Zerstreut euch: Handbuch für städtisches Überleben in der EU von 2017
Im Januar 2017, als die EU noch dabei war, die Anschläge von Nizza, Berlin und Stockholm zu verdauen, postete ein Nutzer in einem Prepper-Forum eine unbequeme Devise: Meiden Sie Menschenmengen und bleiben Sie nicht allein. Die Ausgangsthese besagte, dass die europäischen Straßen begannen, denen von Kabul oder Bagdad zu ähneln, mit Hindernissen gegen Anschläge, gepanzerten Fahrzeugen und Polizisten mit Kriegswaffen. Der Autor des ersten Beitrags argumentierte, dass die Ankunft hunderttausender Menschen aus Konfliktgebieten die urbane Topografie des Terrors nach Europa repliziert habe und dass die offiziellen Schutzmaßnahmen unzureichend seien. Von dort aus entwickelte sich die Debatte hin zu praktischen Empfehlungen für Selbstverteidigung und städtisches Überleben.
Das militärische Prinzip der Streuung
Der erste Rat war eindeutig: Sich zerstreuen. Dies wurde mit der Anweisung eines fiktiven Leutnants im Film Aliens verglichen: „I want a nice and clean dispersal“. Die Idee ist, dass in einer feindlichen Umgebung die Konzentration von Personen dazu führt, dass ein einzelner Angriff maximalen Schaden anrichtet. Daher wurde empfohlen, jegliche Menschenansammlungen zu vermeiden: Sportveranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen, Festivals. Je feindlicher das Szenario, desto größer muss der Abstand zwischen Individuen sein. Im Kontext von 2017, mit kürzlich erfolgten Anschlägen durch Fahrzeuge, die in Mengen gefahren wurden, war diese Logik schwer zu widerlegen.
Die zweite Empfehlung bestand darin, den Zusammenhalt der Einheit aufrechtzuerhalten. Ein isolierter Soldat im Kampf ist ein leichtes Ziel, ohne Kameraden, die ihn unterstützen. Übersetzt in das zivile Leben: Bleiben Sie nicht allein, besonders nachts und in wenig frequentierten Gebieten. Als Beispiel für einen Verlust des Zusammenhalts wurde der Fall einer jungen Frau angeführt, die um drei Uhr morgens in Zarautz sens angegriffen wurde. Der Vorschlag war kein einfacher Sicherheitstipp, sondern eine Anpassung von Infanterietaktiken an das städtische Leben.
Nützen Poller und Blumentöpfe gegen Anschläge etwas?
Die Antwort im Thread lautete weitgehend nein. Es wurde argumentiert, dass die nach jedem Anschlag installierten Schutzvorrichtungen – Poller, Blumentöpfe, Betonblöcke – von schweren Fahrzeugen leicht überwunden werden können. Der Fall von Stockholm wurde zitiert, wo steinerne Löwen vom Lastwagen des Attentäters problemlos beiseite geschoben wurden. Auch ein Unfall in Talavera wurde erwähnt, bei dem ein einfaches Auto einen großen Blumentopf verschob. Die Schlussfolgerung war, dass diese Maßnahmen eine falsche Sicherheit suggerieren und dass der einzige wirklich wirksame passive Schutz darin besteht, sich nicht dort aufzuhalten, wo Massenschläge stattfinden.
Der Thread behandelte auch den individuellen Schutz. Es wurde über kugelsichere Westen der Stufe II oder III gesprochen, wie sie Kriegsreporter tragen, wobei ihre Nutzlosigkeit gegenüber einem AK-47 anerkannt wurde. Sie würden höchstens gegen Splitter oder Pistolenmunition helfen. Die allgemeine Empfehlung war, nicht auf Gadgets zu vertrauen und sich auf Prävention zu konzentrieren: belebte Orte meiden und wachsam bleiben.
