Warum IRPF zahlen, wenn keine Rente kommt? Der Vorwurf des Pyramidensystems
Jeden Monat trifft den Lohn eine Abgabe. Und jeden Monat stellen sich Millionen spanischer Arbeitnehmer dieselbe Frage: Warum muss ich ein Rentensystem finanzieren, aus dem ich wahrscheinlich nie etwas sehen werde? Die Beschwerde ist nicht neu, aber der Ton hat sich geändert. Es wird nicht mehr diskutiert, ob das System tragfähig ist. Man geht davon aus, dass es das nicht ist, und die Debatte ist zu etwas Unangenehmerem abgedriftet: Wer zahlt die Rechnung und wie lange noch?
Der Auslöser ist immer derselbe: die Zeile für die Einkommensteuer (IRPF). Ein Arbeitnehmer klagt an, dass ihm allein für die Einkommensteuer mehr als 300 Euro monatlich vom Lohn abgezogen werden. Ein anderer entgegnet, dass bei ihm 1.600 Euro pro Gehaltsabrechnung weggehen, zusammen mit IRPF und anderen Sozialversicherungsbeiträgen. Die Zahl ist erschreckend, aber was empört, ist nicht der Betrag. Es ist die Verwendung. „Ich habe keinen Grund, diesen Pyramidenschwindel zu bezahlen“, fasst das allgemeine Unbehagen zusammen.
Was ist der Pyramidenschwindel bei den Renten?
Das Argument wiederholt sich mit manueller Präzision: Die Renten funktionieren wie ein Ponzi-Schema. Die heutigen Beitragszahler finanzieren nicht ihre eigene Rente, sondern die der bereits Ruhestandsgegangenen. Solange neue Arbeiter ins System kommen, dreht sich das Rad. Wenn die Basis schmaler wird – weniger Geburten, mehr Ruheständler, prekäre Löhne –, gerät der Mechanismus ins Wanken. Und diejenigen im System beginnen, zur Tür zu schauen.
Manche behaupten, das Problem sei nicht von heute, sondern strukturell. Die angehäufte öffentliche Schuld ist nach einigen Analysen das eigentliche Loch: „Die Hauptsache ist die Staatsverschuldung, sie ruiniert die Jungen, ihre Kinder und deren Kinder.“ Die Rente ist nur die sichtbare Spitze eines Eisbergs, der teilweise durch Schulden finanziert wird, die Generationen zurückzahlen müssen, die noch nicht geboren sind.
Die institutionelle Antwort ist meist dieselbe: Das System hält, es wird angepasst, Reformen kommen. Aber der Arbeitnehmer, der jeden Monat 300 Euro auf seinem Konto verschwinden sieht, kauft dieses Argument nicht. „Es ist mir egal, ob das, was man mir jetzt stiehlt, für die jetzigen Rentner gezahlt wird“, sagt einer. „Ich habe keinen Grund, diesen Pyramidenschwindel zu bezahlen.“
Wie viel nimmt der Staat wirklich vom Lohn?
Die am häufigsten kursierende Zahl ist die von 300 Euro. Aber manche gehen weiter und brechen die Gesamtkosten auf. Ein Arbeitnehmer mit Durchschnittslohn trägt nicht nur die IRPF: Sein Arbeitgeber zahlt zusätzlich einen gleich hohen oder höheren Betrag an Sozialversicherungsbeiträgen. „Für jede 300 Euro, die der Staat von deinem Lohn nimmt, zahlt dein Chef weitere 400“, rechnet ein Teilnehmer vor. Insgesamt 700 Euro monatlich, die aus der Tasche des Arbeitnehmers oder seines Arbeitgebers stammen und in den öffentlichen Kassen landen.
Die Berechnung, wenn auch approximativ, deutet auf eine Realität hin, die viele nicht kennen: Die tatsächlichen Kosten der Sozialversicherung (Seguridad Social) und der IRPF übersteigen deutlich das, was auf der Gehaltsabrechnung erscheint. Und für Selbstständige (autónomos) ist die Belastung noch sichtbarer: monatliche Beiträge, Mehrwertsteuer, die für das Finanzamt eingezogen wird, jährliche IRPF. „Ich sage euch lieber nicht, was für ein beschissenes Jahr das war“, fasst ein Selbstständiger zusammen.
Die schwebende Frage ist unvermeidlich: Als Gegenleistung wofür? Befürworter des Systems argumentieren, dass es Gesundheit, Bildung und Infrastruktur finanziert. Kritiker entgegnen, dass diese Posten durch andere Steuern gedeckt werden und die Rente eine verzögerte Zahlung ist, die viele nicht erhalten werden. „Vergiss deine Rente“, lautet die Botschaft.
