AMOC-Kollaps: Europa kühlt um 3°C pro Dekade ab

Ein AMOC-Kollaps könnte Europa um über 3°C pro Dekade abkühlen, doch Experten warnen vor Panikmache.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

AMOC-Kollaps: Europa kühlt um 3°C pro Dekade ab
Von Erwärmung zu Abkühlung: 30 Grad weniger in einem Jahrhundert

Europa könnte sich um mehr als 3°C pro Dekade abkühlen. Dreißig Grad in einem Jahrhundert. Die Warnung, veröffentlicht zusammen mit einer Analyse zum Kollaps des AMOC — dem atlantischen Strömungssystem —, besagt, dass „keine realistischen Anpassungsmaßnahmen so schnelle Temperaturänderungen bewältigen können“. Das ist die Schlagzeile. Das Problem ist jedoch, dass diese Zahl nicht von einem Konsens getragen wird: Einige Analysen bezeichnen sie als bloße Übertreibung.

Was der AMOC-Kollaps ist und warum er Europa abkühlen würde

Der AMOC ist das große Förderband des Atlantiks. Sein bekanntester Abschnitt, der Golfstrom, transportiert Wärme vom Äquator nach Norden und hält Europa mehrere Grade wärmer, als es aufgrund seiner geographischen Breite sein sollte. Wenn dieses Förderband langsamer wird, kommt keine Wärme mehr an und der Kontinent bleibt auf dem Temperaturniveau viel nördlicherer Regionen zurück: eine Abkühlung von mehr als 3°C pro Dekade und bis zu 30 Grad in einem Jahrhundert, laut dem verbreiteten Szenario.

Der entscheidende Punkt ist, dass diese Abkühlung der globalen Erwärmung nicht widerspricht; sie wäre vielmehr eine Folge davon. Süßwasser aus schmelzendem Eis verändert die Dichte des Nordatlantiks und kann den Kreislauf destabilisieren. Es gibt geologische Präzedenzfälle in dieselbe Richtung: Der Verschluss des Isthmus von Panama, als die süd- und nordamerikanischen Platten aufeinandertrafen, wird als mögliche Ursache dafür angeführt, dass der Planet im Quartär in einen kälteren Zyklus eintrat.

Der Bericht, der die Zahl als Übertreibung entlarvt

Das Gegengewicht kam vom Science Media Centre, dessen Analyse die 30 Grad als offensichtliche Übertreibung betrachtet und dazu aufruft, die Zahlen gelassener zu lesen. Das ist kein geringfügiger Unterschied: Von einem solchen Szenario hängen Entscheidungen über Infrastruktur, Energie und Landwirtschaft in halben Kontinent ab.

Und hier taucht die schwer verdauliche Paradoxie auf. Jahrelang war die öffentliche Botschaft, dass die Temperatur um etwa 1,5°C in einem Jahrhundert steigen würde. Nun geht das auf den Tisch gelegte Szenario in die entgegengesetzte Richtung und mit einer mehrfach größeren Magnitude. Die Parallelen zum Katastrophenfilm, von The Day After Tomorrow bis Perfect Storm, drängen sich förmlich auf.

Neufundland als Spiegel: Die Karte der europäischen Kälte

Ohne Golfstrom bestimmt die geographische Breite das Klima. Ein Großteil Europas liegt auf derselben Höhe wie Neufundland, wo die Winter bei minus 30 Grad liegen. Spanien läge auf dem Niveau von Washington oder New York, mit Stürmen, die die jüngsten Schneestürme zur Anekdote machen würden. Das Gedankenexperiment umfasst konkrete Zahlen: Tiefstwerte von -10º im Winter und Höchstwerte von 33º im Sommer in Madrid.

Nicht einmal bei der grundlegenden Physik herrscht Einigkeit. Ein häufiger Einwand weist darauf hin, dass die Sonne den Äquator aufgrund reiner Geometrie stärker erwärmt als die Pole — dieselbe Energie verteilt sich auf mehr Oberfläche in hohen Breiten — und dass Strömungen nur Wärme zwischen Körpern unterschiedlicher Temperatur transportieren. Daher halten einige einen vollständigen Stillstand für unmöglich, es sei denn, Pole und Äquator hätten dieselbe Temperatur.

Vom Thermometer zur Steuer: Das wiederkehrende Misstrauen

Ändert sich das Vorzeichen der Temperatur, bleibt das übliche Drehbuch bestehen. Wenn früher neue Steuern und Emissionsreduzierungen gerechtfertigt wurden, ist der wiederkehrende Witz nun eine „Steuer auf invertierte Meeresströmungen“. Der dahinterliegende Verdacht: Dass jedes Klimaszenario, kalt oder warm, am Ende bei derselben Rechnung für den Steuerzahler und derselben Roadmap für die Industrie landet.

Hinzu kommt das Misstrauen gegenüber der Methodik. Es wird daran erinnert, dass eine anhaltende Korrelation keine Kausalität beweist — das klassische Beispiel: Eisverkäufe korrelieren mit Sonnenbrand, aber niemand schließt daraus, dass Eis verbrennt — und dass Projektionen eben Projektionen sind. Am anderen Ende steht die Gegenposition: Wer den Konsens leugnet, wird von großen Erdölunternehmen finanziert.

Geopolitik, Eiszeiten und das finale Unbehagen

Die europäische Abkühlung wird auch machtpolitisch interpretiert. Wenn die Arktis eisfrei wird, gewinnt die Nördliche Seeroute an Bedeutung, ebenso wie die Länder, die sie kontrollieren; manche verbinden dies mit Reindustrialisierungsplänen und Wirtschaftsbündnissen, die um billige Fabriken und Energie konkurrieren. Aus der russischen Wissenschaft wurde ein Zykluswechsel um 2030–2035 ins Spiel gebracht, mit der Warnung, dass die Eiszeit, wenn sie kommt, sofort spürbar sein wird.

Für die Skeptiker ist die Historie das Argument: Eine Lawine unerfüllter Vorhersagen, von der globalen Überhitzung bis zur Freiheitsstatue unter Wasser. Und eine tiefere Ebene: Die Idee, dass der Planet seit Jahrtausenden einen Abkühlungstrend zeigt, wobei Interglaziale wechseln, und dass die Menschheit nur vorübergehend hier ist.

Die Prognose, mit allen Vorbehalten: Wenn der AMOC tatsächlich stoppt, wird die Kälte Skandinavien vor der Iberischen Halbinsel treffen, und der Zeitplan bleibt der große Unbekannte. Vielleicht bleibt dies in einigen Jahrzehnten ein weiteres Kapitel recycelter Alarmismus. Oder vielleicht beginnen das Thermometer und die Energierechnung, sich in eine Richtung zu bewegen, die niemand im Drehbuch hatte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (248 Antworten).

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