Die politische Dimension: Massenveranstaltungen als Protest meiden
Die ursprüngliche Nachricht hatte eine explizite politische Komponente. Es wurde dazu aufgerufen, sichtbar zu machen, dass die früheren Sicherheitsgarantien der EU verloren gegangen sind, und Massenveranstaltungen als Form des Protests zu boykottieren. Die Idee war, dass die weitere Teilnahme an Großevents einer Akzeptanz des Status quo gleichkam. Parteien, die Aufnahmepolitik unterstützt hatten, wurden kritisiert, und es wurde behauptet, Bürger, die diese Optionen gewählt hatten, müssten die Konsequenzen tragen. In den Worten des Autors dürfe man keine „menschlichen Schilde“ zwischen politischen Entscheidungen und deren Auswirkungen bilden.
Diese Haltung löste Debatten aus. Einige Teilnehmer wiesen darauf hin, dass das statistische Risiko, bei einem Anschlag zu sterben, gering sei und dass der Begriff „Krieg“ übertrieben sei. Andere unterstützten hingegen die These, dass die europäische Gesellschaft verwundbarer geworden sei und der soziale Zusammenhalt vor Jahrzehnten gebrochen worden sei. Es wurde erwähnt, dass in den 70er oder 80er Jahren solche Diskussionen nicht stattgefunden hätten und dass das „pogre Bicho“ eine Unfähigkeit eingeimpft habe, über Immigration zu debattieren, ohne als Fremdenfeind gebrandmarkt zu werden.
Der Anschlag auf die Las Ramblas und die Bestätigung des Musters
Im August 2017 bestätigte der Anschlag auf die La Rambla in Barcelona nach Ansicht mehrerer Teilnehmer die Warnungen des Threads. Man fragte sich, warum vierzehn Monate nach dem Anschlag von Nizza keine Poller in einem so belebten Fußgängerbereich vorhanden waren. Die offizielle Antwort, wie im Thread berichtet, lautete, dass Barcelona eine „Stadt des Friedens“ sei und dass der Terror ihr Wesen nicht verändern würde. Für Kritiker bewies dies mangelnde Vorsorge und die Priorisierung des Images vor der Sicherheit.
Der Thread sammelte auch Reaktionen von Politikern, wie die der Bürgermeisterin von Barcelona, die die Stadt als „offen für die Welt, mutig und solidarisch“ beschrieb. Der Kontrast zwischen diesen Erklärungen und der Realität der Ereignisse war für die Teilnehmer der Beweis, dass die offizielle Darstellung nicht mit der Bedrohung übereinstimmte. Es wurde auf die Bedeutung hingewiesen, die Reaktion auf einen Angriff vorab zu planen: Deckung suchen, Menschenmengen meiden, nicht erstarren.
Die Evolution der Angst: Vom Anschlag zur Alltagskriminalität
Mit der Zeit erweiterte sich der Fokus des Threads. Es ging nicht mehr nur um dschihadistische Anschläge, sondern auch um Alltagskriminalität und Straßenangriffe. Fälle wie die Messerstecherei in Malvarrosa oder der Tod eines jungen Mannes am Orzán wurden erwähnt. Die Empfehlung, an bestimmten Nächten, wie der Johannisnacht, nicht auszugehen, wiederholte sich. Die zugrunde liegende Idee war, dass die persönliche Sicherheit insgesamt beeinträchtigt worden sei und dass Selbstschutzmaßnahmen sowohl für Anschläge als auch für gewaltsame Raubüberfälle gültig seien.
Auch über die rechtliche Reaktion wurde diskutiert. Das spanische Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt (Ley Integral contra la Violencia de Género) wurde zitiert, und es wurde argumentiert, dass heterosenshetero Männer im neuen normativen Rahmen als „enemy combatants“ betrachtet werden könnten. Diese Entwicklung spiegelte eine breitere Besorgnis über die Zunahme der sozialen Kontrolle und die Kriminalisierung von Dissens wider. Der Thread wandelte sich letztlich von einem Überlebenshandbuch gegen Anschläge zu einem Beschwerdeforum über die politische und soziale Entwicklung Europas.
Hat sich seitdem etwas geändert? Das Gefühl der Unsicherheit bleibt bestehen, und Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum sind weiterhin Gegenstand von Debatten. Die offene Frage lautet, ob Streuung und Zusammenhalt der Einheit ausreichen, um sich in einer Umgebung zu bewegen, die viele als zunehmend feindselig empfinden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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