Rentner vermietet Wohnung für Zusatzrente, zahlt seit 10 Monaten nichts
Was passiert, wenn ein Mieter nicht mehr zahlt und der Vermieter ein 75-jähriger Rentner ist, der dieses Geld zum Leben braucht? Der Fall von Francisco, einem Rentner aus Málaga, der das geerbte Elternhaus vermietete, um seine staatliche Rente aufzubessern, zeigt ein Problem, das Tausende kleine Eigentümer in Spanien betrifft. Seine Mieterin, eine Angestellte der Immobilienagentur, die den Vertrag verwaltete und einen unbefristeten Arbeitsvertrag hatte, stellte die Zahlungen fast sofort ein. Er hat seit 10 Monaten keinen einzigen Euro erhalten, während das Gerichtsverfahren feststeckt.
Die Geschichte, gemeldet von der Plattform für Betroffene von Hausbesetzungen im Europäischen Parlament, widerlegt die offizielle Erzählung: Laut der Plattform sind die meisten Opfer von Besetzungen keine Banken oder Fonds, sondern arbeitende Familien, Hypothekennehmer und ältere Menschen, die ihre einzige Wohnung vermieten, um über die Runden zu kommen.
Vom Vertrauen zum juristischen Albtraum
Der Vertrag wurde im September 2021 unterzeichnet. Francisco wandte sich an eine Immobilienagentur, und eine ihrer Mitarbeiterinnen interessierte sich für die Wohnung. Das Vertrauen, dass die Mieterin eine Fachkraft mit unbefristetem Vertrag war, verflog schnell: Die Verzögerungen begannen sofort. Nach einer förmlichen Mahnung per Burofax (beglaubigtes Fax) lautete die Antwort eine Belästigungsbeschuldigung, woraufhin die Eigentümer jegliche Kommunikation aus Angst vor Klagen abbrachen.
Als sie herausfanden, dass die Frau angeblich wegen schwierigen Verhaltens entlassen worden war, brachten sie den Fall vor Gericht. Dort begann das eigentliche Labyrinth.
Die Vulnerabilitäts-Falle: Wie Räumungen blockiert werden
Wenn der Richter die Räumung anordnet, beruft sich die Mieterin auf Verletzlichkeit, und das Gericht gibt ihr zehn Tage zur Nachweisführung. Monate später stellt der Richter fest, dass die erforderlichen Unterlagen fehlen, und archiviert den Fall. Doch dann beantragt sie erneut eine Aussetzung wegen Verletzlichkeit, und der Prozess beginnt von vorn. Zum zweiten Mal gelingt der Nachweis nicht, und der Richter archiviert erneut, wie dokumentiert.
"Die Gesetzgebung ist bösartig, weil sie es erlaubt, mit Tricksereien die Verletzlichkeit unbegrenzt geltend zu machen", klagt Francisco. Sein Sohn Alejandro erklärt mit Papieren in der Hand: Sie warten nun auf einen Termin, aber der Richter warnt, dass die Beklagte dies jederzeit wiederholen und alles erneut blockieren kann.
Antwort des Bürgerbeauftragten: 'Minimale Auswirkung'
Francisco und Alejandro haben alle Instanzen angerufen. Im Rathaus von Málaga gab es eine Mediation: Hilfsangebote wurden abgelehnt. Auch wandten sie sich an das Hauptquartier der PSOE, verantwortlich für das Anti-Räumungs-Dekret, und an den Defensor del Pueblo (Bürgerbeauftragter). Die Antwort letzterer Institution sei "beängstigend", so der Eigentümer.
"Die Maßnahme dient einem sozialen Zweck – dem Schutz verletzlicher Personen – und beeinträchtigt Besitz oder Verfügungsgewalt nur minimal und temporär; zudem kann eine wirtschaftliche Entschädigung erfolgen", bescheidet das Team des ehemaligen sozialistischen Ministers Ángel Gabilondo die Angelegenheit.
"Wie kann das minimal sein? Ist es wenig, dass Rentner, die ihre Wohnung zur Aufbesserung der Rente vermieten, seit zehn Monaten keinen Euro bekommen?", fragt ein empörter Alejandro. Er fügt hinzu, dass "die wirtschaftliche Entschädigung eine Lüge ist": Um sie zu erhalten, braucht man einen richterlichen Beschluss, der die Besetzerin als verletzlich erklärt und die Verwaltung zahlungspflichtig macht. Wenn nie nachgewiesen, existiert dieser Beschluss nicht, und während der zwei bis drei Jahre bis zur Vollstreckung der Räumung kann nichts eingezogen werden.
Kollateralschaden: Weniger Angebot, höhere Preise
Franciscos Fall ist kein Einzelfall. Die ökonomische Analyse ergibt eine unbequeme Schlussfolgerung: Rechtssicherheit gegenüber Mietschulden treibt Mietangebote vom Markt und verteuert das Verbleibende. Daten von Eigentümern in verschiedenen Städten zeigen einen drastischen Rückgang des Angebots: In einer Stadt mit 100.000 Einwohnern sanken die Mietwohnungen von 50 auf 12, während die Verkaufsangebote von 530 auf 830 stiegen, bei astronomischen Preisen.
"Niemand mit gesundem Menschenverstand vermietet", fasst ein Eigentümer zusammen, der seine erste Wohnung nur an Bekannte unter Marktpreis vermietet, um ruhig schlafen zu können. Wenn die aktuellen Mieter ausziehen, will er sich davon trennen. Die Logik ist einfach: Wenn der Staat Zahlung oder Rückgabe der Wohnung innerhalb angemessener Frist nicht garantiert, ziehen sich kleine Vermieter zurück. Und wenn sie gehen, bleiben Mieter ohne Kaufoptionen.
Manche vertreten die Ansicht, die Lösung liege darin, das Angebot durch Rechtssicherheit gegen Mietschulden zu fördern, nicht einzuschränken. Spekulation bekämpfe man durch mehr verfügbares Produkt, nicht durch dessen Entfernung. Der andere Weg wäre der Ausbau des sozialen Wohnungsbestands, doch dies geschieht nicht schnell genug für das Problem.
Kernfrage: Wer ist eigentlich verletzlich?
Das Paradox dieses Falls ist die Umkehrung des Konzepts der Verletzlichkeit. Das Gesetz schützt den Mieter, der Verletzlichkeit behauptet, doch der Eigentümer, der von diesen Einnahmen zur Aufbesserung seiner Rente abhängt, bleibt schutzlos. "Es ist beschämend, 75-Jährige als sozialen Schild zu missbrauchen", sagt Franciscos Sohn.
Auf der Gegenseite argumentiert ein Teil der Analyse, das Problem sei nicht der Mieterschutz, sondern die Existenz des kleinen Vermieters als spekulative Figur. Aus dieser Sicht verdient der Eigentümer, der ein geerbtes Haus zur Einkommensaufbesserung vermietet, keinen größeren Schutz als der zahlungsunfähige Mieter. Der Clash dieser Visionen erklärt, warum die politische Debatte stagniert: Jede Seite hat ihren eigenen Verletzlichen.
Währenddessen wartet Francisco weiter auf einen möglicherweise erneut verschobenen Gerichtstermin. Und der Defensor del Pueblo hat schriftlich angedeutet, dass das Privateigentumsrecht in Spanien faktisch abgeschafft sei. Eine elegante Art zu sagen, dass das Problem kurzfristig keine rechtliche Lösung hat.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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