Warum glauben junge Leute nicht, dass sie eine Rente bekommen?
Generationaler Skeptizismus ist der rote Faden des gesamten Unmuts. Die nach 1980 Geborenen haben erlebt, wie Rechte gekürzt wurden, Banken gerettet wurden und die bereits im System waren. Im Gegenzug haben sie keine Garantie gesehen, dass ihr Ruhestand gesichert ist.
„Was zum Teufel haben sie gegeben? In Peseten einzahlen und in Euro zulasten der jungen Leute beziehen, denen man die Zukunft ruiniert hat“, wirft ein Teilnehmer vor. Der Vorwurf ist nicht nur ökonomisch: Er ist sarracena. Man weist darauf hin, dass die heutigen Rentner diejenigen wählen, die ihre Zahlungen garantieren, auch wenn dies die Zukunft ihrer Kinder und Enkel belastet. „Wenn ich alt bin, wird man dann für mich sorgen?“, fragt ein anderer.
Das Argument der intergenerationellen Solidarität – „So ist es nun mal, wir haben damals auch bezahlt“ – überzeugt nicht. „Da ich betrogen wurde, sollen alle anderen verdammt sein“, kontert jemand. Die generationale Kluft ist nicht nur eine der Einkommen: Sie ist eine der Erwartungen. Und die Erwartungen der heutigen Beitragszahler sinken immer weiter.
Flucht als Antwort: Aufhören zu rudern
Angesichts fehlender Lösungen wählen viele den individuellen Ausweg. Ein Teilnehmer gibt an, er plane, sein Einkommen zu reduzieren, um nicht die Steuerstufe zu überschreiten, die ihn mehr IRPF kosten würde: „Mit der geplanten Erhöhung von 9 Punkten für Einkommen zwischen 55.000 und 120.000 Euro tilge ich Schulden, reduziere Ausgaben und bleibe bei 54.000.“ Dies ist die Logik desjenigen, der lieber weniger verdient, als ein System zu finanzieren, das er als ungerecht ansieht.
Andere sprechen direkt von Emigration. „Wenn alle produktiven Menschen des Landes weg sind, wen werdet ihr dann melken?“, fragt einer. Die Antwort bleibt aus. Denn das System hängt tatsächlich davon ab, dass jemand bleibt und rudert.
Die Option, schwarz zu arbeiten, taucht ebenfalls in der Diskussion auf: „Man muss von den Firmen verlangen, dass entweder schwarz gearbeitet wird oder gar nichts.“ Dies ist ein extremer Ausweg, spiegelt aber wider, wie sehr der Gesellschaftsvertrag als gebrochen wahrgenommen wird. Für viele ist der einzige Weg, dem System zu entkommen, es zu verlassen.
Welche Alternativen zum staatlichen Rentensystem werden vorgeschlagen?
Das Spektrum der Vorschläge ist breit und oft widersprüchlich. Manche setzen auf private Vorsorge: „Mit diesen 300 Euro im Monat baust du dir deinen eigenen großartigen Pensionsfonds.“ Die Idee ist einfach: Wenn das Geld nicht zurückkommt, verwaltet man es besser selbst. Das Problem ist, dass individuelle Ersparnis nicht die abdeckt, die nicht sparen können.
Andere verteidigen Bitcoin als Zufluchtsort: „Bitcoin regiert.“ Die Kryptowährung erscheint als Symbol eines parallelen Finanzsystems außerhalb der Kontrolle des Staates. Dies ist eine Minderheitenposition, illustriert aber das Misstrauen gegenüber den Institutionen.
Und manche fordern einfach, dass man aufhört, so zu tun, als wäre alles normal. „Ich will nicht, dass mir jemand etwas zahlt. Und ich will niemandem etwas zahlen“, fasst ein Teilnehmer zusammen. Dies ist die radikalste Version des Liberalismus: Jeder für sich selbst. Die Frage ist, was mit denen passiert, die sich das nicht leisten können.
Das spanische Rentensystem steht vor einem Widerspruch, der keine Schönfärberei duldet: Die Basis der Beitragszahler schrumpft, die Lebenserwartung steigt und das Vertrauen der Steuerzahler bricht ein. Die bisher genehmigten Reformen – darauf ausgerichtet, das Rentenalter zu erhöhen und die Beträge anzupassen – haben die Wahrnehmung nicht umgekehrt, dass der Generationenvertrag gebrochen ist. Mit diesen Voraussetzungen ist zu erwarten, dass die Debatte schärfer wird. Und dass sich immer mehr Arbeitnehmer laut fragen, ob es sinnvoll ist, für ein Versprechen zu zahlen, dessen Erfüllung sie bezweifeln.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (149 Antworten).