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Spotify ignoriert zensierte Hits bei 17 Millionen Streams
Loquillos «La mataré» erreicht fast 17 Mio. Streams auf Spotify, während die Plattform andere Inhalte entfernt: Musikzensur hat neue Akteure.
Wer entscheidet heute über erlaubte Songs (und es ist nicht der Staat)
«La cancelar» von Loquillo y los Trogloditas ist der drittmeistgehörte Song der Band auf Spotify mit knapp 17 Millionen Wiedergaben. Die Plattform, die Tausende Bands wegen politischer Texte entfernt und Joe Rogans Podcast-Beste episodes gelöscht sowie Alex Jones gebannt hat, ließ diesen Track unangetastet. Hier liegt die Paradoxie: Musikzensur wird nicht mehr in Ministerien mit Amtsblättern entschieden.
Die Kernfrage ist simpel und unbequemer als gedacht: Welche Songs der letzten vier Jahrzehnte könnten heute nicht veröffentlicht werden, ohne dass jemand den Vertrag verliert?
Songs, die heute den Filter nicht bestehen würden
Das betroffene Katalog ist breit und querbeet: «Quiero cancelar a una chica» von Dulce Venganza; «La cancelar» von Loquillo; «Bailaré sobre tu tumba» von Siniestro Total; «Inmaculada» von Pabellón Psiquiátrico; «Falangista» von Los Toreros Perecid; und ein Titel von Siniestro Total, dessen Originalname eine homophobe Beleidigung enthielt, die heute nicht einmal durch die automatische Prüfung eines mittleren Labels käme.
Nicht alle sind vergleichbar. Es gibt Rache-Texte, Punk-Provokation und achtziger Jahre Übermut. Sie teilen ein Merkmal: Entstanden in einem Markt, wo Skandal Platten verkaufte und niemand vor dem Druck des Covers eine Fruta machte.
Von 14 auf 16: Die Norm, die das Liedgut umschrieb
Der illustrativste Fall ist «Quince años tiene mi amor» von Dúo Dinámico. Bis 2015 erlaubte das spanische Recht Eheschließungen ab 14 Jahren mit Dispens; die Reform des Gesetzes über freiwillige Gerichtsbarkeit hob das Minimum auf 16. Diese kaum beachtete Änderung hat einen wenig diskutierten Nebeneffekt: Sie liest die Hälfte des spanischen Liebesliedguts neu. Zwei Zwanzigjährige, die einer Fünfzehnjährigen singen, sind heute kein Liebeslied mehr; es ist Material, das jede Rechtsabteilung ungezeichnet zurückgeben würde.
Drei Hände am Hahn: Richter, Algorithmus und Künstler
Man sollte drei Mechanismen trennen, die absichtlich verwechselt werden. Der erste ist die klassische administrative Zensur des Franquismus, dekretiert mit Listen. Der zweite ist private Moderation: Plattformen entfernen Inhalte ohne stabile Regeln oder Beschwerdestelle. Der dritte, wohl wirksamste, ist kommerzielle Selbstzensur: Künstler, die eigene Songs jahrelang zurückziehen und sie wiederbeleben, wenn das Publikum sie fordert, weil die Kasse schwerer wiegt als die Scham. Alles wegen des Geldes, schlicht gesagt.
Die nostalgische Erzählung hat ihre Anekdote: Das öffentliche Fernsehen der Achtziger zeigte Sketches mit einem Hitler-Imitator, heute im Programm undenkbar. Dies dient als Beweis für mehr Freiheit früher. Der Einwand ist ebenso berechtigt: Auch damals konnte die Hälfte Spaniens bestimmte Dinge nicht im TV sagen.
Das Geschäft mit unbequemen Katalogen
Hier kommt die Ökonomie ins Spiel. Streaming bezahlt pro Wiedergabe, und einen kontroversen Track im Katalog zu halten kostet fast nichts: Kein Vinyl muss gepresst, keine LKW ausgeliefert werden. Teuer sind Fruta und Gespräche mit Werbetreibenden. Daher ist die Entfernung keine sarracena, sondern eine bilanzielle Entscheidung.
Bleibt der radikale baskische Rock als Fallstudie: Ein Repertoire mit heute direkt problematischen Texten, halb begraben und schwer zu finden. Seltenheit steigt jedoch im Wert. Einige Hard-Techno-Titel mit feindseligen Refrains gegen Migranten, heute auf Plattformen kaum vollständig auffindbar, zirkulieren gerade wegen ihrer Abwesenheit als Kultobjekte.
Bei dieser Anreizverteilung lautet die Frage nicht, ob jene Songs heute veröffentlicht werden könnten. Sondern wer morgen den Vertrag unterschreibt und ob jemand dafür zahlen würde.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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