Ein Social-Media-Beitrag behauptet, Russland habe 150.000 Twitter-Konten für den Brexit mobilisiert
Fünfundvierzigtausend Nachrichten in wenigen Tagen, die meisten mit dem Appell, für den Austritt zu stimmen. Dahinter, so ein in sozialen Medien verbreiteter Beitrag, stehe ein Netzwerk von 150.000 Twitter-Konten, die zuvor Russlands Annexion der Krim verstärkt hatten und sich in der Endphase des Wahlkampfs ein neues Ziel setzten: das britische Referendum von 2016. Das Muster ist nicht neu: eine digitale Infrastruktur, die je nach aktuellem geopolitischem Interesse recycelt wird.
Die über einen Social-Media-Beitrag verbreitete Angabe hat eine Debatte wiedereröffnet, die in Spanien mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wird. Die eigentliche Frage ist weniger, ob es eine Einmischung gab, als was damit gemacht wurde. Das Referendum war beratend und nicht bindend, und das Ergebnis war knapp. Befürworter des Austritts argumentieren, London hätte das Ergebnis ignorieren können, es aber nicht tat, und dass diejenigen, die nun eine Wiederholung fordern, aus politischen und nicht aus demokratischen Gründen handeln.
Was über die 150.000 russischen Konten bekannt ist
Die Informationen deuten auf ein Netzwerk hin, das auf Twitter aktiv war und koordiniert eingesetzt wurde. Vor dem Brexit konzentrierten sich dieselben Konten darauf, die Erzählung von Russlands Annexion der Krim zu verstärken. Danach verlagerte sich der Fokus auf das britische Referendum. Die Abfolge ist wichtig: Es handelte sich nicht um Konten, die für den Brexit erstellt wurden, sondern um eine wiederverwendete, bereits bestehende Infrastruktur.
In den Tagen vor der Abstimmung wurden 45.000 Nachrichten registriert, die meisten mit einer klaren Botschaft: Stimmt für den Austritt. Das ist keine geringe Zahl, wenn man bedenkt, wie knapp das Endergebnis ausfiel. Die zeitliche Übereinstimmung zwischen dem Höhepunkt der Aktivität und dem Wahltag ist das Element, das die Verdächtigkeiten über die tatsächliche Reichweite der Operation am stärksten befeuert hat.
Warum ein gespaltenes Europa Russland nützt
Das Argument der geopolitischen Analyse ist einfach: Eine fragmentierte Europäische Union, die weniger handlungsfähig als Block ist, liegt im Interesse Russlands. Ein gespaltenes Europa lässt sich leichter steuern, ist in seinen inneren Spaltungen berechenbarer und weniger in der Lage, Sanktionen zu verhängen oder gemeinsame Positionen zu halten. Der Brexit passte in dieses Schema.
Allerdings ist es ein Sprung, den die Daten nicht tragen, das Ergebnis allein auf eine Desinformationsoperation zurückzuführen. Die Abstimmung für den Austritt hatte innerstaatliche Ursachen: Souveränität, Einwanderung, die Kosten der Mitgliedschaft. Die Einmischung konnte eine bereits bestehende Unzufriedenheit verstärken, aber nicht aus dem Nichts schaffen. Diese Unterscheidung geht verloren, wenn die Geschichte vereinfacht wird.
Das Referendum war beratend: das Argument, das die Klage entkräftet
Eine der meist wiederholten Linien in der Debatte lautet, das britische Referendum sei beratend und nicht bindend gewesen. Das Parlament war also rechtlich nicht verpflichtet, das Ergebnis umzusetzen. Wer diese Position vertritt, argumentiert, die britische Regierung hätte das Ergebnis ignorieren können, es aber nicht tat, und dass diejenigen, die nun eine Wiederholung fordern, dieselben sind, die das Ergebnis schon beim ersten Mal nicht akzeptiert haben.
Das Gegenargument ist ebenso direkt: Wenn ein Ergebnis akzeptiert wird, wenn es passt, und angezweifelt wird, wenn nicht, liegt das Problem nicht in der russischen Einmischung, sondern im Verhältnis eines Teils der politischen Klasse zum Volksentscheid. Die Debatte über die russischen Konten wird damit zu einem innerpolitischen Schlachtfeld statt zu einer Untersuchung der Fakten.
Der doppelte Standard bei den Bots
Eine weitere Analyselinie verweist auf die Asymmetrie der Prüfung. Wenn die Konten, die für den Austritt geworben haben, auditiert werden, darf man fragen, wie viele automatisierte Konten in die entgegengesetzte Richtung arbeiteten. Die Forderung nach einer Wiederholung des Referendums von der ersten Minute an, noch bevor Daten über die Einmischung bekannt waren, deutet darauf hin, dass die Überprüfung des Ergebnisses nicht von den Beweisen abhing.
Das eigentliche Problem ist methodisch: Die Zahlen zu Konten und Nachrichten lassen sich schwer unabhängig überprüfen, und jede Seite nutzt sie nach Belieben. Ohne eine öffentliche, überprüfbare Aufschlüsselung bleibt die Debatte im Bereich gegenseitiger Verdächtigungen stecken.
Die nackten Fakten bleiben: 150.000 Konten, 45.000 Nachrichten, eine knappe Abstimmung und ein Ergebnis, das niemand rückgängig gemacht hat. Die Operation fand statt, soweit die verfügbaren Informationen reichen. Ob sie entscheidend war, ist eine andere Frage. Und ob diejenigen, die nun eine Wiederholung fordern, dies aus demokratischer Überzeugung und nicht aus politischem Kalkül tun, eine dritte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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