Trumps Zölle: 25% für Nachbarn, 10% für China
Nur 24% des US-BIP hängen vom Außenhandel ab. In China liegt diese Quote bei 37%, in der EU übersteigt sie die Hälfte. Diese Differenz dient dem Weißen Haus als Rechtfertigung, um den freien Handel anzugreifen: 25% Zölle auf die kontinentalen Nachbarn und 10% auf China, mit dem Hinweis, dass dies erst der Anfang sei. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Kanada und Mexiko haben bereits gleichwertige Gegenmaßnahmen angekündigt. Und hier beginnt der unangenehme Teil: Ein Handelskrieg wird nicht von dem gewonnen, der zuerst zuschlägt, sondern verloren von dem, der die Kettenreaktion schlechter aushält.
Welche Zölle wurden angekündigt und wer reagiert?
Die ursprüngliche Ankündigung belegt den Handel mit den beiden Landnachbarn mit 25% und den mit China mit 10%. Der entscheidende Indikator für die tatsächlichen Auswirkungen: 60% der US-Exporte von Waren und Dienstleistungen — etwa 1,8 Billionen Dollar — gehen genau nach Kanada, Mexiko, in die EU oder nach China. Das heißt, die größte Volkswirtschaft der Welt hat gerade den Einstiegspreis für ihre wichtigsten Kunden erhöht.
Die Reaktion der beiden Nachbarländer war sofortig und symmetrisch. Auf politischer Ebene haben zwei Abgeordnete und zwei Senatoren Gesetzentwürfe eingebracht, damit der Präsident keine Zölle gegen verbündete Länder ohne Zustimmung des Kongresses erhöhen kann. Dies ist ein Schritt mit Präzedenzfall: In seiner ersten Amtszeit schlossen sich Republikaner und Demokraten fast einstimmig zusammen, um Sanktionen gegen Russland zu schützen und der Exekutive die Möglichkeit zu nehmen, diese aufzuheben.
Warum glauben die USA, dass sie es sich leisten können?
Das verbreitete Argument ist einfache Arithmetik: Wer weniger davon abhängt, im Ausland zu verkaufen, leidet weniger, wenn die Welt aufhört, ihm abzukaufen. Bei einem Anteil des Außenhandels am BIP von 24% gegenüber 37% in China oder mehr als der Hälfte in Europa setzt man darauf, den Druck auszuhalten und die Reindustrialisierung durch Kapital anzukurbeln, das durch niedrige Steuern angezogen wird. Es gibt Berechnungen, die ein Gehalt von 60.000 Euro vergleichen: 10% Steuern in den USA gegenüber 45% in Spanien.
Die Erwiderung auf diesen Optimismus ist schonungslos: Handel ist keine Option, die man einfach ein- und ausschaltet. Wohlstand wird zwar produziert, aber er materialisiert sich nur, wenn jemand ihn kauft. Da der primäre Sektor und die Industrie über fünfzig Jahre hinweg abgebaut wurden, deutet ein großer Teil der Debatte darauf hin, dass es den USA an Fabriken mangelt und Europa zu viele Dienstleistungen hat, um ganze Lieferketten wiederherzustellen.
Die Kettenreaktion: Preise, lahmgelegter Handel und Depression
Die am häufigsten wiederholte Prognose folgt einer mechanischen Abfolge: Preiserhöhung, Verlangsamung des Welthandels und wirtschaftliche Depression. Die Parallele zu den Dreißigerjahren taucht immer wieder auf, und nicht aus Nostalgie. Ein Zoll zahlt nicht das exportierende Land, sondern der Importeur. Das als Sieg zu missverstehen, ist derselbe Fehler wie zu glauben, dass eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vom Verkäufer getragen wird.
Ab hier spaltet sich die Analyse. Einige behaupten, der Zug zielt darauf ab, sich von China zu lösen, bevor es irreversibel wird, und sein Wachstum zu bremsen, solange noch Spielraum besteht. Andere sehen einen Eigentor-Treffer: Wenn sich der westliche Block abschottet, handelt der Rest der Welt einfach untereinander, ohne Washington zu passieren. Der Nebeneffekt, so sagen sie, ist nicht die Verarmung Chinas, sondern das Ende der Zentralität des Dollars und der Hegemonie, die ihn stützt.
Europa wendet bereits Zölle gegen China an und ist nicht gesunken
Hier kommt der unbequemste Einwand für jene, die sich entsetzt die Hände vor den Kopf schlagen. Die EU wendet seit Monaten Zölle von bis zu 38% auf chinesische Elektroautos an, und das spanische Wirtschaftsministerium rechtfertigt dies auf seiner Website als Instrument des Handelsverteidigungsrechts zum Schutz der heimischen Industrie vor subventionierten Importen. Wenn dies den Welthandel nicht beendet hat, klingt die Empörung über Washington selektiv.
Der Nuance ist eine andere: Was das Spielfeld durcheinanderbringt, ist nicht der einzelne Zoll, sondern die Rechtssicherheit. Man baut eine Fabrik, um einen Zoll zu umgehen, und vier Jahre später wird er aufgehoben oder sechs Jahre später erhöht. Hin- und herpendelnder Protektionismus verwandelt jede industrielle Investition in eine Casino-Wette, und das tötet tatsächlich die lokale Produktion, die alle angeblich verteidigen.
Der Kongress, Carters Notstandsgesetz und Trumps Grenzen
Trump stützt sich auf ein Wirtschaftsnormstandsgesetz aus der Ära Carter, um Zölle zu verhängen, ohne das Kapitol einzubeziehen. Der Kongress könnte dieses Gesetz aufheben. Wenn die Dinge hässlich werden — und mit Gegenmaßnahmen von einem halben Dutzend Handelspartnern wird erwartet, dass sie es tun —, wird der legislative Weg nicht mehr theoretisch.
Es bleibt auch die diplomatische Seite. Ein US-Gesandter wäre Berichten zufolge nach Venezuela gereist, um mit Maduro zu verhandeln, was jene in eine unangenehme Position bringt, die jahrelang die Anerkennung eines alternativen Präsidenten in Venezuela gefordert hatten. Allianzen werden recycelt, wenn es passt, ohne Scham. Andere Stränge der Angelegenheit, verschwörungstheoretischer Natur, haben keinerlei Rückhalt und trüben nur die Analyse.
Mit diesen Zahlen auf dem Tisch lautet die Frage nicht mehr, ob der Handelskrieg Kosten verursachen wird, sondern wer sie zuerst zahlt. Wenn die USA mit einer Exposition von 24% widerstehen können und die EU nicht, wird der Schaden für Europa zuerst kommen und doppelt sein: durch fremde Zölle und eigene. Und wenn derjenige, der am besten aushält, der ist, der am wenigsten zu verlieren hat?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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