Trading: ein Geschäft, das nur funktioniert, wenn Sie 10 Verluste von 11 Trades aushalten

Laut einem Forumsnutzer scheitern 98 % der Trader innerhalb von fünf Jahren. Das Trading verspricht Liquidität und Freiheit, aber der einzige sichere Gewinner ist der Broker, der Gebühren kassiert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Trading: ein Geschäft, das nur funktioniert, wenn Sie 10 Verluste von 11 Trades aushalten
Trading ist nicht das beste Geschäft der Welt: Es ist das, das seine Verluste am besten kaschiert

Ist Trading das beste Geschäft der Welt? Die Frage stellt jemand, der sich seit Monaten weiterbildet und zehn Vorteile aufzählt: Man handelt von überall, es gibt Liquidität, man verdient bei steigenden wie fallenden Kursen, und man kann mit 20 Euro anfangen. Auf dem Papier unschlagbar. In der Gewinn- und Verlustrechnung sieht es anders aus. Denn die Zahl, die das ganze Gespräch durchzieht, ist hartnäckig: Laut einem Forumsnutzer scheitern 98 % der Trader in den ersten fünf Jahren, und wer seit zwei Jahrzehnten dabei ist, gibt zu, dass er keinen Tag ohne etwas Neues zum Lernen verbringt.

Die anfängliche Begeisterung hat ihre Logik. Gegenüber einem Kleidungsgeschäft, das kaum über die Runden kommt, oder einer Mietwohnung mit 3,5 % Rendite bei 4 % Inflation bietet das Trading, was kein physisches Asset bietet: sofortige Liquidität, globalen Zugang und die Möglichkeit, Leerverkäufe zu tätigen. Das Problem ist nicht das Was, sondern das Wie und vor allem das Wer. Die meisten Verlierer, so das Argument, sind Intraday-Trader, die mit einem Laptop und einer Heimleitung gegen Hochfrequenzsysteme antreten.

Die 98 %, die scheitern, und die 2 %, die durchhalten

Die Statistik, die im Gespräch am häufigsten fällt, macht wenig Hoffnung: Fast alle, die anfangen, hören auf oder sprengen ihr Konto. Manche innerhalb von drei Wochen. Die Erklärung ist nicht technischer, sondern psychologischer Natur. Man muss ein Psychopath und ein Mönch sein und Nerven aus Stahl haben, fasst jemand mit fünf Jahren Erfahrung zusammen, drei davon im Ernst. Das Problem ist nicht, Charts zu lernen: Es ist, eine Verlustposition über 3.000 oder 4.000 Euro zu schließen, ohne sie wie ein Spielsüchtiger zurückgewinnen zu wollen.

Das Profil des Überlebenden ist nicht das des Mathegenies. Es ist das eines Menschen mit flexibler Arbeit, der die Börse als Ergänzung nutzt, nicht als Lebensgrundlage. Ein konkreter Fall: Jemand macht fünf Käufe und Verkäufe in einem Monat bei einer kleinen Aktie und verdient so viel wie im gesamten Vorjahr – aber er akzeptiert, dass es Monate geben wird, in denen er den Kurs mit Verlusten im Blick hat. Die Börse ist ein Plus, lautet sein Fazit. Wenn sie aufhört, eines zu sein, fangen die Probleme an.

Weiterbildung als Ausrede und das Geschäft der Bauernfänger

Hier zeigt sich das eigentliche Geschäft. Das mit Kursen, Büchern und Signalen. Das beste Geschäft der Welt ist der Verkauf von Trading-Kursen[/B>, stellt jemand fest. Und er hat nicht Unrecht: Im Goldrausch wurden die reich, die Schaufeln verkauften. Broker kassieren Gebühren, egal was passiert, und Kursanbieter bekommen ihr Geld, bevor der Schüler den ersten Trade eröffnet. Der einzige Akteur mit garantierten Ergebnissen ist der Zwischenhändler.

Seröse Ausbildung gibt es, aber sie verspricht keine Renditen. Wer seit zwanzig Jahren dabei ist, betont, dass es Jahrzehnte der Praxis, mentale Konditionierung und etwas angeborenes Talent braucht – so wie beim Konzertpianisten. Die Antwort kommt schnell: Trading zu lernen ist eine der einfachsten Sachen überhaupt, in fünf Jahren täglichen Studiums lernt man alles. Der Widerspruch bleibt ungelöst: Vielleicht lernt man alles und verdient trotzdem kein Geld.

Der Hebel und der Stop-Loss, der von selbst auslöst

Das Kleingedruckte der CFDs verdient einen eigenen Abschnitt. Der Hebel, Vorteil Nummer sieben der ursprünglichen Argumentation, hat einen Haken. Bei vielen Brokern wird der Stop-Loss nicht ausgelöst, wenn der Preis das markierte Niveau erreicht, sondern wenn die Margin-Quote unter 50 % fällt. Das heißt: Sinkt das Eigenkapital unter die Hälfte, werden die Verlustpositionen zum Marktpreis geschlossen, selbst wenn der Stop tiefer liegt. Der Sicherheitsmechanismus schützt den Broker, nicht den Händler.

Dazu kommt der Übernachtungs-Haltekosten, der kleine Konten auffrisst. Mit 1.000 Euro und intensivem Handel können Gebühren und Swaps das Konto auslöschen, bevor überhaupt eine Verlustserie kommt. Die Liquidität, die als Vorteil verkauft wird, wird zur Maut.

Der Satz von Livermore und der Intraday-Trugbild

Die Geschichte dient als Warnung. Jesse Livermore, vielleicht der größte Spekulant aller Zeiten, ging beim Crash von 1929 short und häufte ein Vermögen an. Er sagte auch: Geld verdient man, indem man sitzen bleibt, nicht indem man handelt. Er konnte seine eigene Theorie nicht an sich selbst anwenden und endete ruiniert. Die Parallele zum Heimtrader ist unbequem: Wenn der Beste nicht mit seiner eigenen Disziplin klarkam, was soll dann der Anfänger erwarten?

Als Alternative verteidigen manche die mittlere Frist und die Fundamentalanalyse: gute Unternehmen zu vernünftigen Preisen kaufen und warten. Weniger aufregend, weniger süchtig machend, langweiliger. Und wahrscheinlich profitabler, als dem schnellen Trade um zehn Uhr morgens hinterherzujagen in der Hoffnung, der Chart zahle die Hypothek.

Am Ende lautet die Frage nicht, ob Trading das beste Geschäft der Welt ist. Sondern ob Sie zehn schlechte Trades pro guten aushalten würden, ohne den Stop anzufassen. Die Antwort ist statistisch: nein.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (75 Antworten).

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