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Spaniens Wirtschaftswachstum durch Tourismus und Migration
Das spanische BIP wächst um 0,83%, doch der Anstieg basiert stark auf Staatsausgaben. Gleichzeitig liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 27%.
Spanien führt das europäische Wachstum dank Migration an
Ein spanischer Flughafen in London wurde per einstweiliger Verfügung beschlagnahmt. Eine Rekordsteuererhebung von knapp 50 Milliarden Euro in nur einem Monat. Und ausländische Medien heben Spanien als Wachstumsführer in Europa hervor. Diese drei Fakten gehören zum selben Zeitraum – und genau darin liegt die Geschichte. Die britische Zeitung konzentriert sich auf zwei Triebkräfte: einen wiederauflebenden Tourismus und den Zuzug von Migranten aus Ländern wie Kolumbien, Venezuela und Marokko. Der Kleingedruckte Teil des Artikels räumt jedoch ein, dass der Lebensstandard nicht mit diesem Tempo Schritt gehalten hat.
Was der britische Artikel genau aussagt
Der Text greift die Analyse von Adrian Prettejohn, Europäischer Ökonom bei Capital Economics, auf, der einen großen Teil des Impulses der Migration zuschreibt. Die Tourismusbranche, mitten in der Erholung, erscheint als weitere wichtige Stütze. Dies ist keine Randbemerkung: Das Unternehmen, das diese These vertritt, ist eine für institutionelle Investoren maßgebliche Beratungsfirma.
Das Problem zeigt sich am Ende. Der Artikel selbst warnt vor „Zweifeln daran, ob dieses starke Wachstum dauerhaft sein kann“. Er fügt hinzu, dass Ökonomen darauf hinweisen, dass der Lebensstandard nicht mit dem Wirtschaftswachstum Schritt halten konnte, verstärkt durch demografische Herausforderungen – die alternde Bevölkerung – und geringe Produktivität. Oben steht ein euphorischer Titel, im zwanzigsten Absatz herrscht Vorsicht.
Tourismus, Migration und ein BIP, das mit der Bevölkerung wächst
Der Mechanismus ist einfach betrachtet: Wenn die Bevölkerung schnell zunimmt, steigt auch der Konsum – Essen, Miete, Transport, Schule, Mobilfunk. All das erhöht das BIP. Das aggregierte Ergebnis steigt quasi arithmetisch, ohne dass die Wirtschaft produktiver werden muss. Einige Analysen formulieren es unumwunden: Bei dem aktuellen Zustrom wäre es seltsam, wenn das Gesamt-BIP sinken würde.
Es wird argumentiert, dass Spanien auf einem Modell mit geringer Wertschöpfung beruht – Hochsaison, schmale Margen –, wo ein Überangebot an Arbeitskräften die Löhne drückt. Solange keine globale Krise deutsche oder französische Touristen fernhält, dreht sich das Rad weiter. Als es dazu kam, waren die Folgen hier stärker als fast überall sonst.
Gesamt-BIP vs. BIP pro Kopf: Die vom Titel verschleierte Lücke
Die entscheidende Unterscheidung lautet: Die meisten Schlagzeilen beziehen sich auf das Gesamt-BIP, nicht auf das BIP pro Kopf. Ein Land kann insgesamt wachsen und pro Einwohner ärmer werden, wenn der Nenner – die Bevölkerung – schneller steigt als der Zähler. Verfügbares Einkommen, Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen oder Lebenshaltungskosten folgen nicht demselben Trend wie die makroökonomische Zahl.
Eine oft zitierte buchhalterische Analogie verdeutlicht dies: Wenn früher für 10 verkauft und für 8 eingekauft wurde, betrug der Gewinn 2. Wenn heute für 20 abgerechnet, aber für 22 eingekauft wird, ergibt sich ein Verlust von 2. Doppelter Umsatz bedeutet nicht doppelten Gewinn. Auf eine gesamte Volkswirtschaft angewendet misst das BIP das Aktivitätsvolumen, nicht Wohlergehen oder Rentabilität.
Die anderen Zahlen desselben Zeitraums
Wenn das Wachstum so kräftig ist, lohnt ein Blick auf die Ränder des Bildes. Parallel veröffentlichte Daten deuten in die entgegengesetzte Richtung. Der Arbeitsmarkt vernichtete mitten in der Tourismussaison fast 10.000 Stellen – der schlechteste Juli seit zwei Jahrzehnten. Die Jugendarbeitslosigkeit nähert sich bereits der Marke von 27%. Die Handelsbilanz, gemessen an europäischen Standards, lässt Spanien unter den schwächsten Partnern erscheinen. Und die Schuldenquote überschritt im Rahmen des Defizitverfahrens in den ersten sechs Monaten die 90%-Marke.
Hinzu kommt ein ungewöhnlicher Vorfall: Die britische Justiz genehmigte die einstweilige Beschlagnahme des Nutzungsrechts, das Aena an seinem Londoner Flughafen hält, wegen Nichtzahlungen im Zusammenhang mit Schiedssprüchen über erneuerbare Energien. Ein internationaler Rechtsstreit, der letztlich öffentliche Infrastruktur betrifft.
Auch ein Management-Detail ist unbequem: Das Wachstum im dritten Quartal 2024 lag bei 0,83%, wobei mehr als die Hälfte – 56% – auf den Anstieg des staatlichen Konsums zurückzuführen ist. Also auf Staatsausgaben. Nicht auf Exporte, private Investitionen oder Produktivität.
Steuern, Staatsausgaben und abfließende Investitionen
Die zweite offene Front ist fiskalpolitischer Natur. Zwei Energieunternehmen haben laut Berichten ihre Investitionen in Spanien ausgesetzt und andere Länder priorisiert, aufgrund einer Sonderabgabe auf den Sektor. Drei Großbanken werden in denselben Analysen als gefährdet genannt, bis zu 22% ihres Wertes durch die sogenannte „Steuerkeule“ zu verlieren. Im Energiesektor wird geschätzt, dass ein Unternehmen bis zu 65% seines Gewinns als Steuern abführt.
Gleichzeitig nahm der Fiskus im Oktober rund 50 Milliarden Euro ein. Die Entwicklungshilfe stieg zwischen 2018 und 2023 um 235,9% auf über 1,75 Milliarden Euro. EU-Mittel stehen weiterhin unter Brüsseler Beobachtung wegen langsamerer Umsetzung als geplant. Selbst private Hilfen sind steuerpflichtig: Zuschüsse einer Supermarktkette an ihre von der DANA-Katastrophe betroffenen Mitarbeiter unterliegen laut Berichten der Besteuerung. Die Kernfrage lautet, ob der Motor noch läuft, wenn der staatliche Hahn zugedreht wird.
Mit einem BIP-Wachstum von 0,83%, wobei mehr als die Hälfte davon auf Staatskonsum zurückgeht, geht es in der Debatte nicht mehr darum, ob Spanien wächst. Sondern zu welchem Preis und für wen. Der beunruhigende Fakt steht nicht in der Überschrift, sondern im vorletzten Absatz.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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