Zwei Wochen Munition: die reale Obergrenze der spanischen Armee
Wie lange hält die spanische Armee einem hochintensiven Krieg stand? Die Zahl, die immer wieder fällt, selbst bei denen, die ihre Qualität verteidigen, lautet zwei Wochen bei voller Leistungsfähigkeit. Dies ist kein Urteil über die Truppe: Die Diagnose zielt auf Munitionsbestände, Ersatzteile und deren Hersteller ab. Über die Kampffähigkeit wird weniger diskutiert als über die Fähigkeit, Zerstörtes zu ersetzen.
Die Ausgangsthese besagt, dass eine Berufsarmee im Frieden drei Funktionen erfüllt: ein Mindestmaß an Staatssicherheit gewährleisten, Arbeitsplätze schaffen und den südlichen Nachbarn abschrecken. In einem konventionellen Konflikt wäre dieselbe Armee innerhalb weniger Tage kampfunfähig. Von da an geht es um etwas anderes: Hat Spanien Soldaten oder hat es die Mittel, sie zu versorgen?
Warum gilt die spanische Armee als nicht einsatzbereit?
Weil innerhalb derselben Streitmacht vollständige Einheiten neben unvollständigen existieren. Die härteste Berechnung reduziert die Zahl der wirklich einsatzfähigen Männer auf 10.000, die für die Aufrechterhaltung eines Konflikts über eine Woche hinweg nicht ersetzbar sind. Die großzügigste Schätzung spricht von etwa 30.000 Soldaten, „wenn man sehr, sehr großzügig ist“. Dazwischen liegt die am häufigsten wiederholte Beschreibung einer zweigeteilten Kraft: Brigaden, die mit eigenem Material trainieren, und der Rest, Personal mit begrenzter Verfügbarkeit und Verwaltungsaufgaben.
Die optimistische Version leugnet dies nicht, sondern relativiert es. Es gibt Einheiten mit 100 % Personal und Materialstärke, integriert in die Schnelle Eingreiftruppe der NATO und die Hochverfügbarkeitskräfte der EU. Der Rest könnte schnell durch bereits ausgebildete Spezialisten und Reservisten ergänzt werden, die zu ihren alten Kasernen zurückgerufen werden. Die Zusammensetzung sei öffentliche Information, wird argumentiert; was fehle, sei der politische Wille, all dies einzusetzen.
Wie viele operative Einheiten hat das Heer tatsächlich?
Zwei Divisionen und eine Handvoll polyvalenter Brigaden, obwohl die Divisionen keine Kampfeinheiten sind. Die Panzerkräfte sind in der División Castillejos zusammengefasst, die leichte Infanterie in der División San Marcial – Strukturen für Organisation und Führung. Die Einheit, die wirklich operiert, ist die Organische Polyvalente Brigade (Brigada Orgánica Polivalente): klein, mobil, mit eigenen Mitteln und fähig, unabhängig von Nachbarn zu funktionieren.
Manche behaupten, dieses Design entspreche der Geografie: Mit zwei Gebirgsketten und einer leicht zu zerschneidenden Halbinsel würden leichte Einheiten und Guerillakriegführung mehr bewirken als große Panzerblöcke. Das ist eine diskutable Hypothese und wird tatsächlich diskutiert. Was keiner Diskussion bedarf, ist das Inventar: Man spricht von Material mit jahrzehntelangem Dienstalter und Ausrüstung, die durch Willenskraft und improvisierte Ersatzteile aktiv gehalten wird.
Marokko, der einzige Rivale in den Kalkulationen
Das einzige ernsthaft in Betracht gezogene Konfrontationsszenario ist der südliche Nachbar. Spanien hat rund 140.000 Militärangehörige; Marokko 500.000 plus 400.000 Reservisten, ein Vergleich, der ohne Nuancen gezogen wird und die spanische Mobilisierung in ein schlechtes Licht rückt. Trotzdem wird behauptet, dass man gegen Marokko „immer noch die Oberhand hat“, vor allem aufgrund der Qualität der Führungskräfte.
