Spanische Küche scheitert im Ausland trotz Premiumprodukten

Spanien hat erstklassigen Schinken, Käse und Öl, aber keine überzeugende Erzählung. Analyse der Gründe für das Scheitern der spanischen Gastronomie weltweit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum die spanische Küche im Ausland unterliegt

Ein Reisender in Belgien erinnert sich an spanische Restaurants in Brüssel, Lüttich, Namur, Charleroi und Brügge, sogar an eine Nachbildung der Plaza Mayor von Salamanca in Malmedy nahe Spa. Doch der Konsens ist eindeutig: Die spanische Gastronomie wird im Ausland wenig geschätzt. Dies ist kein isolierter Eindruck, sondern eine wiederholte Diagnose: Exzellentes Produkt, schwache Erzählung.

Die Diskussion beginnt mit der Behauptung, dass auf angloamerikanischen Plattformen spanisches Essen als "meh" wahrgenommen wird, abgesehen von Tapas oder Pinchos, die als lustig gelten, und dass es hinter italienischer, französischer, japanischer oder chinesischer Küche rangiert. Das Thema verzweigt sich dann in mehrere Richtungen: Wer kocht, was exportiert wird, wie es verkauft wird und was tatsächlich gegessen wird.

Was exportiert wird und wer es kocht

Das häufigste Argument zielt auf ausländische Küchen. Viele behaupten, spanische Restaurants im Ausland seien oft schlampig geführt, und beschweren sich, dass ausländische Kunden vorgelagerte Produkte serviert bekommen. Die unbequeme Schlussfolgerung: Es liegt nicht daran, dass die Küche nicht schmeckt, sondern daran, dass das, was ankommt, nicht die echte Küche ist.

Manche fügen einen strukturellen Faktor hinzu: Die spanische Küche ist SEHR aufwendig und erfordert Zeit. Jedes relevante Gericht dauert leicht eine Stunde. Nur Tapas lassen sich als Fast Food exportieren. Eine Tortilla de Patata (spanisches Omelett) richtig zubereitet, ist bereits ein Projekt.

Die Erzählung: Frankreich und Italien verkaufen, Spanien nicht

Die zweite Analyserichtung dreht sich nicht um Geschmack, sondern um Marke. Manche argumentieren, Spanien habe nie gewusst, wie man sich selbst vermarktet, anders als Frankreich und Italien. Eine umbenannte Fischsuppe als Bouillabaisse oder Gemüse-Reis als Risotto erlaubt doppelte Preise. Das Produkt ist gleich; das Etikett nicht.

Hinzu kommt die Diaspora-Frage. Italien, China und Japan haben ihre Küche über Migranten-Gemeinschaften in den USA, dem Trendsetter-Land, internationalisiert. Spanien fehlt dieser Hebel. Die spanische Immigration der 1960er Jahre nach Belgien, Deutschland oder der Schweiz hat Restaurants hinterlassen, doch heute ist sie marginal und ihre Kunden sind keine Spanier mehr.

Das Produkt: Schinken, Käse und Öl mit fremdem Label

Das stärkste Gegenargument liegt im Produkt. Jamón Ibérico ist weltklasse und Schafskäse aus Kastilien sammeln Auszeichnungen bei internationalen Gourmet-Wettbewerben. Spanisches Olivenöl hingegen wird nach Italien gebracht und dort mit italienischem Label weiterverkauft. Das Rohmaterial ist nicht das Problem.

Die Liste der Gerichte, die Ausländer benennen können, ist kurz: Paella, Sangría, Gazpacho und hoffentlich Tortilla de Patata. Zwölf italienische, chinesische, japanische, mexikanische oder griechische Gerichte zu nennen, ist trivial. Die spanische Küche ist vielfältig, kräftig im Geschmack und schwer an ausländische Gaumen anzupassen. Callos (Kutteln), Fabada (Bohneneintopf) oder Cabrales-Käse zu verkaufen, ist kein einfaches Marketing.

Paella als Schlachtfeld

Innerhalb Spaniens erzeugt die Paella ihren eigenen Krieg. Manche bezeichnen sie ohne Nuancen als "Mist", während andere verteidigen, dass gut gemachter Reis mit Bajoqueta-Bohnen, Garrofón, Kaninchen und Orangenholzfeuer unbestreitbar ist. Dazwischen gibt ein Valencianer mit familiären Wurzeln in der Albufera zu, dass authentische Paella nicht schlecht sei, aber Ofenreis, Caldero oder Zamorana-Reis sie weit übertreffen. Er schließt: Ausländer sind besessen von Paella, aber es ist nicht der beste Reis, den man essen kann.

Die Falle der Erzählung: Junkfood und Landesmarke

Die zynische Analyse behauptet, dass weltweit Junkfood triumphiert: Burgerläden, Pizzerien, Döner-Buden und kaum sonstiges. Echte spanische Restaurants im Ausland sind so selten wie echte italienische. Der Vergleich mit Griechenland oder Italien außerhalb der Touristenpfade fällt für niemanden günstig aus.

Dann ist da die Landesmarke. Manche behaupten, der Rest der Welt nimmt Spanien als Mischung aus afrikanischem Land und Bananenrepublik wahr, ohne das Exotische, das anderen zugestanden wird. Diese Wahrnehmung überträgt sich auf Öl, Wein und Gerichte. Es gibt Länder, die verkaufen, und Länder, die es nicht tun. In der Küche gehört Spanien zur zweiten Gruppe.



Mit diesen Bausteinen lautet die Frage nicht, ob die spanische Küche gut ist. Sondern warum ein Produkt mit Jamón Ibérico, preisgekröntem Käse und von Italien weiterverkauftem Öl keinen Platz am Tisch der globalen gastronomischen Debatte findet. Die verwirrende Tatsache: Die Diaspora, die andere Küchen internationalisierte, war nie spanisch. Und ohne Erzählung gibt es keine Speisekarte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (62 Antworten).

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