Spanischer Anleger fürchtet Börsengewinne trotz Rekordkurs

Nur 3 % der Spanier investieren in Aktien, doch wer wöchentliche Gewinne sieht, befürchtet einen plötzlichen Marktcrash.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanischer Anleger fürchtet Börsengewinne trotz Rekordkurs
Jede Woche an der Börse gewinnen, ohne etwas zu tun: Euphorie und Angst

Ein privater Anleger beobachtet seit über einem Jahr, wie sein Portfolio jede Woche steigt, ohne dass er den Finger rührt, und das Gefühl, das er beschreibt, ist keine Euphorie, sondern Misstrauen. „Es fühlt sich seltsam an, seit mehr als einem Jahr jede Woche Geld zu verdienen, ohne etwas zu tun“, stellt er fest; die Versuchung, sagt er, sei alles zu liquidieren, weil er den Großen nicht traue. Das Paradoxon ist fein: Je besser das Ergebnis, desto lauter klingt der Alarm.

Der Kontext hilft, die Unruhe zu verstehen. Die Indizes brechen jeden Monat Rekorde, aber nur 3 % der Spanier besitzen Investmentfonds oder Aktien, laut einer von elEconomista zitierten Zahl. Investieren bleibt eine Sache für wenige, und es mit Verstand zu tun, fast niemandem. Wer mühelos gewinnt, hat keine Referenzen: Er kennt niemanden, der ähnlich verdient, und sein Umfeld erzählt ihm vor allem von Pleiten.

Warum macht es Angst, an der Börse ohne Anstrengung Geld zu verdienen?

Weil den meisten das Gegenteil beigebracht wurde: dass Geld schwer verdient wird, man leiden muss und Leichtigkeit eine Falle verbirgt. Eine Antwort im Thread verweist auf die Armutsmentalität, verstanden nicht als Mangel an Ressourcen, sondern als geerbtes mentales Muster. Nach dieser Auffassung deutet jemand, der aufgewachsen ist mit dem Glauben, das Leben sei hart, ruhige Renditen als Systemfehler, der irgendwann zurückschlägt.

Daher die unbequemste Diagnose: Manche sehen sich als Gazellen, ohne verinnerlicht zu haben, dass sie in einer anderen Liga spielen. Die Angst, wieder arm zu werden, treibt nach dieser Lesart dazu, genau dann zu handeln, wenn es keinen objektiven Grund dafür gibt. Auf diesem psychologischen Hintergrund liegt ein nicht unwesentliches Detail: In Spanien haftet der Börse eine kulturelle Ablehnung an, während Immobilien jahrzehntelang als die wahre nationale Börse fungierten, mit guten und schlechten Ergebnissen je nach Epoche.

„Du hast nichts gewonnen: Dein Geld ist weniger wert“

Dies ist das gängigste Gegenargument. Die These: Das Geld, die Einheit zur Messung des Wertes von Vermögenswerten, hat viel an Wert verloren, und die Inflation trifft zuerst die Börse. Unter dieser Prämisse steigt das Portfolio nicht, es passt sich nur an eine abwertende Währung an, und was kommt, sind zweistellige Inflationsraten im nächsten Fünfjahreszeitraum.

Die Entgegnung ist ebenso schlagkräftig. Dem wird entgegengehalten, dass der VPI nicht über 3 % steige, Wohnraum gleich teuer bleibe und vieles leicht gestiegen sei; wer anderes behaupte, spreche von Hyperinflation, ohne dass die Preise dies bestätigten. Und die relevante Berechnung ist nicht nominal, sondern differenziell: Der Gewinn wird gemessen daran, die Liquidität untätig auf der Bank liegen zu lassen und dabei leise Kaufkraft zu verlieren.

