Valencia: Als das Wasser vor der Warnung kam
Es gibt eine Tatsache, die jede beschwichtigende Erzählung durcheinanderbringt: In Paiporta regnete es nicht, als die Flut in den Ort einlief. Das erzählen diejenigen, die es erlebt haben. Es gab keine fahrlässige Leichtfertigkeit, keinen Spaziergang im Sturm, keine Lektion für die Opfer. Das Wasser kam, und der Tod kam mit ihm, und zwischen dem einen und dem anderen gab es keine Nachricht, die sagte: „Raus von der Straße“. Genau in diesem Riss hat sich alles Übrige aufgebaut.
Die DANA-Katastrophe in der Provinz Valencia —mit Utiel und Requena, die zwischen 300 und 500 Litern pro Quadratmeter erhielten— hat eine Befehlskette offengelegt, die an keinem einzigen Glied funktionierte. Die AEMET (Spaniens Wetterdienst) hatte die rote Alarmstufe ausgerufen. Das Regenradar war, so wird behauptet, defekt. Und die Massenwarnung aufs Handy kam, als sie kam, als das Wasser bereits in den Häusern stand. Von da an zerfällt die Erzählung in zwei Lager: diejenigen, die die Inkompetenz der Behörden anprangern, und diejenigen, die auf eine Gesellschaft verweisen, die selbst bei klingender Sirene nicht reagiert.
Die Warnung, die nicht kam, und das Radar, das nicht funktionierte
Die Abfolge der Ereignisse, wie sie nach und nach rekonstruiert wurde, hat eine beunruhigende Logik. Die Regenfälle begannen mittags in den Höhenlagen der Provinz. Um drei Uhr nachmittags gab es bereits Staus auf der A-3 bei Ribarroja. Das Wasser floss Richtung Ballungsraum, und die offizielle Mitteilung erschien weiterhin nicht. Als die Warnung schließlich aufs Handy geschickt wurde, war ein Großteil der Betroffenen bereits eingeschlossen.
Das Argument, niemand hätte es wissen können, stößt auf ein Hindernis: das defekte Regenradar. Wenn das Messgerät für die Niederschlagsintensität außer Betrieb ist, wird die Vorhersage zur Lotterie. Aber andere erinnern daran, dass die rote Alarmstufe bereits zwei Tage aktiv war und das Leben auf den Straßen völlig normal weiterlief. Die Debatte ist damit keine meteorologische mehr, sondern eine politische.
Die UME, das Militär und der Vergleich mit 1957
Einer der roten Fäden der Empörung ist das Gefühl, dass die Mittel des Staates zu spät und in zu geringer Zahl eintrafen. Der am häufigsten gezogene Vergleich ist der zur Flut von 1957, die Valencia unter drei Metern Wasser begrub und weniger Tote forderte. Damals gab es weder Satelliten noch Handy-Warnungen, aber das Militär rückte massenhaft an, sobald das Problem sichtbar wurde, und aus jener Katastrophe entstand der Plan Sur, ein Hochwasserschutzprojekt, das diesmal verhinderte, dass die Innenstadt überflutet wurde.
Der technische Einwand wiegt schwer: Das spanische Militär ist heute deutlich kleiner als 1957, als die Wehrpflicht Zehntausende Soldaten in Umlauf brachte. Für Aufräumarbeiten lässt sich weit weniger Personal mobilisieren. Doch der Vorwurf richtet sich weniger gegen die Zahl als gegen die Zeit: Es wird geltend gemacht, dass die UME (Spaniens Militär-Notfallverband) nur zögerlich aktiviert wurde und dass die Koordination zwischen Guardia Civil, Zivilschutz und der Generalitat (der valencianischen Regionalregierung) ein Labyrinth von Zuständigkeiten war.
Der politische Kampf: vom „Es ist unser Moment“ zur Schuldzuweisung
Parallel zur Tragödie entbrannte ein Kreuzfeuer der Verantwortlichkeiten, das manche als eine Art lesen, sich die Hände vom Blut der Toten zu waschen. Die Generalitat und die Zentralregierung überhäufen sich gegenseitig mit Vorwürfen, wer die Daten hatte und wer den Befehl hätte geben müssen. Eine Richterin verortet die Verantwortung für die Datenanalyse bei der Generalitat, während der Einsatzleiter der DANA diese Lesart widerlegt und auf die Zentralregierung verweist. Jeder Beschluss, jede Aussage speist eine Erzählung, die längst nicht mehr ums Wasser geht.
Der meistdiskutierte —und beschämendste— Fall war der Beitrag des Ministeriums für Gleichstellung, das eine Nachricht zur DANA mit der Überschrift „Es ist unser Moment“ in den sozialen Medien veröffentlichte und kurz darauf löschte. Mitten in der Trauer wurde die Geste als Beweis dafür gelesen, dass die politische Kommunikationsmaschine auf einem Weg und der Notfall auf dem anderen war.
Der Sozialstaat und die unbequeme Frage
Es gibt eine Strömung, die nicht nur die Politiker verantwortlich macht. Ihre These lautet: Der Staat sind nicht die Minister, sondern die Legion von Beamten, die unterschreiben, verwalten und umsetzen. Und diese Maschinerie, gegen politische Wechselfälle abgeschirmt, verschanzt sich lieber, als sich das Leben zu erschweren. Die Kritik erstreckt sich auf das öffentliche Gesundheitswesen, die Bürokratie und die Kultur des „Zuständig bin nicht ich“. Es ist eine harte Lesart, aber sie erklärt, warum viele Menschen nichts mehr vom Staat erwarteten und sich selbst organisierten.
Ihr gegenüber die andere Spiegelseite: die infantilisierte Gesellschaft. Es wird argumentiert, dass eine halbe Million Menschen auf überflutungsgefährdetem Grund lebt, dass die rote Alarmstufe keine einzige Routine veränderte und dass es harter Zwangsmittel —wie in der Pandemie— bedarf, damit die Leute zu Hause bleiben. Als Beispiel wird der Hurrikan in den USA angeführt, der eine Woche im Voraus angekündigt wurde. Hier kam die Warnung, als das Wasser bereits in der Eingangstür stand.
Der Schlamm, die Milch und die Solidarität, die nicht reicht
Die Bilder, die in die Geschichte eingehen, stammen nicht aus Büros. Sie zeigen Menschen, die aus dem Schlamm Milchtüten bergen, weil es kein Trinkwasser gibt. Sie zeigen Nachbarn, die achtundvierzig Stunden im Auto schlafen, ohne zu wissen, was sie essen sollen. Sie zeigen junge Menschen, die mit Metallstangen patrouillieren. Und sie zeigen auch eine Solidarität, die sich außerhalb der Institutionen organisiert hat, mit Freiwilligen, die vor den Lastwagen da waren.
Diese Solidarität ist real, und sie trägt die Erzählung, dass „wir gute Menschen sind“. Doch manche warnen vor dem Risiko, dass diese individuelle Güte die kollektive Rechnung überdeckt: Wenn der Staat nicht funktioniert, ist Nächstenliebe kein System. Die Frage, die zwei Jahre nach der Katastrophe in der Luft hängt, lautet, ob irgendjemand etwas verändert hat, damit das Wasser beim nächsten Mal nicht vor der Warnung kommt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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