USA: warum deutsche Vorfahren die deutsche Sprache nicht hinterließen

Deutsche Abstammung ist nach 45 Millionen Menschen die zweitgrößte europäische Herkunftsgruppe in den USA, doch das Land spricht Englisch, weil seine institutionelle Struktur britischen Ursprungs ist.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

USA: warum deutsche Vorfahren die deutsche Sprache nicht hinterließen
Die größte europäische Abstammungsgruppe der USA spricht nicht ihre Sprache

Die These klingt provokant: Wenn die Deutschen die größte europäische Quelle der Einwanderung in die USA waren, warum spricht das Gründungsland Englisch und nicht Deutsch? Die kurze Antwort: Ethnien gründen keine Nationen; die institutionelle Software wird zuerst installiert. Die Unabhängigkeitsdokumente wurden auf Englisch verfasst, und der rechtliche, bildungsbezogene und administrative Apparat war britischen Ursprungs. Auf dieses Skelett passten sich die späteren Wellen an, so massiv sie auch waren.

Die ursprüngliche Prämisse selbst behauptet, die WASP seien in Wirklichkeit Deutschsprachige, die Englisch sprechen, und dass nach der Unabhängigkeit eine deutsche Flut kam, die ihre Sprache genauso schnell vergaß, wie sie ihrem Herkunftsland in beiden Weltkriegen den Krieg erklärte. Die Symmetrie ist elegant. Sie ist auch trügerisch, denn sie verwechselt den Ursprung des Blutes mit dem Ursprung der Regeln.

Wie viele Amerikaner haben deutsche Vorfahren?

Die Daten der Diskussion selbst widerlegen die starke Prämisse. Englische Herkunft liegt bei rund 46,6 Millionen Menschen, etwa 14 Prozent; deutsche bei 45 Millionen, 13,5 Prozent. Dahinter folgen die Iren mit 38,6 Millionen und die Mexikaner mit 35,8 Millionen. Die weiße Mehrheit ist nicht mehr deutscher Herkunft und war es in absoluten Zahlen wahrscheinlich nie. Manche fügen hinzu, dass Hispanics auf 65 Millionen und Afroamerikaner auf 40 Millionen Abstammung kommen, was jede ethnische Erzählung des Landes neu ordnet.

Trotzdem ist das deutsche Gewicht enorm. Bereits im 18. Jahrhundert waren 100.000 Deutsche eingewandert, die Ursprung der sogenannten Pennsylvania Dutch und der Amish sind, und vor Ende dieses Jahrhunderts stellten sie 8,7 Prozent der Bevölkerung. Benjamin Franklin betrachtete diese Flut in seinem Essay von 1753 mit Misstrauen und beklagte, sie seien zu abgeschottet und es gebe zu viele von ihnen.

Das Deutsch, das zu Hause gesprochen wurde und verschwand

Es gab eine Zeit, in der Deutsch die inoffizielle zweite Sprache des Landes war. Deutsche Schulen, Zeitungen, Kirchen. All das wurde anglifiziert oder starb aus, und die beiden Weltkriege beschleunigten den Prozess bis an den Rand des Verschwindens. Was bleibt, sind Restbestände: die Amish mit ihrem Pennsylvania-Dialekt, die Mennoniten mit Plautdietsch. Die Zahlen schwanken je nach Kriterium: 8 oder 9 Millionen Sprecher mit Sprachkenntnissen gegenüber 1,5 Millionen, die es als Hauptsprache zu Hause verwenden.

Die sprachliche Assimilation war brutal, nicht per Dekret, sondern durch soziale Anreize. Die Sprache von Schule, Gericht und Vertrag war Englisch. Es zu lernen war der Weg nach oben; Deutsch zu behalten, in Zeiten des Verdachts ein Ballast.

Der argentinische Fall: Italiener, die kein Italienisch sprachen

Die Parallele zu Argentinien erhellt den Mechanismus. Die meisten Italiener, die in das südamerikanische Land kamen, sprachen kein Italienisch: Sie sprachen ihre eigenen Dialekte. Italien wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geeint, und die auf dem Toskanischen basierende Sprache setzte sich viel später durch, mit Mussolini, der sie über die Halbinsel verbreitete. Jede Region brachte ihre eigene Sprache mit, und um sich zu verständigen, griffen sie zum Spanischen. Daher der Spitzname "tanos" und die sizilianische Anekdote von den Italienischlehrern, die für Englischlehrer gehalten wurden.

Ähnliches geschah mit dem Deutschen: Was wir heute Standarddeutsch nennen, ist eine relativ späte Konstruktion über Dutzende von Dialekten, die sich gegenseitig nicht verständlich waren. Der Migrant brachte keine Nationalsprache mit, sondern seine lokale Variante.

Die normannische Eroberung und das Gründungsnarrativ

Der Gedanke begibt sich in spekulativere Gefilde: die Idee, dass die angelsächsische Niederlage von 1066 als vorausschauende Niederlage der Biologie verallgemeinert wurde und dass die Normannen die angelsächsische Rasse formten. Burgen werden als Bilder normannischer Größe zitiert, und es ist von biologischem Parasitismus der USA auf anderen Nationen die Rede, mit den Deutschamerikanern als endgültigen Verlierern der Kriege zwischen Vettern. Das sind anregende Lesarten ohne dokumentarische Belege in der Diskussion, die man als Hypothesen und nicht als bewiesene Geschichte betrachten sollte.

Der Fehler, Abstammung mit Gründungskultur zu verwechseln

Die solideste Erklärung ist die einfachste: Die rechtliche, administrative, bildungsbezogene und machtpolitische Struktur wurde von britischen Siedlern auf Englisch etabliert. Das ist die Basissoftware. Dass danach massive Wellen von Deutschen kamen, ändert das Betriebssystem nicht; sie passen sich der bestehenden Umgebung an. Ein Volk kann seine ethnische Mehrheit wechseln, ohne sein Rathaus, seine Schule oder sein Viertel zu wechseln.

Die Lobby, die unter ausgewanderten Deutschen den Nationalsozialismus förderte, war eine Minderheit, und ihre öffentlichen Auftritte wurden von Zehntausenden Menschen mit Gegenprotesten beantwortet. Es gab keine Massenbewegung zur Germanisierung des Landes. Die Frage lautet also nicht, warum sie nicht Deutsch sprechen, sondern warum jemand erwartet hätte, dass sie es tun.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (86 Antworten).

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