Alvise und die 'Charo' von Algeciras: Aura, Tritt und Vorkampagne

Eine Frau unterbricht und greift Teilnehmer bei Alvises Unterschriftensammlung in Algeciras an, wie der Parteichef selbst erklärt, der das Video mitten in der Vorkampagne verbreitete.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Alvise und die 'Charo' von Algeciras: Aura, Tritt und Vorkampagne
Alvise und der Tritt von Algeciras: Aura, Farce und Vorkampagne

Wie viel ist ein Video einer schreienden Frau bei einer Unterschriftensammlung wert? Für Alvise Pérez: ziemlich viel. Die Szene spielte sich in Algeciras ab, bei einer Unterschriftensammlung der SALF, und der Parteichef selbst verbreitete sie mit einer knappen Botschaft: Eine Frau – in den sozialen Medien in „Charo“ umbenannt – unterbricht und greift mehrere Teilnehmer an, seiner Version zufolge. Das Video kursiert mit Filmmusik aus einem Piratenfilm und einem hohen Tritt, der zur meistkommentierten Einstellung des Tages wurde.

Für sich genommen ist der Vorfall nichts weiter als eine Straßenanekdote. Relevant ist, was er offenbart, so mehrere Deutungen: eine Partei, die jeden Zwischenfall in Kampagnenmaterial verwandelt, und ein digitales Ökosystem, das mangels Programminhalten die körperliche Aktion belohnt. Das Video erreichte mehr Menschen als jede Kundigung es gekonnt hätte.

Was bei der Unterschriftensammlung in Algeciras geschah

Die Sequenz ist kurz und chaotisch. Eine Frau nähert sich dem Unterschriftentisch, gerät mit den Anwesenden aneinander und setzt irgendwann einen Tritt, der sein Ziel wegen falsch eingeschätzter Höhe verfehlt, wie einige Nutzer kommentieren. Alvise selbst veröffentlichte das Video mit dem Kommentar, die Frau „unterbreche und greife“ die Teilnehmer an. Danach zerfällt der Clip in Memes: die epische Musik, die Hüftdrehung, der Vergleich mit einer Videospielfigur.

Die anschließende Debatte spaltet sich in zwei Lager. Die einen sehen ein Vergehen gegen das Versammlungsrecht, das grundlegend ist, die anderen eine Inszenierung oder eine kalkulierte Provokation, die genau diesen Clip erzeugen sollte. Der Status als „Charo“ – ein Begriff, der im Internetslang ein Stereotyp der Frau aus dem Viertel mit gefärbten Haaren und Temperament bezeichnet – liefert den Rahmen: Der Spitzname dient als Etikett und als Erklärung zugleich. Das Stereotyp, sagen manche, erspart die Analyse.

Das Video als Wahlkampfinstrument

Die politische Lesart hat die größte Wirkung. Der Vorfall ereignet sich mitten in der Vorkampagne und dient, mehreren Deutungen zufolge, einem sehr konkreten Zweck: dass über Alvise gesprochen wird. Ohne den Zwischenfall wäre die Veranstaltung in Algeciras unbemerkt geblieben. Mit ihm gibt es einen Clip, eine Reaktion und ein Thema. Die Übereinstimmung mit anderen Vorfällen am selben Tag in Barcelona verstärkt bei einigen Teilnehmern das Gefühl, dass der Kalender regiert.

Auch der Kontrapunkt erscheint: Manche behaupten, der SALF-Chef sei ein Agent des Systems, das Video eine falsche Flagge und die Frau Teil der Show. Dafür gibt es keinerlei Beweise, und das sollte man sagen: Es sind in die Luft geworfene Verdächtigungen. Überprüfbar ist hingegen die Nutzung des Clips als Mobilisierungsinstrument.

Die Asymmetrie, die niemand bestreitet

Das meist wiederholte Argument dreht sich nicht um den Tritt, sondern um die Symmetrie. Es wird behauptet, Veranstaltungen von Vox, SALF oder der PP würden selten von linken Aktivisten heimgesucht, während bei Veranstaltungen der Linken durchaus Zwischenfälle vorkämen. Die Behauptung lässt sich schwer quantifizieren und wird nicht mit Daten belegt, funktioniert aber als Erzählung: die Idee, dass der Gegner das Monopol auf die Straße hat.

Demgegenüber weist die andere Strömung darauf hin, dass der Clip genau darauf angelegt sei, diese Erzählung zu speisen. Provokation, Bildausschnitt und Verbreitung bildeten ein einziges Produkt. Und mittendrin das unangenehmste Detail: Die Frau im Video ist keine Politikerin, sondern eine Privatperson, die über Nacht zum Ikonen des einen und dann des anderen Lagers wurde.



Am Ende bleibt die allseits bekannte Frage: Wäre der Clip nie entstanden – würde irgendjemand wissen, was in Algeciras unterschrieben wurde? Mit diesen Voraussetzungen beantwortet sich die Frage von selbst.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (111 Antworten).

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