Das gegenteilige Signal: Wenn die Euphorie die Straße erreicht

Die meistzitierte Warnung ist kein technischer Indikator, sondern eine häusliche. „Sogar meine Mutter sagte neulich, Hyperinflation komme und man müsse investieren“, fasst jemand zusammen, der diese Botschaft als Signal zum Gegentrend deutet. Die Idee hat Tradition: Im Thread wird der Satz vom Schuhputzer, der Börsentipps gibt, als klassisches Zeichen der Euphorie angeführt. Wenn die Erzählung beim großen Publikum ankommt, läuft die Party schon lange.

Mit diesem Rahmen widersprechen sich die Bewegungen. Manche eröffnen Short-Positionen auf S&P 500 ETFs mit der Absicht, sie zu schließen, sobald der Index um 5 % fällt; andere erinnern daran, dass inflationäre Schlagworte seit Monaten eingepreist sind. Dazwischen die wiederholte Warnung: Bevor der Markt dreht, beschleunigt sich der Anstieg. Den letzten Teil zu verpassen schmerzt mehr als eine Korrektur.

Herbst der Verluste: DAX, Nasdaq und die Energierechnung

Die Zahlen kamen schnell. Die DAX-Futures fielen um 2,5 %, bevor Wall Street öffnete, der deutsche Index näherte sich [-3 %[/B] und verlor die 15.000 Punkte; September hatte mit -1,5 % geschlossen. Die sofortige Frage war, ob dies die Frühjahrsrallye wiederholen würde oder der Anfang von etwas Ernsthafterem. Die Aufschlüsselung dieser Bewegungen, Sitzung für Sitzung und Level für Level, zeichnet eine Sequenz, die keinen ruhigen Schlaf verspricht.

Obendrauf die Energie. Man weist auf Gas hin, das im November 20 % teurer ist, und Strom bei 450 €/MWh, mit saudischer Produktion, die im September um 4,5 % fiel, und einer russischen Warnung vor möglichen Exportstopps im Dezember. Vor diesem Hintergrund sprachen aggressivere Projektionen von 22 % Inflation in der Eurozone für 2022 und Ketteninsolvenzen, wenn die Zinsen nicht sofort stiegen.

Halten, Gewinne sichern oder auf den Absturz warten

Drei Strategien koexistieren, ohne dass eine klar dominiert. Die erste ist, nichts anzufassen: Historisch liefert die Börse zwischen 8 % und 9 % p.a., und aus Angst darauf zu verzichten, ist teuer. Mit Nuance: Munition zurückhalten, um zu kaufen, wenn der Markt um 10 %, 20 % oder 30 % korrigiert.

Die zweite ist, Gewinne mitzunehmen. Wenn jemand in einem Jahr die Rendite von fünf Jahren erzielt hat, vom Zug abzusteigen, ist keine Tragödie; die echte Falle ist, einzusteigen und im ersten Jahr mit Verlust zu verkaufen. Manche haben es bereits getan: Überträge von S&P 500 und Eurostoxx ETFs mit +40 % akkumuliertem Gewinn und Zeugnisse von 100.000 Euro verdient seit März 2020, die dennoch 25.000 Euro reserviert halten, falls der Markt Schnäppchen bietet.

Die dritte ist, zu warten. Und hier taucht das klassische Problem auf: Den Tag treffen. Das Risiko, teuer zu kaufen, hat seine Handbücher – wer 2007 Wohneigentum kaufte, brauchte über ein Jahrzehnt, um den gezahlten Preis wieder hereinzuholen –, aber nie zu kaufen hat auch Kosten. Dem perfekten Schnäppchen hinterherzujagen, hat viele draußen gelassen.

Mit Portfolios auf Höchstständen, offizieller Inflation unter Kontrolle und explodierenden Energiepreisen besteht die Uneinigkeit nicht darin, ob es eine Korrektur geben wird, sondern ob die Wartenden wissen, wie man rechtzeitig wieder einsteigt. Wie viele derer, die im letzten Jahr vom Zug absprangen, sind wieder eingestiegen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (116 Antworten).

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