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Spaniens WM-Sieg weckt alte Schuldendebatte mit Argentinien
Das WM-Finale entfacht den Streit um die historische Bilanz zwischen Spanien und Argentinien neu: Peróns Weizen, Kredite der 40er Jahre und die YPF-Verstaatlichung.
Peróns Weizen und das WM-Finale: Die geteilte historische Schuld
Der Sieg Spaniens im WM-Finale hat einen Konflikt offenbart, der weit über den Fußball hinausgeht. Während die sozialen Netzwerke von gegenseitigen Beleidigungen zwischen Spaniern und Argentiniern geflutet wurden, kehrte eine alte Debatte über die historische Aufarbeitung und die bilaterale Schuldenlast an die Oberfläche zurück. Ist Spanien Argentinien für die Nahrungsmittelhilfe der 1940er Jahre etwas schuldig? Oder war jener Weizen ein glänzendes Geschäft für Buenos Aires? Beide Versionen existieren nebeneinander, und keine Seite scheint bereit nachzugeben.
Das Finale und das Verhalten auf dem Platz: Der Auslöser
Das Spiel war hart geführt. Argentinien agierte am Rande des Erlaubten, mit ständigen Fouls und einem aberkannten Tor für Spanien wegen eines Tretens von Merino gegen Otamendi. Die internationale Presse sprach von „Methode gegen Wahnsinn“ und unsportlichem Verhalten. Leandro Paredes, Eric García, Gavi und Messi sorgten für die angespanntesten Momente. Die Niederlage Argentiniens wurde als Affront empfunden, und die Reaktion in den sozialen Medien folgte prompt: Vorwürfe des Betrugs, der Bestechung der FIFA und des Rassismus. Ein Tweet einer argentinischen Nutzerin fasste den Unmut zusammen: „Man nennt uns Rassisten, Lügner, sagt, wir hätten die FIFA gekauft... Man sieht den Groll und Hass von euch allen.“
Peróns Weizen: Zwei unversöhnliche Sichtweisen
Die historische Diskussion konzentriert sich auf das Handelsabkommen von 1946 und das Franco-Perón-Protokoll von 1948. Nach einer Darstellung gewährte Argentinien dem bankrotten Spanien millionenschwere Kredite: zunächst 350 Millionen Peso der damaligen Zeit, später 1,75 Milliarden, rückzahlbar langfristig zu extrem niedrigen Zinsen. Spanien verfügte weder über Reserven noch über Devisen, und die Welt hatte das Land isoliert. Diese Hilfe, so wird argumentiert, verdiene Dankbarkeit.
Die Gegenposition behauptet, der Weizen sei überteuert bezahlt worden. Es ist die Rede von zehn Schiffen, die nach Buenos Aires fuhren, von denen nur fünf beladen zurückkehrten. Die Qualität des Getreides, eigentlich Klasse „A“, verschlechterte sich zunehmend bis zur Tierfutterqualität. Zudem lag der Preis beim Fünffachen der Kosten und wurde in Devisen abgerechnet, nicht in Peseta. Ein Nutzer fasste die Operation als „einträgliches Geschäft für die argentinische Regierung“ zusammen. Franco musste dieser Lesart zufolge schlucken, weil er vor einem Staatsstreich im Inneren fürchtete, und alles geschah unter den wohlwollenden Blicken der USA.
Die andere Seite: YPF, der Corralito und das gegenseitige Misstrauen
Die Erinnerung verläuft nicht in eine Richtung. Befürworter der spanischen Position erinnern an die Enteignung von Repsol im Jahr 2012, als die argentinische Regierung YPF übernahm und sie anschließend an ein US-Ölkonzern verkaufte. Auch der Corralito von 2001 wird erwähnt, bei dem Spanien das einzige Land war, das Argentinien half. Für viele wiegt diese jüngere Geschichte schwerer als der Weizen der 1940er Jahre.
Argentinische Medien und lokale Foren zeigen ihrerseits verwunderte Bürger über die weltweite „Feindseligkeit“ gegenüber ihrer Nationalmannschaft. Eine Analyse weist darauf hin, dass Argentinien jahrzehntelang diese Abneigung gegenüber Brasilien geschürt habe und nun selbst davon betroffen sei. Der Fußball, heißt es, sei nicht mehr derjenige der 1980er Jahre.
Arroganz als Hintergrund
Die Debatte über die vermeintliche spanische Überheblichkeit kreuzt sich mit der Identitätsfrage. Manche vertreten die Ansicht, die spanische Reaktion sei eine Antwort auf vorherige Verachtung seitens der Argentinier gewesen; ohne Provokation hätte niemand etwas gesagt. Andere sehen in der spanischen Feierlichkeit dagegen ein Zeichen der Undankbarkeit und kollektiven Amnesie. Die Anekdote über die spanische Botschaft in Rom, die älteste der Welt (gegründet 1480), dient dazu, eine gemeinsame Geschichte zu betonen, die nun zerbrochen erscheint.
Der Punkt, an dem die Analyse feststeckt, ist die Selektivität der Erinnerung. Jedes Land erinnert sich an das, was ihm passt: Argentinien an den Weizen und die Kredite, Spanien an die Enteignung und den Corralito. Das WM-Finale war lediglich der Katalysator für eine Spannung, die seit Jahrzehnten latent schwelte. Solange die sozialen Medien brennen, bleibt die Frage, wer wem was schuldet, unbeantwortet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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