TSJM weist Sánchezes Klage gegen Peinado einstimmig ab
Kann eine Regierung die Abogacía del Estado (die staatliche Anwaltschaft) nutzen, um gegen den Richter zu klagen, der die Ehefrau des Präsidenten untersucht? Das Hohe Gericht von Madrid (TSJM) hat soeben mit Nein geantwortet: Es hat die Klage abgewiesen, die die Abogacía del Estado auf Anordnung von Pedro Sánchez gegen den Richter Peinado eingereicht hat. Die Entscheidung war nicht nur ein rein prozessualer Rückschlag. Einer der Richter gab eine Sondervotum ab, in dem er argumentierte, dass gegen Sánchez wegen prozessualen Missbrauchs eine Geldstrafe hätte verhängt werden sollen. Die institutionelle Antwort auf den Versuch, gegen den Ermittler im Fall Begoña Gómez vorzugehen, war für La Moncloa zumindest unangenehm.
Was die Klage forderte und warum das TSJM sie ablehnt
Die Abogacía del Estado, die dem Ejecutivo untersteht, reichte im Namen der Präsidentschaft der Regierung eine Klage gegen Richter Peinado ein. Sánchez selbst rechtfertigte dies so: „Die Abogacía del Estado hat die Institution der Präsidentschaft der Regierung von Spanien verteidigt. Die Zeit wird die Dinge richten.“ Laut TSJM hat die Zeit die Dinge jedoch woanders hingestellt: Die Klage wurde nicht zur Bearbeitung zugelassen, und das Gericht entschied einstimmig.
Das Kernargument ist, dass der gewählte Rechtsweg zumindest fragwürdig war. Das Gesetz erlaubt zwar einen Befangenheitsantrag gegen einen Ermittler, aber es erlaubt nicht, die Abogacía del Estado zur Klägerin gegen einen Richter zu machen, nur weil eine Untersuchung das familiäre Umfeld des Präsidenten betrifft. Einige behaupten, dass das Vorgehen der Abogacía del Estado an Amtsmissbrauch grenzt, da die Verantwortlichen wussten, dass dieser Weg nicht gangbar war. Das Sondervotum des Richters geht in diese Richtung: nicht nur eine Abweisung, sondern auch eine mögliche Geldstrafe wegen prozessualen Missbrauchs.
Die institutionellen Kosten einer Klage gegen den Ermittler der eigenen Ehefrau
Das unangenehmste Detail ist nicht die Abweisung an sich, sondern das genutzte Instrument. Die Abogacía del Estado ist keine private Kanzlei, sondern ein Staatsorgan, das für eine persönliche Verteidigung eingesetzt wurde. Hätte Sánchez einen privaten Anwalt engagiert, wäre der Vorfall im privaten Bereich geblieben. Durch die Nutzung öffentlicher Ressourcen für eine Klage gegen einen Richter verwandelte der Präsident sein Familienproblem in einen Konflikt zwischen Staatsgewalten. Und diesen Konflikt hat er vorerst einstimmig verloren.
Die härteste Interpretation besagt, dass die Regierung die Klage als Versuch der Druckausübung auf den Ermittler genutzt hat. Die wohlwollendere Sicht ist, dass die Anwaltschaft einen politischen Auftrag ausführte, ohne die Folgen abzuwägen. Keine der beiden Sichtweisen lässt die Regierung gut dastehen. Das Ergebnis bleibt gleich: Das TSJM hat entschieden, dass die Klage unzulässig ist und zudem Anzeichen für eine Geldstrafe vorliegen.
Wie es mit dem Fall Begoña Gómez und Richter Peinado weitergeht
Die Ablehnung der Klage beendet die Hauptuntersuchung nicht. Richter Peinado leitet die Ermittlungen im Fall Begoًa Gómez weiter, und die Entscheidung des TSJM stärkt seine prozessuale Position eher, als sie zu schwächen. Von hier an muss die Verteidigung der Ehefrau des Präsidenten über die eigentlichen Sachverhalte streiten, nicht über die Legitimität des Ermittlers. Und dort ist das Gelände schwieriger: Vorteilsnahme, Korruption, Unterschlagung und unbefugte Ausübung eines Berufs sind einige der Delikte, die laut den Beteiligten im Ermittlungsverfahren untersucht werden.
Die Strategie, die Form statt der Sache anzugreifen, war laut Analysten ein Kalkulationsfehler. Indem man den Richter infrage stellte, statt auf die Anschuldigungen zu antworten, vermittelte das Umfeld von Sánchez den Eindruck, dass es zur Sache selbst wenig zu sagen gab. Das TSJM hat nicht bewertet, ob Begoña Gómez unschuldig oder schuldig ist; es hat lediglich gesagt, dass die Klage gegen den Richter nicht der richtige Weg war. Dieser Unterschied ist entscheidend.
Die Abogacía del Estado im Fokus
Die Behörde, die die Abogacía del Estado leitet, wird durch das Sondervotum in die Kritik gebracht. Wenn ein Richter prozessualen Missbrauch geltend macht, stellt sich sofort die Frage, wer die Anweisung gegeben hat und mit welcher rechtlichen Beratung. Die Abogacía del Estado handelt in einem solchen Fall nicht aus eigenem Antrieb, sondern erhält Anweisungen von der Regierung. Das bedeutet, dass die Entscheidung, gegen Peinado vorzugehen, in La Moncloa getroffen wurde, im Wissen, dass der Rechtsweg höchst umstritten war.
Einige vermuten, dass die Anwaltschaft als „Opferinstrument“ diente: eine Klage, die zum Scheitern verurteilt war, um eine Entscheidung zu erzwingen, die dem Präsidenten in Wahrheit schwächt. Dies ist eine Hypothese, kein bewiesener Fakt. Aber das objektive Ergebnis ist, dass die Regierung eine institutionelle Schlacht gegen die Justiz verloren hat, gerade in einem Moment, in dem sie das genaue Gegenteil gebraucht hätte.
Das Tauziehen zwischen der Regierung und den Gerichten
Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Er ist Teil eines breiteren Konflikts zwischen der Exekutive und der Justiz, der seit einiger Zeit eskaliert: Beleidigungen des Obersten Gerichtshofs, Infragestellung von Urteilen und Versuche, das System zur Wahl der Mitglieder des CGPJ (der Generalrat der Justiz) zu reformieren. Das TSJM hat mit einer einstimmigen Abweisung und einem Sondervotum, das eine Geldstrafe fordert, reagiert. Es ist kein Urteil über den Fall Begoña, aber es ist eine Botschaft: Die Gerichte lassen sich nicht ohne Konsequenzen von der Regierung verklagen.
Es bleibt die Frage, ob die Regierung den Rechtsweg gegen den Ermittler weiterverfolgen oder die Strategie ändern wird. In der Zwischenzeit hängt die Legislaturperiode weiterhin von parlamentarischen Partnern ab, die nicht immer auf derselben Seite stehen. Die juristische und die parlamentarische Front bewegen sich parallel, und keine von beiden sieht gut aus für La Moncloa.
Am Ende hat die Zeit die Dinge an ihren Platz gerückt. Nur war dieser Platz nicht der, den Sánchez erwartet hatte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).