Studie zu europäischer Abkühlung nicht verlinkt

Der Titel führt die globale Erwärmung auf eine Abkühlung Europas zurück, doch die zugrunde liegende Studie fehlt. Der AMOC-Zeitraum liegt zwischen 2025 und 2095.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Studie zu europäischer Abkühlung nicht verlinkt
Globale Erwärmung kühlt Europa ab: Die fehlende Studie

Wie kommt man im selben Titel von globaler Erwärmung zu einer europäischen Abkühlung? Die Antwort liegt laut El Correo in einer Studie, die das Medium selbst nicht verlinkt. Der Titel lautet: „Eine Studie sagt voraus, dass die globale Erwärmung eine Abkühlung für Europa bringen wird“. Und damit ist alles gesagt. Kein Link, keine Referenz, keine Autoren. Der Leser wird aufgefordert, einfach zu glauben.

Was die zitierte Studie über den AMOC aussagt

Die Arbeit, auf die sich Befürworter dieser These berufen, existiert – oder zumindest deren Zusammenfassung: „In this work, we show that a transition of the AMOC is most likely to occur around 2025-2095“. Übersetzt bedeutet das: Eine mögliche Veränderung der atlantischen meridionalen Umwälzströmung (AMOC) könnte irgendwann innerhalb eines siebzigjährigen Fensters eintreten. Ein Zeitraum, der nichts bestätigt und deshalb auch nichts ausschließt.

Der beschriebene Mechanismus ist in der Ozeanographie bekannt. Die Wärme der letzten Jahrzehnte schmilzt das Eis in der Arktis und Grönland; dieses Süßwasser mischt sich mit dem schwereren Salzwasser; der Dichteunterschied verändert das Absinken des kalten Wassers; und der Golfstrom, der die europäischen Küsten mit Wärme versorgt, verlangsamt sich oder stoppt. Ohne ihn würde Europa eher wie Nordamerika auf derselben Breite aussehen.

Nicht alle akzeptieren diese Erzählung. Es wird daran erinnert, dass Eis seit jeher schmilzt und Strömungen gerade aufgrund dieser Dichteunterschiede entstehen, nicht trotz ihnen. Die Frage ist nicht, ob der AMOC existiert – er tut es –, sondern ob das Fenster 2025-2095 mehr taugt als nur dazu, niemals falsch liegen zu können.

Ist die Erwärmung noch global, wenn etwas abkühlt?

Nein, sagen die schärfsten Kritiker. Wenn die globale Erwärmung Kälte auf einen Kontinent bringt, dann ist sie nicht global; es ist ein Begriff, der so weit gedehnt wird, bis alles passt. Der wiederkehrende Witz – asymptomatische Erwärmung – fasst das Problem zusammen: Eine These, die sich sowohl durch Hitze als auch durch Kälte bestätigt, lässt sich nicht falsifizieren.

Zur Verteidigung der These wird argumentiert, dass das Klima ein System sei und ein selbstregulierendes System nicht widerspreche, dass der Hauptantrieb die Temperaturerhöhung ist. Die zusätzliche Wärme destabilisiert das Thermostat, und das Thermostat reagiert mit lokaler Kälte. Das ist eine elegante Erklärung. Sie ist jedoch auch schwer zu widerlegen, und schwer zu widerlegende Erklärungen überleben am besten in Schlagzeilen.

Doppelte Standards bei „Anomalien“ in Schlagzeilen

Steigt die Temperatur, ist sie besugo hoch; sinkt sie, ist sie besugo niedrig. Jede Abweichung vom Mittelwert fällt unter die Kategorie Anomalie, und die Anomalie wird, wenn es passt, zum Beweis. So wird eine Warnung vor Temperaturen unter dem Erwarteten für Ende Juli als Symptom desselben Phänomens gelesen, das den Planeten eigentlich erwärmen sollte.

Das Gedächtnis hilft wenig. Laut einer Interpretation, die im Thread kursiert, zeichnete die wissenschaftliche Literatur in den 1970er Jahren eine globale Abkühlung, und ab 1988 kippte der Konsens zur Erwärmung. Wer beide Schlagzeilen erlebt hat, darf sich fragen, was sich geändert hat: das Klima oder der Rahmen, der es interpretiert? Das Ergebnis ist eine Welt, in der die Erwärmung in Europa als Abkühlung wahrgenommen wird, genau wie Ozeanien immer im Krieg mit Ostasien war.

Auch das häusliche Thermometer meldet sich zu Wort. Manche weisen darauf hin, dass in Madrid die 40 Grad nie überschritten wurden und 36 bis 38 Grad üblich waren, während andere 26 Grad am Vormittag in Seseña nennen. Die persönliche Wahrnehmung ist kein Klimadatum, aber sie erklärt, warum es schwerfällt, Warnungen zu glauben, wenn der Körper etwas anderes sagt.

Vocentos Bilanz und die Spur des Geldes

Und dann ist da noch die Gewinn- und Verlustrechnung. Vocento, der Verlag hinter dem Medium, das die Schlagzeile trägt, verbuchte im Halbjahr 11,1 Millionen Euro Verlust, nachdem zuvor 5 Millionen Gewinn erzielt worden waren. Der Vergleich lädt dazu ein, eher dem Geld als dem Quecksilber nachzuspüren.

Wenn ein Medium Geld verliert und Schlagzeilen über Studien veröffentlicht, die es nicht verlinkt, ordnet sich der Verdacht von selbst: Das ist keine Information, das ist Propaganda, mit derselben Funktion wie ein Supermarkt-Prospekt. Vielleicht existiert die Studie und ist solide. Niemand bestreitet es, weil niemand sie lesen kann.

Das 99,99% und die ausbleibenden empirischen Daten

Die Frage wiederholt sich jedes Mal, wenn die Quelle gefordert wird: Kannst du die empirischen Daten verlinken, die es ermöglichen, 99,99% zu schreiben? Die Zahl wird im Thread ohne das Dokument, das sie stützt, in den Raum geworfen und wie ein Dogma zitiert. Wissenschaft funktioniert mit begutachteten Artikeln, nicht mit runden Prozentzahlen, die ins Blaue gerufen werden.

Niemand leugnet, dass sich das Klima ändert. Die Diskussion ist eine andere: Welcher Teil der Änderung ist menschlicher Aktivität zuzuschreiben, welcher Teil dem natürlichen Zyklus, und in welchem Maße ist die öffentliche Debatte zu einem Glaubensakt geworden, bei dem Beweise nur vom Zweifler verlangt werden. Der Behauptende muss nichts beweisen; der Fragende schon.

Mit diesen Zutaten wird die europäische Abkühlung eintreten oder nicht, aber die Schlagzeile ist bereits abgeschrieben. Und wenn sie 2025 nicht eintritt, passiert auch nichts: Das Fenster schließt erst 2095. Es bleibt immer Spielraum, um von vorne anzufangen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (162 Antworten).

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