Tausende Aufzüge in Russland laufen ab – Geld für Reparaturen fehlt
Es gibt eine sehr russische Art, den Verschleiß eines Landes zu messen: die Aufzüge zu zählen, die nicht mehr fahren. Nach Zahlen aus der Branche müssten 100.000 der 550.000 Aufzüge in Russland vor Februar 2025 ersetzt werden, und für rund 45.000 davon fehlt das Geld. Die Zahl stammt nicht aus einem offiziellen Bericht, sondern vom Russischen Aufzugsverband, der eine Sonderkreditlinie fordert, damit Eigentümergemeinschaften den Austausch bezahlen können. Die eigentliche Debatte dreht sich nicht darum, ob Aufzüge kaputtgehen – das tun sie –, sondern darum, wer die Rechnung zahlt, wenn Wartung zum Luxus geworden ist.
Was die Zahlen zu den russischen Aufzügen genau besagen
Ausgangspunkt ist eine Meldung, die mit konkreten Zahlen kursiert: Von den 550.000 Aufzügen des Landes müssen 100.000 vor Februar 2025 ersetzt werden, und für etwa 45.000 davon ist keine Finanzierung vorgesehen. Der Russische Aufzugsverband rechnet damit, dass der Austausch von 45.000 der 81.500 Aufzüge in Mehrfamilienhäusern, deren Lebensdauer im Februar 2025 abläuft, weder im Gebäudeprüfungsplan enthalten noch finanziert ist. Es ist kein Erlass, kein Gesetz, keine offizielle Statistik: Es ist ein Branchenverband, der um Geld bittet. Der Unterschied ist wichtig. Es ist etwas anderes, ob der Aufzugsbestand ein technisches Ablaufdatum hat, oder ob es einen Plan zu ihrem Ersatz gibt.
Die Nuance bringt ein Teilnehmer ein, der die Originalquelle gesucht hat: „Das ist die Meinung des Russischen Aufzugsverbands, der fordert, dass eine spezielle Kreditlinie eingerichtet wird.“ Die Nachricht ist also nicht, dass die Aufzüge massenhaft den Betrieb einstellen werden, sondern dass die Branche selbst einräumt, dass kein Geld für die Instandhaltung da ist. Und das ist in einem Land, in dem die Pflege des kollektiven Wohnungsbaus schon vorher Mängel hatte, eher ein weiteres Zeichen fortschreitenden Verschleißes als ein unmittelbarer Kollaps.
Von der Chruschtschowka zum koreanischen Aufzug: Wie es so weit kam
Das Gespräch driftet in die sowjetische Baugeschichte ab. Die Chruschtschowkas, die fünfgeschossigen Blöcke der Chruschtschow-Ära, wurden ohne Aufzug gebaut. Die späteren Breschnewkas hatten ihn von Anfang an, oft mit westlichen Modellen, die in Lizenz gefertigt wurden. Dieser Bestand ist heute zwischen vierzig und sechzig Jahre alt. Viele dieser Aufzüge haben ihr Ablaufdatum längst überschritten und wurden mit Austausch von Maschinen, modernisierten Kabinen und neuen Bedienfeldern notdürftig instand gehalten.
Das Problem ist nicht allein russisch. In Spanien gibt es Wohnanlagen mit Aufzügen, die vor über vier Jahrzehnten eingebaut wurden und noch laufen, weil sie geprüft und Teile ausgetauscht werden. Der Unterschied liegt im Finanzierungsrahmen: Der Austausch von Aufzügen in Mehrfamilienhäusern ist nicht im Prüfungsplan enthalten und nicht finanziert, so die Rechnung des Branchenverbands. Und der neue Wohnungsbau entsteht mit Aufzügen aus östlicher Produktion, aus China und Korea, was die heimische Industrie um Schutz und Kredite bitten lässt, um den Sanierungsmarkt nicht zu verlieren.
