Über 200 Tote bei DANA in Spanien: Präventionsversagen

Mehr als 200 Todesopfer durch die DANA in Valencia. Versäumnisse bei der Prävention, Abschaffung der UVE und verspätete Aktivierung des Cecopi.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum kann ein entwickeltes Land wie Spanien über 200 Hochwassertote nicht verhindern?

Diese Frage stellt sich nach der DANA (abgeschnittenes Tiefdruckgebiet), die die Comunidad Valenciana verwüstete und vorläufig mehr als 200 Tode forderte. Eine Zahl, die in jedem OECD-Land alle Alarmglocken läuten lassen sollte. Die Daten offenbaren jedoch eine Kette von Fehlern: von der Auflösung der autonomen Rettungseinheit bis zur verspäteten Einberufung des Cecopi, als es bereits Opfer gab.

Abschaffung der Unidad Valenciana de Emergencias

Eine besonders kritisierte Entscheidung war die Streichung der Unidad Valenciana de Emergencias (UVE) durch Präsident Carlos Mazón nur vier Monate nach Amtsantritt. Die UVE war die spezialisierte Einheit für sofortige Katastrophenhilfe. Ihre Auflösung wurde von der Opposition als Ursache für die langsame Reaktion angeprangert. Die UME (Unidad Militar de Emergencias), die staatliche Truppe, die unter Zapatero gegründet und von der PP als „Laune“ bezeichnet wurde, musste die gesamte Last tragen, doch auch ihre Aktivierung kam zu spät.

Verspätete Reaktion: Cecopi erst um 17 Uhr

Nach Aussagen einer Meteorologin gegenüber Levante-EMV wurde das Centro de Coordinación Operativa (Cecopi) erst um 17:00 Uhr einberufen, obwohl bereits erste Todesopfer zu beklagen waren. „Es war offensichtlich, dass es Opfer geben würde. Die Bilder aus Utiel zeigten uns morgens schon, was passieren wird“, erklärte sie. Das automatische hydrologische Informationssystem (SAIH) des Flussgebietsverbands Júcar hatte seit dem Morgen kritische Werte angezeigt. Die naheliegende Frage lautet: Warum wurde nicht früher alarmiert?

Die Lehre von 1957: Als Franco langfristig dachte

Für einen unbequemen Vergleich verweisen einige auf die Flutkatastrophe von 1957 in Valencia. Damals setzte das Franco-Regime den Plan Sur um, der den Lauf des Turia ableitete. Das Projekt wurde teilweise durch eine Briefmarke im Wert von 10 Pesetas mit dem Wappen Valencias finanziert, die zehn Jahre lang von den Bürgern getragen wurde. Die Kosten wären in heutigen Euro vernachlässigbar im Vergleich zum Nutzen: Ohne diese Umleitung könnten die Opfer der aktuellen DANA zehntausende betragen haben, so die Argumentation. Die Paradoxie besteht darin, dass eine Diktatur – beschuldigt, nichts außer Propaganda zu finanzieren – eine Wasserplanung schuf, die heute noch Leben rettet, während demokratische Regierungen Bauarbeiten in Überschwemmungsgebieten zuließen und die Wartung von Flussbetten und Deichen vernachlässigten.

Entwickeltes oder unterentwickeltes Land?

Die Debatte, ob Spanien ein entwickeltes Land ist, prägt die Diskussion. Befürworter weisen darauf hin, dass die USA trotz Tornados und Hurrikans jährlich mehr Tote durch Naturkatastrophen haben. Doch dieser Vergleich hinkt: Tornados sind schwer vorherzusagen, während DANA-Ereignisse im Mittelmeerraum ein seit Jahrhunderten bekanntes Klimamuster sind. Es geht nicht darum, ob Spanien die Mittel hat, sondern ob sie richtig eingesetzt werden. Die bittere Realität ist, dass das Krisenmanagement weiterhin ein politisches Schlachtfeld ist, mit schlecht koordinierten autonomen Zuständigkeiten und Investitionen in Wasserinfrastruktur, die laut neuesten Daten in den vier Monaten nach der Katastrophe kaum Fortschritte gemacht haben: „Fast vier Monate und keine nennenswerten Wasserbauprojekte ausgeschrieben“, klagt ein Kommentar.

Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, die sich rühmt, die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone zu sein, aber dennoch Schwachstellen eines Entwicklungslandes aufweist. Und das Schlimmste: Die nächste DANA kommt, und das Einzige, was sich geändert hat, ist die Zahl der Toten.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (1209 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver