US-Gesundheitssystem: Krebspatient verkauft Erinnerungen

Der Fall eines Schauspielers, der für seine Krebstherapie persönliche Gegenstände verkauft, offenbart die Risiken des US-Gesundheitssystems.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

US-Gesundheitssystem: Krebspatient verkauft Erinnerungen
US-Gesundheitssystem: Krebspatient verkauft Erinnerungen

Kann ein erfolgreicher Schauspieler durch eine Diagnose in den Ruin getrieben werden? Der Fall des blonden Darstellers aus «Dawson’s Creek», der Berichten zufolge persönliche Gegenstände zum Verkauf stellt, um seine Chemotherapie zu finanzieren, hat eine Wunde wieder aufgerissen, die wir in Spanien als geheilt betrachten: die Frage, ob Gesundheitsversorgung ein Recht oder ein Produkt ist. Die Debatte dreht sich nun darum, ob das öffentliche Gesundheitssystem ein Luxusgut ist, das nur funktioniert, wenn alle beitragen, oder eine Last, die das Risiko verteilt.

Die wahren Kosten von Krankheit in den USA

Die erste Reaktion ist Unglauben: Wenn jemand Millionen mit einer Serie verdient hat, wie kann er dann T-Shirts verkaufen müssen, um eine Behandlung zu bezahlen? Die Antwort liegt im Systemmodell. In den USA können Basis-Krankenversicherungen mit Eigenbeteiligung mehr kosten als ein Monatsgehalt, und einzelne Bildgebungsuntersuchungen – MRT, CT – werden zu Preisen abgerechnet, die in Europa als medizinische Abzocke gelten. Kritiker argumentieren, dass das Problem nicht die Freiheit sei, sondern die Verwechslung von Freiheit mit dem Fehlen eines sozialen Netzes.

Der Fall der Schauspielerin aus «Charmed», die Immobilien verkaufte und schließlich eine Rente beantragte, um Rechnungen zu decken, wird oft als Präzedenzfall zitiert. Es ist kein Einzelfall, sondern der Beweis, dass selbst hohe Einkommen keinen Schutz bieten, wenn das System keine Untergrenze hat. Der Unterschied zwischen öffentlicher und privater Versorgung liegt nicht nur darin, wer zahlt, sondern wann: In einem Umlagesystem wird das Risiko verteilt und unsichtbar; im US-System konzentriert es sich beim Patienten, bis nichts mehr übrig ist.

Ist das öffentliche Gesundheitssystem expropriatorisch?

Hier wird die Debatte hitzig. Ein Teil der Analyse behauptet, dass Gesundheit nicht „öffentlich“ per Naturgesetz sei, sondern durch ein System gemacht wurde, das Einkommen von Arbeitenden umverteilt, um Nicht-Zahler zu versorgen. Das Argument ist unbequem: Wenn die Verwaltungskosten bei etwa fünfzehntausend Euro pro Kopf liegen, subventioniert der Steuerzahler diese Lücke. Nach dieser Logik wäre das amerikanische System gerechter: Wer eine teure Behandlung braucht, geht zuerst selbst bankrott, statt andere zu belasten.

Die Gegenargumente sind ebenso stark. In einem Umlagesystem haben alle Zugang zur Versorgung; im US-System sind auch Wohnungen in Großstädten extrem teuer, und der Bürgermeister von New York wurde nicht gewählt, weil er kostenlose Häuser verteilt. Der Vergleich mit dem Gemeinschaftspool im Wohnblock ist häufig: Gemeinsame Dienstleistungen werden anteilig oder gleichberechtigt bezahlt, niemand wird ausgeschlossen. Und wenn Nicht-Zahler profitieren, liegt das Problem nicht im Recht, sondern in der Finanzierung.

Auch das öffentliche System hat Wartelisten

Das häufigste Gegenargument ist nicht ökonomischer, sondern erfahrungsbasierter Natur. In Spanien bedeutet es Realität, Monate auf einen Reaccionariorzt, weitere Monate auf eine Diagnose und noch einmal so lange auf einen Folgetermin zu warten. Manche beschreiben dies als ein System, das Krankschreibungen verlängert und Behandlungen rationiert, bis der Patient aufgibt. Ironisch sagen einige: Das öffentliche Gesundheitssystem ist wunderbar, bis man es wirklich braucht.

Diese Frustration nährt den Vergleich mit den USA. Doch der entscheidende Fakt ist ein anderer: Die besten Krankenhäuser der Welt, die fortschrittlichsten Krebstherapien und viel der Technologie, die das spanische öffentliche System nutzt, stammen aus einem privaten Sektor, der auch Nobelpreisträger hervorbringt. Die Paradoxie besteht darin, dass das Öffentliche das kopiert, was im Privaten funktioniert, während das Private sich durch das finanziert, was das Öffentliche nicht abdeckt.

Das Problem ist nicht öffentlich vs. privat, sondern was als Versorgung gilt

Es gibt eine Strömung, die die Links-Rechts-Achse aufbricht: Die Debatte ist nicht, ob Gesundheit öffentlich oder privat sein sollte, sondern ob das, was wir in beiden Fällen bekommen, tatsächlich Versorgung ist oder eine überteuerte Farce. Sinnlose Behandlungen, kontraproduktive Tests, Rechnungen ohne Ergebnis. Unter diesem Blickwinkel ist der Fall des Schauspielers keine amerikanische Anomalie, sondern die Spitze eines Eisbergs, der auch hierzulande existiert.

Das Fazit ist eindeutig: Wenn Gesundheit zum Produkt geworden ist, ist derjenige, der sie nicht bezahlen kann, kein Pechvogel unter Bürgern, sondern ein säumiger Kunde. Und das ist in einem System, das sich als zivilisiert bezeichnet, die einzige Rechnung, die niemand unterschreiben will.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (167 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver