Amerikanisches Gold finanzierte Europa, während Spanien ruiniert wurde
Die Eroberung Amerikas war wirtschaftlich gesehen eine Katastrophe für Spanien. Dies ist die These, die den Großteil einer historischen Debatte durchzieht, die je nach Messgröße unterschiedliche Versionen zulässt: die Heldentat weniger oder der Ruin aller. Es gab Taten (zwei Ozeane erschlossen, eine Weltumsegelung, ein Gebiet zwanzigmal größer als die Iberische Halbinsel) und es gab, so argumentieren andere, ein Loch, durch das Gold, Silber und Bevölkerung verschwanden. Die Grundfrage lautet nicht, was Spanien in Amerika tat, sondern was Amerika mit Spanien tat.
Die schnelle und am häufigsten wiederholte Antwort ist, dass es ihn verarmte. Die unbequeme Wahrheit: Es ließ ihn so, wie er war – ein Land, das Metall mit Reichtum verwechselte.
Wohin floss das Gold und Silber aus Amerika?
In andere Hände, zum großen Teil. Von den Edelmetallen, die den Atlantik überquerten, blieb ein Anteil auf der Halbinsel; der Rest diente zur Finanzierung des Hofluxus und anderer imperieller Bedürfnisse oder wurde verwendet, um die Armada Invencible, die Flandern-Kriege und den Dreißigjährigen Krieg zu finanzieren. Da die Wirtschaftsführung der Krone von Anfang an ein Desaster war, landete ein großer Teil des Goldes und Silbers zudem bei internationalen Bankiers zur Schuldenbedienung. Das Metall wanderte nach ganz Europa, um zu kaufen, was hier nicht hergestellt wurde, weil Arbeit als unwürdig galt. Während sich halb Europa damit bereicherte, war das nationale Symbol der Lazarillo de Tormes.
Dem Narrativ wird entgegengehalten, was sichtbar ist: Kirchen und Burgen. Alle Kirchen der Dörfer und Städte, so heißt es, wurden in einem Zeitraum von höchstens 100 bis 120 Jahren nach der Entdeckung errichtet, teilweise finanziert durch amerikanisches Gold. Die Gegenargumentation folgt schnell: Viele dieser Tempel wurden von den Einwohnern vor Ort bezahlt, und das Gold wurde von den Habsburgern eingeschmolzen, um Besitzungen im Herzen Europas zu verteidigen.
Warum ähnelte Nordamerika nicht Südamerika?
Als Engländer, Franzosen und Niederländer konnten, griffen sie nach den tropischen Gebieten: Florida, Jamaika, Belize, Kalifornien, Louisiana, Haiti. Was für den Rest übrig blieb, war der eisige Norden. Der Vergleich wird in beide Richtungen genutzt. Manche behaupten, der Unterschied lag nicht in der Absicht, sondern in der Fähigkeit: Eine bergige Topografie und das Fehlen schiffbarer Flüsse ließen Spanien ohne ausreichende Bevölkerung, um ein riesiges Territorium zu unterwerfen und zu besiedeln. Mit doppelt so vielen Einwohnern, so heißt es, wäre Südamerika heute der wichtigste Markt der Welt. Andere führen dies auf eine bewusste Wahl zurück: Mischung und Evangelisierung statt Ansiedlung nach angelsächsischem Muster.
War die Rassenmischung der große Fehler?
Hier wird der Ton schärfer. Eine Strömung vertritt die Ansicht, der Fehler sei nicht die Eroberung gewesen, sondern die Mischung und das Nichtleeren des Geländes, sowie die Bekehrung und Kastilisierung der unterworfenen Völker als Ballast, dessen Folgen noch immer spürbar sind. Dem gegenüber steht die gegenteilige Lesart: 1492 nach heutigen Maßstäben zu beurteilen, ist reiner Presentismus. Geschichte wird nicht nach aktuellen Kriterien beurteilt, sondern anhand der Daten von damals analysiert. Und die Daten von damals zeigen, so wird ergänzt, dass Spanien die beste Position hatte, um das zu tun, was es tat – mit den besten Seefahrern und Soldaten – und ein Ergebnis erzielte, das die Welt veränderte. In diesem Spannungsfeld heben sich Heldentat und Ruin nicht auf: Sie koexistieren.
Gab es einen Fehler vor der Eroberung?
Nicht alle sehen den Fehler in Amerika. Eine Linie zeigt auf einen viel früheren Punkt ohne Rückkehr: die Niederlage der Comuneros-Bewegung, die die letzte Chance begraben hätte, dass Technokraten Jesuiten in einer frühen Phase verdrängen könnten. Eine andere Lesart lastet dem Haus Österreich an: Die spanischen Königreiche waren großartig, bis ein fremder Kaiser, Karl V., kam und das Land danach unter einer Dynastie litt, die wenig Iberisches hatte. Für diese Strömung war Amerika nicht die Ursache des Verfalls, sondern die Schaufensterpuppe, die ihn verdeckte.
Vom Imperium zur Migrationsdebatte
Auf den neuesten Seiten hat sich das Thema auf die Gegenwart verschoben. Ein Teil der Diskussion verknüpft das koloniale Erbe mit dem aktuellen Migrationsphänomen und der Ankunft von Menschen aus Lateinamerika – eine gesellschaftliche Spannung, die auch andere westeuropäische Länder registrieren. Politische Botschaften sprechen von einer halben Million irregulärer Migranten, eine Zahl, die der parteipolitischen Auseinandersetzung dient und von keiner statistischen Behörde stammt. Streng genommen ist dies ein anderes Gespräch. Man sollte es nicht mit der Debatte über das Vizekönigreich verwechseln.
Wenn es ein Urteil gibt, hängt es davon ab, was man unter „Fehler“ versteht. Für jemanden, der das BIP von 1600 misst, war die Eroberung ein Blutverlust; für jemanden, der die Karte betrachtet, eine einmalige Heldentat. Mit diesen Zutaten wird die Debatte wahrscheinlich weiterhin regelmäßig wiederaufleben, und beide Seiten werden gleichzeitig recht haben. Was die unangenehmste Art ist, nie ganz unrecht zu haben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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