Der Vorfall um die Insel Perejil wird in beide Richtungen angeführt. Es wird daran erinnert, dass der damalige US-Außenminister Colin Powell über das spanische Fiasko lachte, und entgegnet, dass die marokkanischen Küstenposten trotz des Einsatzes einer Haubitzenbatterie und zweier Kampfpanzer nicht feuerten. Der Grüne Marsch erscheint weiterhin als nicht abgeschlossenes Unrecht, verbunden mit dem Gefühl, verraten worden zu sein.
Der Flaschenhals: Munition, Industrie und ausländische Lieferanten
Ohne eigene Industrie gibt es keinen langen Krieg. Das angeführte Beispiel sind Panzer: Man kann 200 Leopard-Panzer haben, aber wenn nur noch 100 übrig sind und der deutsche Hersteller aus irgendeinem Grund beschließt, nicht zu verkaufen, steht die Truppe auf dem Trockenen. Fast alle großen Systeme kommen aus dem Ausland, was jedes Ersatzteil zu einer politischen Entscheidung eines Drittlandes macht.
Der andere Pfeiler ist die Produktion. Im Krieg wird Ausrüstung zerstört und muss schneller ersetzt werden, als der Feind sie vernichtet; das erfordert Fabriken, Rohstoffe und Energie. Es wird daran erinnert, wie Deutschland verzweifelt nach Ölfeldern und Minen suchte. Und ein grundlegendes Problem wird aufgezeigt: Im Westen wird wenig produziert, weil es teuer ist, getrieben von Kriterien des Aufsichtsrats statt militärischer Notwendigkeit. Großbritannien und die USA haben dasselbe Problem; Frankreich ist teilweise gerettet.
Käufe, Kostenüberschreitungen und ein 200.000-Euro-Toyota-Hilux
Laut Berichten aus der Branche wird Material zu bis zu zwanzig Mal seinem Marktwert erworben und fast alles importiert, von Pistolen bis zu Radargeräten. Als Beispiele werden der türlose militärische Toyota Hilux mit Funkgerät genannt, 200.000 Euro pro Stück, oder dass die Standardpistole der Guardia Civil (spanische Gendarmerie) die billigste auf dem Markt ist. Daraus resultiert auch die Erinnerung an Ifni und Fallschirmjäger, die mit Iberia-Flugzeugen abgeworfen wurden.
Dies sind Behauptungen ohne öffentliche Prüfung dahinter und sollten als solche genommen werden: Anschuldigungen gegen einen intransparenten Sektor. Was zum Gesamtbild passt, ist die Schlussfolgerung: Wenn Kaufen teuer und Nachschub langsam ist, wird die Rechnung eines Krieges in Wochen bezahlt, nicht in Jahren.
Ukraine als Spiegelbild und das Mobilisierungsproblem
Der Fall Ukraine wird für alles herangezogen. Es wird daran erinnert, dass 10.000 Ukrainer das Land flohen, dass es Desertionen gab und dass keine Armee verhindern kann, dass jemand zurückweicht, wenn das Feuer heftig wird. Das für Spanien skizzierte Szenario kombiniert Reservisten, Polizei und Guardia Civil mit Langwaffen und Militär-LKW auf Autobahnen. Demgegenüber argumentiert ein Teil der Analyse, dass soziale Passivität jeder Mobilisierung entgegenwirkt; ein anderer antwortet, dass Defätismus an sich Propaganda sei.
Und ein Segment geht nicht ins Detail: Es vertritt die Ansicht, dass westliche Armeen, nicht nur die spanische, zu Kräften für humanitäre Aktionen und Paraden geworden sind, nach vierzig Jahren Abbau und einer Interoperabilität zwischen Verbündeten, die nie wirklich getestet wurde.
Mit diesen Bausteinen ist es fast ein Luxus, darüber zu diskutieren, ob die Armee für Paraden oder für den Kampf taugt. Die einzige wirklich operative Armee ist die, die nie beweisen musste, dass sie es ist: Zwei Wochen Munition sind keine Kriegsprognose, sondern ein Abschreckungsargument. Und eines, das selten gezeigt wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (129 Antworten).