Staus entstehen nicht durch Bremsen, sondern durch Abstand

Eine viel zitierte Rechnung zeigt: Verdoppelt man den Sicherheitsabstand, halbiert sich die Zahl der Autos, die eine Spur aufnimmt – von 30 auf 15 pro Minute.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Staus entstehen nicht durch Bremsen, sondern durch Abstand
Staus entstehen nicht durch Bremsen, sondern durch Abstand

Ein Auto ist vier Meter lang. Bei 70 km/h und vierzig Metern Sicherheitsabstand belegt jedes Fahrzeug vierundvierzig Meter. Multipliziert man das mit der Zahl der Fahrzeuge, die in eine Spur passen, erhält man die tatsächliche Kapazität der Straße. Verdoppelt man nun diesen Abstand, schluckt die Straße nur noch die Hälfte. Der Stau entsteht nicht, weil jemand bremst, sondern weil jemand beschlossen hat, den doppelten Raum einzunehmen, der ihm zusteht.

Die Diskussion über das Fahren im Stau beginnt mit einem Video, das zeigt, wie sich eine Störung wie eine Welle nach hinten ausbreitet. Der Effekt ist real. Die Deutung, die ihm gegeben wird, eher nicht. Der Autor des Experiments schließt, dass Abstand halten den Stau verhindert; die Rechnung sagt das Gegenteil: Der zusätzliche Abstand ist die Störung.

Wie viele Autos wirklich in eine Spur passen

Die Rechnung ist einfach und lässt keine Deutung zu. Eine einspurige Straße bei 70 km/h nimmt etwa 30 Autos pro Minute auf, wenn jedes seine vier Meter plus vierzig Abstand belegt. Verdoppeln alle den Abstand, sinkt die Zahl auf 15. Die Straße ist nicht schmaler geworden. Es war die Summe individueller Entscheidungen, die ihre Kapazität halbiert hat.

Deshalb hat übertriebene Rücksicht beim Abstandlassen am Ende denselben Effekt wie das Auffahren auf den Vordermann: Beide bringen den Takt durcheinander. Der Drängler zwingt den Vorderen zum Bremsen; der Über vorsichtige verlängert die Schlange dahinter. Das Ergebnis ist identisch.

Die Ampel und die Gemütlichkeit des Ersten

Derselbe Mechanismus wirkt an einer Kreuzung. Das erste Auto in der Reihe hat es nicht eilig: Es kommt ja ohnehin über die Kreuzung. Diese unnötige Gemütlichkeit kostet die Hinteren die Schaltphase und eine Minute Wartezeit. Zügiges Anfahren ist keine geringere Bürgerpflicht; es entscheidet darüber, wie viele bei Grün über die Kreuzung kommen.

Manche halten das Gegenteil für richtig: Dass der Drängler die Bremsketten auslöst. Teils wahr. Aber das Video, das die Diskussion ausgelöst hat, misst das nicht, es misst die Wirkung des Abstands. Und auf diesem Feld gilt: Der belegte Raum zählt mehr als die Absicht.

Die Motorbremse, die fast niemand nutzt

Was in fast allen Analysen fehlt, ist technischer Natur: Den Abstand zu halten, ohne das Bremspedal zu berühren, erfordert den Motor als Bremse zu nutzen. Schätzungen zufolge beherrscht das nur eine kleine Minderheit der Fahrer, und der Anteil ist noch geringer bei denen, die nicht einmal wissen, dass es das Konzept gibt. Ohne diese Fähigkeit wird der Abstand zum Dauerbremsen, das die Welle verstärkt statt zu dämpfen.

Kontrollierte Experimente funktionieren. Das echte Leben mit einfahrenden Fahrzeugen, Ausfahrten und Straßen, die an Aufnahmekapazität verlieren, nicht. Dort bricht das Modell zusammen.

Die Achterbahn, die nie anhält

Das meistzitierte Gleichnis: Eine unendliche Achterbahn mit gleichmäßiger Geschwindigkeit erzeugt keine Staus. Stimmt. Aber setzt man zwei Meter zwischen die Waggons, passt in denselben Kilometer nicht mehr die Zahl von fünfhundert, die vorher hineinpasste. Die Strecke trägt mehr Last, als sie verkraftet. Der in die Länge gezogene Zug ist der Stau.

Mit diesen Zahlen lautet die unbequeme Schlussfolgerung: Die meisten Ratschläge für das Fahren im Stau verschlimmern, was sie verbessern wollen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (37 Antworten).

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