USA: Der Bürgerkrieg ist nicht mehr nur ein Rechtsextremen-Narrativ

Ein Bericht im The National Interest und die Wissenschaftlerin Barbara F. Walter halten den zweiten amerikanischen Bürgerkrieg für bereits begonnen. Das Militär ist entscheidend.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Bürgerkrieg in den USA hat bereits begonnen, aber niemand will ihn sehen

Der zweite amerikanische Bürgerkrieg hat bereits begonnen. Das sagt kein aufgebrachter Twitter-Nutzer: Es ist die These eines Berichts im The National Interest, der Einzeltäter-Schießereien und rechtsensrecht Gruppen mit einer Bewegung des inländischen Terrorismus gleichsetzt, die „alle Zutaten eines aufkommenden Bürgerkriegs" trägt. Die These stammt von Barbara F. Walter, einer führenden Wissenschaftlerin politischer Gewalt, in ihrem Buch darüber, wie Bürgerkriege entstehen. Und sie fügt die unbequeme Nuance hinzu: Niemand will glauben, dass die Demokratie gerade abstürzt.

Die Diagnose ist nicht neu. Sie kursiert seit Jahrzehnten. Was sich ändert, ist, wer sie kauft. Sogar Bill Gates warnte, dass ein Bürgerkrieg in den USA „das Ende von allem" sein könnte. Wenn die Warnung nicht mehr das Eigentum eines Lagers ist und von der Geheimdienstszene nahestehenden Beratungsfirmen sowie Kongressabgeordneten wie Jamie Raskin wiederholt wird —der den Sturm auf das Kapitol als „den Anfang" und nicht als das Ende einordnet—, ist das Gespräch nicht mehr marginal.

Was sagt der Bericht über inländischen Terrorismus in den USA?

Der Artikel im The National Interest, der an einem Samstag erschien —das genaue Datum ist dem Material nicht zu entnehmen—, argumentiert, dass was wie isolierte Gewalt aussieht, in Wirklichkeit ein Muster ist. Einzeltäter und rechtsensrecht Gruppen wären Teil ein und derselben Bewegung des inländischen Terrorismus. Die Formulierung ist bewusst stark: Zutaten eines aufkommenden Bürgerkriegs.

Die akademische Grundlage ist Walters Arbeit, die das Studium von Bürgerkriegen zu einer Disziplin mit Methode gemacht hat. Ihre Schlussfolgerung, zusammengefasst im Material: Die verfügbaren Einschätzungen deuten darauf hin, dass dieser zweite Bürgerkrieg bereits begonnen hat. Das ist keine Hellseher-Prophezeiung. Es ist eine Lektüre von Indikatoren —Polarisierung, Verlust institutioneller Legitimität, politische Gewalt—, die in anderen Ländern dem Kollaps vorausgingen.

Die Zahl, die am meisten wiegt, ist nicht die der Schießereien. Es ist die des Vertrauens. Die Zustimmung zum Kongress liegt bei etwa 20%, so das Interview mit Raskin, das das Material zitiert. Das Rechtssystem verliert Tag für Tag an Legitimität. Und die Hälfte der Bevölkerung glaubt, dass ihre Demokratie in Gefahr ist, während die Welt besorgt die unvorhersehbaren Folgen eines Kollapses der größten Macht des Planeten beobachtet.

Das Militär, die Milizen und das Problem der Machtübernahme

Hier bricht der Konsens. Ein Teil der Analyse hält die USA für das Land mit den meisten Waffen pro Kopf und trainierten zivilen Milizen: Jede Armee hätte es schwer, ohne zu Bomben zu greifen. Die Gewalt wäre in dieser Lesart „gleichmäßig demokratisiert". Eine andere Strömung spielt es als Gepose herunter: Hobby-Schützen, die am Wochenende schießen und Bier trinken, unfähig, der größten Armee der Welt die Stirn zu bieten, wenn sie die Regeln brechen.

Das entscheidende Argument, und das älteste, ist das des Militärs. Bürgerkriege brechen aus, wenn sich die Streitkräfte spalten; tun sie das nicht, wird der Aufstand niedergeschlagen. Die UdSSR zerfiel plötzlich und für fast alle unvorhersehbar. Niemand schließt etwas Ähnliches hier aus. Aber niemand datiert es.

Manche ergänzen den externen Weg: Gibt es keinen Bürgerkrieg, wird ein Krieg im Ausland fabriziert, um die Bürger in die Ferne zu schicken, dort zu sterben. Das ist die Ablenkungstheorie, so alt wie Rom und so schwer zu beweisen wie auszuschließen.

Der Kulturkampf als Lunte

Die Spaltung ist nicht nur politisch. Sie wird als ein seit Jahren geschürter Kulturkampf beschrieben: die proge-Bewegung, Black Lives Matter, die Agenda 2030. Alles deutet in dieser Lesart in dieselbe Richtung: spalten und gegeneinander aufbringen. Und die Politiker gießen Öl ins Feuer, statt es zu löschen. Der Vergleich, der gezogen wird, ist nostalgisch: die parlamentarischen Debatten der ersten Jahre der spanischen Demokratie, in denen Santiago Carrillo und Blas Piñar einander Respekt entgegenbrachten, gegenüber dem heutigen Spektakel.

Die Parallele zu Spanien ist kein Zufall. Auch hier wird eine wachsende Polarisierung wahrgenommen, die das Zweiparteiensystem bricht, das bis vor vier Tagen König war. Der Unterschied liegt in der Größenordnung und den Waffen.

Der astrologische Kalender und der echte Kalender

Auch am Himmel wird ein Datum gesucht. Zwischen 2025 und 2029 werden die Transite von Uranus und Neptun über dem Natalchart der USA denen von 1861 ähneln, als der erste Bürgerkrieg begann, und denen von 1941, als das Land in den Zweiten Weltkrieg eintrat. Die Übereinstimmung ist kurios. Es ist kein Beleg.

Ein Beleg ist dagegen die institutionelle Erosion, die Raskin beschreibt: ein Rechtssystem, das an Legitimität verliert, ein Vertrauen in die Regierung, das auf allen Ebenen im freien Fall ist. Das braucht keine Astrologie. Das misst man mit Umfragen.

Was mit der Welt passieren würde, wenn die USA zerbrechen

Die globale Folge ist der Teil, den niemand bestreitet. Wenn die größte Macht zerbricht, verschiebt sich das Brett. Eine Strömung der Analyse feiert das: Der Fall der USA würde Lateinamerika vom imperialen Joch und viele Völker von der systematischen Plünderung befreien. Eine andere fürchtet es: Der Kollaps eines Atommachts-Riesen erzeugt selten Freiheit, er erzeugt Chaos.

Zwischen beiden Extremen ist die am häufigsten geäußerte Position die des Interesses. Es ist keine sarracena Frage, sondern eine der Macht. Und die Macht liegt in einem Bürgerkrieg dort, wo die Waffen und die Institutionen sind, nicht auf den Landgütern.



Der zweite amerikanische Bürgerkrieg hat bereits begonnen, sagt der Bericht. Vielleicht ist das übertrieben. Vielleicht ist es die hundertste Prophezeiung, die sich nicht erfüllt. Aber wenn die Hälfte eines Landes glaubt, dass seine Demokratie in Gefahr ist, und die andere Hälfte glaubt, dass die erste ihm die Wahlen stiehlt, ist der Boden bereitet. Es fehlt nur der Funke. Und Funken sind in einem Land mit mehr Waffen als Menschen nicht knapp.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (89 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver