6.000% Inflation und monetarisierter Staatsverschuldung erhöhen Händler Preise, weil sie keine andere Wahl haben – und eine offizielle Erklärung, wonach Händler Preise erhöhen, weil sie böswillig sind. Die erste stimmt mit den Zahlen überein; die zweite mit den Reden.

Sanktionen oder Missmanagement: Was erklärt den Zusammenbruch wirklich?

Hier wird die Angelegenheit zu einem Aufprall unvereinbarer Narrative. Eine Strömung behauptet, der Zusammenbruch sei die direkte Folge der US-Sanktionen, der Finanzblockade und eines von Washington geplanten Wirtschaftskrieges. Man verweist auf den Iran, wo Sanktionen Krebsbehandlungen verteuerten, oder Nordkorea, für das Russland humanitäre Hilfe im UN-Sicherheitsrat forderte. Das Argument hat Substanz: Der Ausschluss vom internationalen Bankwesen verteuert jede Importmöglichkeit für Medikamente oder Lebensmittel.

Eine andere Strömung kontert mit der Chronologie. Der Rückgang des BIP pro Kopf in Venezuela zwischen 1978 und 1999, als keinerlei Sanktionen bestanden, liegt vor all dem. Die venezolanische Wirtschaft war seit Jahrzehnten von der Weltwirtschaft entkoppelt. Hugo Chávez scheiterte 1992 mitten in der Krise mit einem Putschversuch, kam 1999 per Wahl an die Macht, und das Pro-Kopf-Einkommen stieg bis zur globalen Krise 2008, getrieben durch hohe Ölpreise. Als dieser Rückenwind wegfiel, kehrte das Grundproblem zurück.

Die dritte Lesart, unbequem für beide Seiten, zeigt auf das Rentiermodell. Ein Land, das Öl-Reichtum verteilt, ohne die Wirtschaft zu industrialisieren, ist verdammt, davon abzuhängen, was ein Barrel kostet. Der Fluch liegt weder im Sozialismus noch im Imperialismus: Er liegt darin, dass man das Öl nicht investiert hat, als noch Spielraum bestand.

Das BIP pro Kopf und die Erinnerung an das Punto-Fijo-System

Ein Großteil der Debatte dreht sich um eine einfache Frage: War es vor Chávez besser? Die dokumentierte Antwort ist für beide Seiten unbequem. Das Pro-Kopf-Einkommen Venezuelas Anfang der Achtzigerjahre war vergleichbar mit dem Spaniens und relativ gut verteilt; heute ist das spanische Einkommen dreimal so hoch. Laut den in der Diskussion genannten Daten überholte Spanien Venezuela beim BIP pro Kopf um 1983, nachdem es jahrelang ärmer gewesen war als Chile, Argentinien oder Venezuela selbst.

Das politische System, das Venezuela zwischen 1958 und 1998 regierte, teilte die Macht zwischen zwei Parteien gleicher Couleur, Acción Democrática und COPEI, unter einem Abkommen namens Punto Fijo. Während dieser Jahre, so Kritiker, funktionierten Repression, Korruption und Klientelismus völlig normal und ohne nennenswerte internationale Gegenreaktion. Die Ankunft Chávez’ war kein Blitz aus heiterem Himmel: Sie war die Antwort auf eine vorangegangene Erschöpfung. Der Wohlstand der frühen Chávez-Jahre reduzierte die Armut in der Bevölkerungsmehrheit deutlich, ein Faktum, das man nicht unter dem späteren Narrativ begraben sollte.

Türkei, Russland und die NATO-Umzingelung in Kolumbien

Die geopolitische Dimension spielt parallel. Der Beitritt Kolumbiens zur NATO, diplomatischer Druck aus Bogotá, Treffen von Nicolás Maduro mit Wladimir Pilingui in Moskau und mit Recep Tayyip Erdogan im Palast Miraflores zeichnen ein Tableau, in dem Venezuela Partner sucht, die die Finanzblockade umgehen. Die Vertiefung der Beziehungen zur Türkei wird insbesondere als neuer Expansionskern gelesen, um Teile der Umzingelung zu vermeiden. Venezolanisches Gold im Ausland, der Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen zu Panama und das Verbot für dessen Präsidenten waren Episoden dieses Konflikts.

Es fehlen auch schwerwiegendere Warnungen nicht. Ein ehemaliger Stabschef Barack Obamas deutete an, dass eine militärische Aktion in Venezuela im Oktober aus innenpolitischen Gründen in den USA angeordnet werden könnte. Ein flüchtiger Oberst, von den venezolanischen Behörden wegen eines angeblichen Attentatsversuchs auf Maduro gesucht, tauchte in Berichten auf, die versuchten, „Regierungen für eine militärische Option zu gewinnen“. Dies sind Episoden eines Abnutzungskrieges, in dem die Wirtschaft nur das sichtbarste Schlachtfeld ist.

Der Zusammenbruch in Straßen-Zahlen

Während die Debatte voller Nuancen steckt, bemisst sich das Alltagsleben in bescheideneren Einheiten. Der Bitcoin-Handel in Venezuela lag virtuell gleichauf mit dem in den USA: 4.354 gegenüber 4.352 Einheiten in vier Wochen, mit Wochen, in denen die venezolanische Nutzung die amerikanische übertraf. Eine Wirtschaft, in der die lokale Währung so schnell an Wert verliert, zwingt jeden, Zuflucht in jedem Vermögenswert außer dem Bolívar zu suchen.

Das andere Bild ist die Warteschlange für Wasser. Am Wohnsitz des Präsidenten des Obersten Gerichtshofs musste zeitweise ein Militär-Tankwagen eingesetzt werden, während die breite Bevölkerung die schlimmste Wasserrationierung der letzten Jahrzehnte erlebte. Keine gewöhnliche Nachricht: Rationiertes Wasser wurde zum Symbol dafür, dass der Staat nicht einmal mehr das Nötigste garantieren konnte.

Schlusswort

Da die venezolanische Ölproduktion unter der von Bundesstaaten wie North Dakota lag und die Inflation ihre Geschwindigkeit monatlich vervielfachte, war die Frage nicht, ob das Regime überleben würde, sondern wie lange es dauern würde, bis sich die Preise stabilisierten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (11461 Antworten).

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