Ukraine fordert westliche Panzer: Wo sind die 2.000 T-64?

Die Ukraine besaß ca. 2.000 T-64 und 1.000 T-80, sucht nun über 1.000 westliche gepanzerte Fahrzeuge. Die Diskrepanz im Panzerbestand wirft Fragen auf.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukraine fordert westliche Panzer: Wo sind die 2.000 T-64?
Ukraine hatte 2.000 T-64, erwartet nun 1.000 westliche Panzer

Die zweitgrößte Landarmee Europas nach Russland hat keine Panzer mehr, um die Front zu durchbrechen. Vor dem Krieg verfügte die Ukraine über etwa 2.000 T-64 – viele seit 2014 zur Variante T-64BV modernisiert – und bis zu tausend T-80, laut Schätzungen unter Militäranalysten. Offizielle Zahlen sprachen von insgesamt rund 2.500 Kampfpanzern. Jetzt, mit einer festgefahrenen Offensive, wartet Kiew auf die Ankunft von mehr als 1.000 westlichen gepanzerten Fahrzeugen. Die Rechnung geht nicht auf, und die unbequeme Frage bleibt: Wo sind die vorhandenen geblieben?

Warum braucht eine Armee mit Tausenden Panzern noch mehr?

Weil es auf dem Papier vorhanden zu haben nicht bedeutet, einsatzbereit zu sein. Dieses Argument wird immer wieder vorgetragen. In den aus der Sowjetära geerbten Arsenalen mischt sich das Vorhandene mit dem bloß Deklarierten: Dasselbe Problem, das Russland zugeschrieben wird, gilt symmetrisch für jede ehemalige Republik. Manche fassen es einfach zusammen: Wenn ein Land behauptet, 10.000 Panzer zu haben, ist das wie wenn ein Schrottplatzbesitzer sagt, er habe 10.000 Autos. Das Inventar existiert; die Fähigkeit, es einzusetzen, nicht unbedingt.

Derselbe Maßstab gilt für spanisches Material, das in der Diskussion oft als Spiegelbild dient. In Statistiken erscheint eine auf dem Papier respektable Anzahl gepanzerter Fahrzeuge, doch die Realität zeigt, dass ein Großteil unbrauchbar oder verschrottet ist. Der Unterschied zwischen buchhalterischen Zahlen und echter Einsatzfähigkeit ist, so das Argument, der Schlüssel zum Verständnis, warum die Ukraine mehr anfordert, obwohl sie angeblich schon viel besitzt.

Von Russlands 10.000 Panzern zum recycelten T-62

Der russische Fall ist der auffälligste Spiegel. Es hieß, Russland verfüge über 10.000 Panzer, doch nun greift man auf recycelte T-62 zurück, Modelle mit Jahrzehnten auf dem Buckel. Warum? Weil viele dieser 10.000 weit davon entfernt waren, einsatzbereit zu sein, und der Rest unwiederbringlich. Hinzu kommen mehr als 1.600 russische Panzer, die als zerstört gezählt werden. Die Arithmetik des Schrotts erklärt mehr als jede offizielle Bilanz.

Die Konsequenz ist doppelt. Einerseits widerlegt sie die Idee, dass große sowjetische Zahlen reale Macht bedeuteten. Andererseits zwingt sie dazu, die Abnutzungsschätzungen für beide Seiten nach oben zu korrigieren: Wenn das deklarierte Material nie so umfangreich war, wiegt das im Kampf Verbrauchte relativ schwerer.

Ist der Kampfpanzer verurteilt oder nötiger denn je?

Hier teilt sich die Analyse in zwei Lager. Eine Strömung behauptet, dass Panzer durch Antipanzerraketen, moderne Artillerie und Drohnen neutralisiert werden, sodass ein einzelner Operator mit einem Werfer einen Panzer auf zwei Kilometer Entfernung ausschalten kann. Das Schlachtfeld würde einer Wiederholung des Ersten Weltkriegs ähneln: verschanzte Infanterie und Artilleriemassen, die das Gelände in verbrannten Matsch verwandeln.

Die gegenteilige These geht in die andere Richtung. Nicht dass der Panzer tot sei, sondern dass das Durchbrechen befestigter Zonen enorme Mengen an Panzern erfordert; ohne sie wird eine Offensive zum Marsch in die Schlachtbank. Niemand greift Befestigungen ungeschützt an. Das Problem ist, dass der Panzervorteil nur unter drei Bedingungen aktiviert wird – Luftüberlegenheit, Konzentration an einem Punkt und Überraschungsmoment –, und keine davon herrscht an dieser Front: Satelliten verraten jede Konzentration, und die Luftwaffe kann wegen der dichten Boden-Luft-Raketen nicht tief fliegen. Die Debatte bleibt offen, aber die verstörende Tatsache ist, dass beide Seiten trotz Tausender Panzer auf dem Papier weiterhin mehr fordern.

Solodar, Bachmut und die Rechnung für ausbleibende Panzer

Der Krieg hat Episoden hinterlassen, die Misstrauen gegenüber den Zahlen schüren. In Solodar wurde eine der ukrainischen Brigaden, die das Gebiet verteidigte, im Vereinigten Königreich ausgebildet und dennoch überrannt. In Bachmut behaupten manche – als parteiische Aussage zu nehmen –, eine heterogene Rekrutierungseinheit habe drei reguläre Brigaden überwältigen können. Und bei der Gegenoffensive in Cherson häuften sich Videos zerstörter ukrainischer gepanzerter Fahrzeuge.

Das Ergebnis ist ein Tropfen materieller Verluste, den die Kriegspropaganda auf beiden Seiten tendenziell minimiert. Kommt hinzu, dass ein Teil der versprochenen westlichen Waffen – Leopard-Panzer, Schützenpanzer – nur tröpfchenweise eintrifft, hat die Frage, warum die vorhandenen Panzer nicht auftauchen, eine unbequeme Antwort: weil sie zerstört, unbeweglich gemacht oder nie kampfbereit waren.

Wer wird die ankommenden Panzer fahren?

Panzer fahren nicht allein, und hier taucht ein weiterer Engpass auf. Man spottete bereits über die Formalitäten, die zukünftige Besatzungen westlicher Panzer erledigen müssen, da die Ausbildung der Crews ein ebenso großes Problem wie der Materialmangel darstellt. Kein Detail am Rande: Die Ukraine schickt Hunderte Rekruten zur Ausbildung in europäische Länder, und es gibt Berichte über Gruppen von etwa 200 Ukrainern, die in Toledo einen Kurzlehrgang zur Bedienung von Hawk-Raketen absolvierten, die aus Arsenalen und Schrottplätzen gerettet wurden. Die Paradoxie besteht darin, dass Waffenversprechen im Überfluss vorhanden sind, während fähige Operateure knapp sind.

Auch die russische Armee zeigt dieselbe Abnutzung: Die Mobilisierung von Häftlingen und der Rückgriff auf beschleunigte Ausbildungseinheiten zeigen, dass das Problem nicht nur darin liegt, woher die Panzer kommen, sondern wer darin sitzt.

Mit diesen Bausteinen lautet die nächste Frage nicht, ob die 1.000 westlichen Panzer eintreffen werden. Sondern ob, wenn sie eintreffen, Mittel vorhanden sind, um die Front zu brechen, oder ob sie bleiben werden wie vieles, das bereits dort war, wartend auf eine Besatzung und ein Zeitfenster, das sich nie öffnet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (107 Antworten).

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