Streit um Urheberschaft mutmaßlicher Erhängungen mit Schildern

Telegram-Bilder zeigen mutmaßliche Erhängungen von Zivilisten mit Warnschildern in besetzten Gebieten der Ukraine, was Debatten über die Verantwortlichkeit auslöst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mutmaßliche Erhängungen mit Schildern in besetzten Gebieten der Ukraine

In Moskau nahestehenden Telegram-Kanälen verbreitete Bilder zeigen Zivilisten, die in russisch kontrolliertem Gebiet mit Warnschildern aufgehängt wurden. Eines der gezeigten Schilder trägt die Aufschrift „Verräter des Volkes von Lugansk“. Ein Teilnehmer der Debatte zieht eine Parallele zur deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs, als es laut dieser Erzählung üblich war, Partisanen oder mutmaßliche Kollaborateure zu hängen und ein Warnschild zurückzulassen. Wir sprechen von Hinrichtungen in besetzten Gebieten, deren Urheberschaft nicht geklärt ist, und von Material, das von Konten stammt, deren Zuverlässigkeit nicht Stück für Stück verifiziert wurde.

Was die Bilder zeigen und wer sie verbreitet

Die Fotografien deuten auf Lugansk hin, ein Gebiet, das seit Beginn der großangelegten Invasion unter der Kontrolle russischer Truppen steht. Dem Begleittext der Bilder zufolge sollen die Toten beschuldigt worden sein, mit der ukrainischen Armee zu kooperieren, und sie wurden als Abschreckung für die Nachbarschaft ausgestellt. In einigen Nachrichten heißt es zudem, dass mindestens einer der Körper Anzeichen von Verstümmelungen aufwies, ein Umstand, der durch die Veröffentlichungen nicht bestätigt werden kann.

Das entscheidende Element ist nicht so sehr das, was zu sehen ist, sondern woher es kommt. Die Bilder werden über Telegram-Kanäle verbreitet, die Moskau nahestehen – ein Ökosystem, in dem Kommentare die Hinrichtungen feierten. Wer diese Lesart verteidigt, stellt es als bekanntes Muster dar: zuerst die abschreckende Strafe, dann die Maschinerie von Konten, die die Botschaft replizieren. Wer dies bekämpft, entgegnet, dass ein Screenshot kein Beweis sei.

Das Schild, die Rechtschreibfehler und die Inszenierungsthese

Der konkretste Einwand, der kursiert, ist philologischer und nicht forensischer Natur: Der markierte Text enthalte Rechtschreibfehler, die ein russischer Muttersprachler nicht machen würde, woraus geschlossen wird, dass die Szene inszeniert sei. Dies ist ein Argument, das auf Grammatik und nicht auf einem Sachverständigengutachten beruht und somit nur so viel wert ist, wie man ihm beimisst.

Demgegenüber steht das systematische Misstrauen gegenüber allem, was Moskau leugnet. Es wird an den Abschuss eines Verkehrsflugzeugs erinnert, dessen russische Urheberschaft laut dieser Lesart jahrelang geleugnet wurde, bis sie schließlich feststand. Nach derselben Erzählung machten sich die Verantwortlichen in Bucha nicht einmal die Mühe, die Taten zu leugnen. Daraus ergibt sich ein unangenehmer Schluss: Dass eine Gräueltat geleugnet wird, macht sie nicht falsch, so wie ihre Veröffentlichung sie nicht wahr macht.

Sprache als Waffe: Etiketten und Dehumanisierung

Eine der weniger sichtbaren Fronten ist der Wortschatz. Gegenüber den abfälligen Bezeichnungen, mit denen ein Teil des pro-russischen Diskurses die Ukrainer bezeichnet, behaupten einige, dass diese Wörter nicht bloß einfache Beleidigungen sind, sondern die erste Stufe eines Mechanismus: den Gegner zu dehumanisieren, damit das Publikum später das toleriert, was ihm angetan wird. Dehumanisierung geht, so das Argument, der Gräueltat immer voraus.

Auf der anderen Seite verteidigen einige diese Bezeichnungen und erwidern sie, indem sie die Bezeichnung auf den Gegner zurückwerfen. Die zugrunde liegende Diskussion ist nicht linguistischer Natur. Es geht darum, ob die Sprache den Boden für Gewalt bereitet oder sie lediglich begleitet.

Der Kern des Streits: Invasion, NATO und das Budapester Memorandum

Das Ganze ist mit dem größeren Rahmen verflochten. Einige behaupten, die Ukraine sei ein souveräner Staat gewesen, der sein Territorium nach Belieben militarisieren konnte, und dass die Invasion daher nicht zu rechtfertigen sei. Dem wird entgegengehalten, dass Russland gegen einen Staat handelt, der nicht zur NATO gehört und der das Versprechen gebrochen habe, seine Umgebung nicht zu militarisieren. Die Diskussion darüber, ob Moskau vermeintliche europäische Traditionen verteidigt oder ob derjenige, der warnt, die sogenannte neue Weltordnung ist, kreuzt sich mit allem, klärt aber nichts auf.

Auch das Budapester Memorandum wird angeführt, durch das die Ukraine ihr Atomwaffenarsenal im Austausch gegen Garantien abgab. Wer es zur Sprache bringt, tut dies, um zu unterstreichen, dass dieser Austausch nichts verhindert hat.

Bucha, Mariupol und Isjum: die Spur der Anschuldigungen

Der Einzelfall wird als Glied einer Kette dargestellt. Das Material erwähnt die Vorfälle in Bucha, die Belagerung von Mariupol – mit einer Zahl, die von einem der Teilnehmer genannt wurde: 10 % der zivilen Bevölkerung sind verstorben, ein Wert, den niemand unabhängig verifiziert hat – und die in Isjum gefundenen Massengräber. Auf dieser Gesamtheit stützt sich die Forderung eines Teilnehmers nach einem internationalen Tribunal, das die Vorfälle verurteilt.



Mit den verfügbaren Informationen bleibt die Angelegenheit genau dort, wo sie begann: im Streit um die Urheberschaft. Ohne eine Untersuchung, die die Fakten festlegt, dient jedes Element – ein Rechtschreibfehler, ein Schild, ein Messenger-Kanal – zugleich dazu, zu verurteilen oder zu entlasten. Alles andere ist Erzählung.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

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