Streit über verzögerte Einsatzkräfte in Valencia, Spanien

Die UME soll laut einem Bericht erst fünf Tage später in Paiporta eingetroffen sein. Die verzögerte Mobilmachung von Verstärkung für Valencia sorgt für Diskussionen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Streit über verzögerte Einsatzkräfte in Valencia, Spanien
Streit über das Zögern bei der DANA-Katastrophe in Valencia

Wie viele Leben wären gerettet worden, wenn das Militär vom ersten Tag an geschlossen eingesetzt hätte? Diese Frage, gestellt von einem bekannten Kriminalreporter, fasst die Unruhe zusammen, die die öffentliche Debatte nach der Katastrophe durchzieht. Die Zentralregierung behauptet, der Katastrophenschutz sei Sache der Regionen, und man habe auf einen formellen Antrag der Generalitat gewartet. Die von der PP (konservative Volkspartei) geführte Generalitat hält dagegen, dass sie bereits gewarnt habe. Dazwischen liegt eine unbequeme Tatsache: Die UME (spanische Militäreinheit für Notfälle) erreichte Paiporta laut Aussage eines Anwohners erst am fünften Tag, der angibt, drei Tage lang nicht aus dem Eingangsbereich seines Hauses gekommen zu sein, blockiert von zwölf übereinander gestapelten Autos.

Die Zahl, die dem Thema seinen Titel gibt —90 Stunden— ist keine rhetorische Übertreibung. Es ist die Zeit zwischen der Warnung des Nationalen Sicherheitsrates am Dienstag, den 29. Oktober um 8 Uhr morgens, laut dem veröffentlichten Dokument, und dem tatsächlichen Einsatz der Militärkräfte. In diesem Zeitraum stieg der Durchfluss des Barranco del Poyo von 400 auf 1.600 Kubikmeter pro Sekunde. Die Massenwarnung auf die Handys kam zu spät. Und Tausende Menschen saßen in Garagen, Erdgeschossen und Fahrzeugen fest, ohne dass jemand bestätigen konnte, ob sie noch am Leben waren.

Wer darf das Militär einsetzen?

Artikel 12 des spanischen Zivilschutzgesetzes schafft das Nationale Warnnetz als Kommunikationssystem für Warnungen an die zuständigen Behörden, unbeschadet der Kompetenzen der Regionen. Auf dieser Grundlage vertritt ein Teil der Analyse die Auffassung, die Zentralregierung hätte den Ausnahmezustand, Belagerungszustand oder Alarmzustand ausrufen und alle Mittel einsetzen können, ohne dass eine Region dies anfordern müsste. Der am häufigsten zitierte Präzedenzfall sind die Flutkatastrophen von Bilbao 1983: Die PSOE-Regierung entsandte 13.000 Soldaten innerhalb von 24 Stunden.

Die andere Meinung hält dagegen, dass eine Region keine Mittel für eine Katastrophe dieses Ausmaßes hat und dass die Pflicht, Hilfe anzufordern, bei ihr liegt. Das Argument stützt sich auf militärische Logik: Ein in der Schlacht gelähmter Hauptmann befreit den Oberst nicht von seiner Pflicht zu handeln, aber der Oberst kann auch nicht erraten, dass der Hauptmann gelähmt ist, wenn dieser es nicht meldet. Das Ergebnis ist in jedem Fall dasselbe: fünf Tage Verspätung.

Die UME in Paiporta: fünf Tage Verspätung

Der am häufigsten wiederholte Bericht ist der eines Anwohners von Paiporta, der beschreibt, wie die UME erst fünf Tage später erschien. „Wir konnten drei Tage lang nicht aus meinem Hauseingang, weil zwölf Autos den Weg versperrten, einige übereinander. Fünf Tage ohne Strom und Wasser“, erzählt er. In diesem Kontext hat die Frage, wie viele Leben durch einen sofortigen Einsatz gerettet worden wären, keine offizielle Antwort, aber eine unbequeme Logik: In einer überfluteten Garage können Luftpolster existieren, die ein Überleben für Stunden, nicht für Tage ermöglichen.

Der Vergleich mit anderen Ereignissen ist längst zur Floskel geworden. Während der Pandemie zog das Militär aus, ohne dass die Regionen dies gefordert hatten. Beim Vulkanausbruch auf La Palma wurde das Management ebenfalls als zu spät kritisiert. Der Unterschied, so argumentieren einige, sei, dass hier eine Warnung des Nationalen Sicherheitsrates zwölf Stunden im Voraus vorlag.

Die offizielle Darstellung und ihre Risse

Die Regierung hat eine außerordentliche Ministerratssitzung einberufen, um ein „kraftvolles Paket“ an Hilfen zu verabschieden. Die Opposition interpretiert die Maßnahme als Versuch, den Koldo-Fall zu vertuschen. Vox hat angekündigt, gegen den Ministerpräsidenten und mehrere Regierungsmitglieder wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und unterlassene Hilfeleistung Strafanzeige zu erstatten. Die Klage befindet sich jedenfalls noch im Ankündigungsstadium und wurde nicht zur Bearbeitung zugelassen.

Unterdessen durchkämmte die UME weiter La Albufera und die Strände auf der Suche nach Opfern. Das Protokoll der Krisensitzung bezifferte die vorläufige Zahl der Vermissten auf 1.900. Die Talsperre Forata hielt 37.000 Millionen Liter zurück. Das sind Zahlen, die keine Interpretation zulassen: Das Ausmaß des Ereignisses überstieg jede Vorhersage.

Die spanische Politik in ihrer vorhersehbarsten Version

Das Muster wiederholt sich mit einer Treue, die bereits verdächtig wirkt. Die einen machen die Zentralregierung für das Nichteingreifen verantwortlich. Die anderen machen den Präsidenten der Generalitat dafür verantwortlich, keine Hilfe angefordert zu haben. Manche verteilen die Verantwortung auf beide, und andere nutzen die Gelegenheit, um alte Rechnungen der vorherigen Legislaturperiode zu begleichen. Die Desinformationsindustrie, so eine veröffentlichte Meldung, nutzt die mangelnde Koordination aus, um mit populistischen Parolen Hass zu säen, die bei rechten Führern Anklang finden.

Tatsache ist, dass die spanische Politik eine Katastrophe mit Hunderten Toten in ein Wahlspiel verwandelt hat. Und dass, während darüber gestritten wird, wer wen hätte anrufen müssen, weiterhin Familien auf Nachrichten warten. Die vollständige Aufschlüsselung der Reaktionszeiten, Stunde für Stunde, ergibt eine Differenz, die selbst die überrascht, die das Thema genau verfolgen.

Am Ende lautet die Frage nicht, wer recht hat. Sondern wie viele derjenigen, die in einem Auto oder unter einem Baumstamm eingeklemmt starben, mit 90 Stunden weniger Wartezeit überlebt hätten. Das wird niemand je wissen. Und genau das ist es, was niemand beantworten will.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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