Öl, EU und Renten: Karte eines Spaniens ohne günstige Energie
Fettleibigkeit verschwindet. Nicht wegen einer Gesundheitskampagne, sondern weil Fleisch, Milch und Fisch für die Mehrheit unerschwinglich werden. Dies ist eine der Folgen des detailliert analysierten Szenarios: die EU zerfällt in den 2030er-Jahren, das Öl erreicht Europa nicht, Kraftstoff wird im Tagesrhythmus rationiert und nur die Reichen haben Zugang zu Energie. Das gezeichnete Lebensniveau ähnelt dem der 1940er und 1950er Jahre.
Was passiert, wenn das Öl aufhört, Europa zu erreichen?
Die Ausgangsüberlegung ist linear: Ohne günstige Energie kostet der Transport von Waren und Personen ein Vermögen, und eine politische Union, die auf diesem Transport basierte, verliert ihre Daseinsberechtigung. Die Produktion von Fleisch, Milch und Fischfang bricht zusammen; der Konsum tierischen Proteins sinkt drastisch und, als Nebeneffekt, verschwindet Fettleibigkeit für die Mehrheit. Manche fügen einen Migrationseffekt hinzu: Wenn das Lebensniveau einstürzt, zieht das Land niemanden mehr an.
Der häufigste Einwand bestreitet nicht den Kern, sondern den Zeitplan. Es wird argumentiert, dass solche Prophezeiungen nie eintreffen und es schwer vorstellbar sei, dass sich die Lage in sechs oder sieben Jahren so brutal verschlechtert. Der Maßstab ist der Rohölpreis, der während der Diskussion bei 80 Dollar pro Barrel lag. Von dort aus zeigt sich Knappheit noch nicht in den Preisen. Innerhalb der Erzählung gibt es eine Berechnung, die Diesel bei 3 Euro ansetzt, sobald die Engpässe spürbar werden.
Der Wohlfahrtsstaat erlischt: Gesundheit, Renten und Medikamente
Bei explodierenden Energiekosten verdunstet die Steuerlast. Mehrwertsteuer, Einkommensteuer, Mineralölsteuer, TÜV-Gebühren: Die Steuern, die den öffentlichen Apparat finanzieren, verlieren ihre Basis. Und wenn kein Geld da ist, lösen sich die autonomen Regionen (Comunidades Autónomas) auf, bis sie zu einer territorialen Struktur ähnlich der von 1975 zurückkehren. Renten verschwinden oder schrumpfen auf minimale Beträge, und Kinder müssen sich um ihre Eltern kümmern, weil es keine Pflegeheime oder Mittel zu deren Finanzierung gibt.
Das Gesundheitssystem fällt in alte Zeiten zurück. Medikamente werden zum Luxusgut und waren oft petrolbasiert, daher kehrt die Versorgung zu Heilkräutern und Kurpfuschern zurück. Die Lebenserwartung sinkt, und die allgemeine sowie die Kindersterblichkeit steigen, da ärztliche Hilfe nicht mehr schnell verfügbar ist. Dies ist der härteste Teil der Erzählung, der ohne Umschweife dargestellt wird.
Von Plastik zu Glas: Wie sich das materielle Leben neu formiert
Nylon und Polyester, beide aus Erdöl, werden unerreichbar und Kleidung wird wieder teuer. Leinen, Hanf und Baumwolle werden erneut angebaut. Waschmittel, Weichspüler und chemische Reinigungsmittel verschwinden auf demselben Weg. Plastik stirbt aus und Glas kehrt zurück, mit Flaschen, die gewaschen und wiederverwendet werden. Nichts wird weggeworfen: Organische Abfälle gehen an Tiere oder als Dünger.
Die Landwirtschaft leidet unter den Kosten für Betriebsmittel. Düngemittel und Pestizide stammten aus fossilen Brennstoffen, daher düngt man wie früher mit Mist, und die landwirtschaftliche Produktion sinkt. Manche berichten aus eigener Erinnerung statt aus Theorie: „Meine Großeltern fertigten alles Mögliche aus Esparto-Gras – von Körben über Taschen bis zu Sattelzeug für Pferde. Besen wurden zu Hause gemacht, Klopapier waren Zeitschriften und Zeitungen, es gab kein Plastik, auch keine Waschmaschine.“ Der Tante-Emma-Laden mit Papiertüte und Balkenwaage ist keine Archäologie: Es ist das, was zurückkehrt.
Rückkehr aufs Land: Esel, Schweine und Tauschhandel
Die Städte entvölkern sich. Menschen ziehen in Dörfer und Gehöfte, um essen zu können, bewirtschaften Land wie vor hundert Jahren und züchten Schweine, Hühner und Ziegen. Maultier, Esel und Pferd übernehmen wieder die Funktionen, die ihnen der Verbrennungsmotor genommen hat. Der Tourismus bricht zusammen: Da Flugreisen unbezahlbar werden, bleiben deutsche und schwedische Urlauber zu Hause. Moderne Berufe und ein großer Teil des öffentlichen Sektors verschwinden, denn ohne Steuern gibt es keine Gehälter.
Geld verliert an Bedeutung, Tauschhandel gewinnt Boden. Unerwartet steigt die Geburtenrate: Wenn alles handgemacht wird, sind Arbeitskräfte wertvoll und die Familie wird wieder zur Produktionseinheit. Große Parteistrukturen, die auf Klientelnetzwerken und öffentlichen Haushalten basierten, ersticken, wenn die Budgets erschöpft sind. Zur Schuldenfrage lautet die geplante Sequenz explizit: „Man kehrt zur Peseta zurück und der Goldstandard gilt wieder, die Schulden Spaniens können nicht bezahlt werden, es kommt zum Schuldenschnitt, aber das Lebensniveau gleicht dem der 40er und 50er Jahre.“
Kriege um Ressourcen: Ukraine und Niger als Warnsignale
Die nuklearen Arsenale der USA, Russlands und Chinas verhindern direkte Konflikte zwischen Großmächten, daher verlagern sich Auseinandersetzungen auf sekundäre Schauplätze, wo sich Verbündete gegenseitig bekämpfen. Die Ukraine ist das bereits laufende Beispiel, Niger der nächste Kandidat. Verknappung treibt an: „Diese Kriege werden um schwindende Ressourcen geführt, sei es Gas, Öl oder Uran.“ Gegen 2030, wenn der Mangel allgegenwärtig ist, wird behauptet, dass Staaten um Lagerstätten kämpfen werden, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Europa könnte auf diesem Schachbrett zum Ort werden, an dem andere ihre Interessen austragen.
Niemand bezweifelt den Preis für Rohöl. Die Frage ist, wie viel dieses Szenarios Prophezeiung ist und wie viel einfach die Gegenwart mit zehn Jahren Vorsprung und weniger Energie darstellt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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