Strategie ohne Stop-Loss gewinnt nur im Demo-Konto

Kauf ohne Stop-Loss und Warten auf Take-Profit behauptet, alle Trades zu gewinnen, wird aber im Demo-Konto ohne Slippage ausgeführt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Strategie ohne Stop-Loss gewinnt nur im Demo-Konto
Gewinnen im Demo-Trading ist einfach; das reale Risiko ist anders

Kaufen bei Kursrückgängen, Setzen des Take-Profits auf dem vom Chart angezeigten Niveau und kein Stop-Loss setzen. Mit 50.000 Euro Startkapital wird diese Rezeptur als ausreichend dargestellt, um „alle Trades zu gewinnen“. Das Detail, das die Erzählung entkräftet, liegt in der Geschichte selbst: Die Trades werden in einem Demonstrationskonto ausgeführt, nicht mit echtem Geld.

Der Mechanismus des Simulators erklärt einen Großteil des Wunders. In einer Testumgebung handelt man gegen Bots, die Käufe und Verkäufe innerhalb einer definierten Spanne ansammeln, ohne Liquidation durch Slippage. Anders ausgedrückt: Der Markt verhält sich genau so, wie der Chart es verspricht. Übertragen auf echtes Geld können Ausführungsspreads und Hebelwirkung den Rest erledigen. Und es bleibt ein Detail, das nicht in den Screenshots auftaucht: Das Finanzamt (spanische Steuerbehörde Hacienda) nimmt seinen Anteil an jedem Gewinn.

Warum scheint die Strategie ohne Stop-Loss immer zu funktionieren?

Die Begründung für die Taktik ist eher psychologisch als technisch: Das investierte Geld geht erst verloren, wenn man beschließt, es herauszunehmen, daher wäre ein Stop-Loss überflüssig. In einem Markt, der täglich steigt und fällt, reicht es, in niedrigen Zonen zu kaufen und zu warten. Das adverse Szenario muss jedoch nur einmal eintreten. Wer annimmt, dass die Position „früher oder später zum Take-Profit kommt“, wettet darauf, dass kein einziger Rückgang die Marge auffrisst, und mit Hebelwirkung muss dieser Rückgang nicht groß sein.

Der Gegenbeweis hat die Form einer Serie: eine Trefferquote von 100 % während einer Woche bei Bitcoin-Operationen, Einstieg bei 10.470 und Ausstieg bei 10.310, um 1.500 Euro zu kassieren. Alles natürlich im Simulator. Und mit einer diskutablen Grundthese: Dass der reale Bitcoin-Preis nicht 10.500 beträgt, sondern etwas zwischen 8.000 und 9.000.

Der Ibex stand 1999 bei 9.000 Punkten: Langfristig ist auch nicht gratis

Das überzeugendste Gegenargument betrifft Indizes, die für immer zurückblieben. Der Ibex handelte 1999 bei 9.000 Punkten, über den Niveaus, die viel später registriert wurden, sodass nach der Argumentation im Thread, wer spanische Aktien kaufte und zwanzig Jahre hielt, immer noch Verluste macht. Der Extremfall ist Japan: Der Nikkei erreichte im Februar 1990 37.000 Punkte und handelt drei Jahrzehnte später bei 23.000. In den Achtzigern war die Wette auf steigende Kurse in Tokio die sichere Wette des Jahrzehnts.

Die Bewertungsperspektive unterstreicht die Warnung. Laut den im Thread zitierten Daten überstieg das KGV des Nikkei 70, während der S&P bei 24 liegt, der Nasdaq bei 34 und der weltweite Durchschnitt zwischen 17 und 18. Teuer kaufen und warten behebt nicht den Einstiegspreis, es verlängert nur den Zeitraum, bis die Bewertungen normalisiert sind.

Wie viel verdient wirklich, wer langfristig investiert?

Die in der Debatte verlinkte Statistik verteilt die Ergebnisse nach Zeithorizont. Wer in Stunden oder Tagen operiert, verliert in 95 % der Fälle nach ausreichender Anzahl von Trades. Bei Wochen oder Monaten sinkt der Prozentsatz der Verlierer auf 70 %. Wer Jahre durchhält, nähert sich 50 %, und bei Horizonten von zehn Jahren schießt die Gewinnerquote auf 95 %.

Gegen diese Tabelle steht die Erfahrung von Referenz-Managern. Joel Greenblatt erzielte laut den im Thread zitierten Daten eine jährliche Rendite von 30,8 % über 16 aufeinanderfolgende Jahre, und die empfohlene Literatur für Langfristinvestoren umfasst Pat Dorsey, Peter Lynch, Phillip Fisher und Greenblatt selbst. Manche wenden dieses Handbuch mit Ergebnissen an: Ein Investor, der seit fast acht Jahren in Aktien ist, behauptet, sein Anfangskapital fast verdreifacht zu haben und strebt an, von den Erträgen zu leben.



Markt ist 80 % der Zeit seitwärts: Optionsverkauf

Hier taucht die unintuitivste Datenpunkt auf. Wie ein Teilnehmer argumentiert, der angibt, seit über zwanzig Jahren zu handeln, wählt der Markt nur 20 % der Zeit eine Richtung; die restlichen 80 % bewegen sich in einer Spanne. Diese Proportion erklärt seiner Ansicht nach, warum Käufer von Optionen auf Aktien oder Index-Futures etwa 10 % der Zeit recht behalten, während Verkäufer 90 % gewinnen. Es ist kein Trick: Beim Verkauf erhält man wenig Einkommen und verliert selten, aber wenn man verliert, ist der Schlag erheblich. Hinzu kommt die Liquidität des MEFF, die als erbärmlich bezeichnet wird.

Maschinen absorbieren den Vorteil

Ein letztes Element stört jede Methode, die heute funktioniert: Algorithmisches Arbitrage, gemäß der Erklärung eines anderen Teilnehmers. Es gibt automatisierte Systeme, die Millionen von Parametern analysieren und jede Marktin-effizienz erkennen, die jemand ausnutzt. Sie zielen nicht auf bestimmte Personen ab; einfach verschwindet die Ineffizienz innerhalb von sechs Wochen oder sechs Monaten, und man muss eine andere suchen. Eine Möglichkeit, dieses Radar zu umgehen, ist die Flucht in wenig erschlossene Märkte oder die Erstellung eigener synthetischer Produkte.

Der zugrunde liegende Kulturkampf ist ein anderer: Die Börse als langsam verzinsliches Vermögen gegenüber der Börse als schnelle Geldmaschine. „Die Börse ist für Reiche“, behauptet die erste Strömung. Die Daten dieses Austauschs schließen keine der beiden Türen vollständig. Wie viel einer Strategie, die im Simulator funktioniert, überlebt den ersten Montag ohne Netz?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (122 Antworten).

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