Warum Hände fehlen, um die Aufzüge zu reparieren
Der andere Faktor in der Diskussion ist die Arbeitskraft. Eine Aufzugsreparatur erfordert Fachtechniker, und ein Teil dieses Personals wurde von der Rüstungsindustrie absorbiert oder ist ausgewandert. Das Argument lautet: Wer früher Aufzüge repariert hat, schweißt heute Metall für die Front oder verdient als Soldat mehr. Eine Statistik, die das beziffert, gibt es nicht, aber es passt in das allgemeine Muster von Fachkräftemangel in zivilen Branchen.
Die praktische Folge: Die vorbeugende Wartung wird teurer und verzögert sich. Ein Aufzug, der nicht geprüft wird, fällt nicht über Nacht aus: Er sammelt Störungen, steht länger still und ist am Ende teurer zu reparieren als zu ersetzen. Das Problem ist nicht das Ablaufdatum, sondern das Fehlen eines Austauschplans. Und diesen Plan gibt es heute nicht.
Was mit den Aufzügen in Rostow und anderen Regionen passiert
Der Fall konkretisiert sich in regionalen Zahlen. In der Region Rostow müssen 513 Aufzüge repariert oder ersetzt werden, Geld gibt es nur für 314. Die verbleibenden 199 können weder repariert noch ersetzt werden. Es ist dasselbe Muster: Ein Teil des Bestands wird bedient, der Rest fällt aus dem Budget. Kein Blackout, sondern ein Tropfen.
Der Vergleich mit dem Rest des Landes liegt nahe. Wenn in einer einzelnen Region für 38 % der betroffenen Aufzüge das Geld fehlt, wirkt die nationale Gesamtzahl von 45.000 nicht finanzierten Einheiten nicht mehr übertrieben. Die Zahl ist keine Prognose, sondern eine Berechnung dessen, was bereits außerhalb des Plans liegt.
Der Aufzug als Barometer der städtischen Instandhaltung
Der Aufzug ist ein guter Indikator dafür, wie eine Stadt verwaltet wird. Er ist keine glamouröse Infrastruktur, er taucht nicht in Schlagzeilen auf, aber seine Instandhaltung hängt davon ab, dass jemand die Gemeinschaftskosten zahlt, Techniker verfügbar sind und Ersatzteile existieren. Fällt eines dieser drei Beine aus, ist der Aufzug die erste Dienstleistung, die wegbricht. Kein Kollaps, sondern ein stiller Verfall.
Im russischen Fall stehen alle drei Beine unter Spannung: unzureichende Finanzierung, Arbeitskräfte, die vom Krieg absorbiert werden, und der Ersatz westlicher Anbieter durch östliche. Das Ergebnis ist nicht, dass alle Aufzüge gleichzeitig den Betrieb einstellen, sondern dass immer mehr Gebäude länger ohne Aufzug bleiben. Und das ist in zwanzigstöckigen Blöcken keine geringe Belastung.
Was ab Februar 2025 zu erwarten ist
Der Februar 2025 markiert das Ende der Lebensdauer der betroffenen Aufzüge. Danach stellt sich die Frage, was mit denen passiert, die nicht ersetzt werden. Die wahrscheinlichste Antwort, den Zahlen nach zu urteilen: Sie werden weiter geflickt, bis nichts mehr geht. Für die 45.000 Aufzüge ohne Finanzierung gibt es keinen Plan B.
Die eigentliche Debatte ist, ob das ein Instandhaltungsproblem oder ein Symptom von etwas Größerem ist. Wer die härtere Lesart vertritt, spricht vom Kollaps der Dienstleistungen. Wer es relativiert, verweist darauf, dass der sowjetische Bestand immer am Limit lief und der teilweise Austausch die Norm war. Die Realität liegt, wie fast immer, dazwischen: weder unmittelbarer Kollaps noch Normalität.
Wie viele Aufzüge dürfen ausfallen, bis jemand das Problem als systemisch betrachtet?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (57 Antworten).