Venezolanisches Öl legt die Legitimitätskrise der UNO offen

Lavrovs Auftritt bei der UNO und venezolanisches Öl in Richtung USA entfachen den Streit über das Völkerrecht und die Rolle des Hegemons neu.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Venezolanisches Öl legt die Legitimitätskrise der UNO offen
Die UNO zerbricht zwischen Lavrov und venezolanischen Ölfässern

Der Westen hat die Deutungshoheit in der UNO verloren, und zwar mit einer Geschwindigkeit, die selbst seine eigenen Verbündeten beunruhigt. Der Auftritt des russischen Außenministers Sergej Lawrow wurde in weiten Kreisen als argumentatives Massaker an den internationalen Institutionen gelesen, die ohnehin kaum noch jemand mit Begeisterung verteidigt. Die Kernbotschaft: Das Völkerrecht gilt nur, wenn es demjenigen nützt, der es geschrieben hat. Und obendrein nährt die Struktur der Organisation – fünf Mitglieder mit Vetorecht, der Rest schaut zu – dieses Misstrauen.

Warum die UNO gegenüber den Großmächten an Gewicht verloren hat

Die UNO wurde mit fünf Herren und einem Vetorecht geboren, und dieses Design ist heute ihre größte Bürde. Keine Großmacht ist bereit, Souveränität abzugeben, doch alle verlangen von den anderen die Einhaltung von Regeln, die sie selbst ohne Skrupel umgehen. Die meistgelesene Analyse deutet auf eine konkrete Folge hin: Wenn derjenige, der die internationale Ordnung geschaffen hat, sie nicht mehr selbst anwendet, öffnet er anderen die Tür, es ihm gleichzutun. Die Frage ist nicht mehr, ob die UNO nützt, sondern wie lange es dauert, bis sie inhaltlich entleert ist.

Manche gehen weiter und verorten das Problem in der Machtfrage. Die These lautet, dass die USA den multilateralen Rahmen zur Wahrung ihrer Interessen nicht mehr benötigen und begonnen haben, ihn offen zu ignorieren. Aus dieser Sicht verträten Foren wie der Sicherheitsrat, die G7 oder die OECD weniger als 20% der Weltwirtschaft und der weltweiten Militärmacht, was ihre Autorität zunehmend zu etwas rein Symbolischem mache.

Venezolanisches Öl und die humanitäre Rechtfertigung

Die zweite Front ist greifbarer. Das Weiße Haus gibt an, dass Millionen Fässer venezolanischen Öls bereits in die USA fließen, während man auf die baldige Freilassung des venezolanischen Führers und seiner Ehefrau drängt. Der Widerspruch springt ins Auge: Wäre das Wohl des Volkes das Ziel, würde die Rhetorik aufgehen; wenn das Ergebnis aber nur ist, dass jemand anderes entscheidet, was mit den Ressourcen geschieht und zu welchem Preis, fällt sie in sich zusammen.

Dass Venezuela unter einer tiefen institutionellen Krise leidet, bestreitet kaum jemand. Umstritten ist die Rechtfertigung. Für die einen ist das Land ein Narzostaat, in dem die Bürger zu Bauern im Dienst des jeweiligen Despoten degradiert wurden. Für die anderen zählt nicht das Regime, sondern wer jetzt am Tisch sitzt, um über die Energierechnung zu verhandeln, die einen Teil der US-Wirtschaft trägt.

Die spanische Angst: Aus der NATO und aus dem Euro

Die innenpolitische Dimension ist mindestens ebenso schonungslos. Ein Teil der Analyse hält fest, dass jedes Flirtspiel mit einem NATO-Austritt Spanien auch aus der EU und dem Euro drängen würde – mit einem schwer verdaulichen Ergebnis: ein Land ohne Industrie, ohne Forschung und ohne Energie, mit einem dahinsiechenden Primärsektor, einem Tourismus auf Tresenniveau und einer Bevölkerung, von der mehr als 50% von direkten öffentlichen Transferleistungen abhängen und weitere 25% von indirekten.

Wer herrscht, wenn die Regeln fallen

In den enttäuschtesten Diagnosen spielt der Mensch kaum eine Rolle. Die Welt sei schon immer von der Fähigkeit zur Zerstörung regiert worden – vom Stahl über das Schießpulver bis zu den Atomwaffen –, und die UNO sei nichts weiter als ein Theaterstück gewesen, um den Leuten weiszumachen, dass es Regeln gibt. Von dort aus wäre die einzige Möglichkeit, dass niemand seine Überlegenheit missbraucht, die Verbreitung modernster Waffentechnologie, bis das Gleichgewicht unhaltbar würde. Paradox, aber es erklärt die Grundstimmung.

Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass der Kampf um die Deutungshoheit weiter eskaliert. Die Institutionen werden sich nur langsam reformieren, wenn überhaupt, und die nächste Episode wird wohl wieder auf einer Bühne statt vor einem Gericht ausgetragen. Doch das Drehbuch sollte man nicht als abgeschlossen betrachten: Die Organisationen, die viele längst aufgegeben haben, überleben ihre eigenen Todesurteile seit Jahrzehnten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (63 Antworten).

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