Spaniens Waldfläche wächst seit 1970 um 50 %, doch die Landschaft wirkt weiter karg
Ist Spanien eine ausgedörrte Einöde? Die Frage, die bei jedem Tischgespräch immer wieder auftaucht, hat eine unbequeme Antwort: Es kommt darauf an, was man misst. Die offiziellen Zahlen —jene, die in Berichten zitiert werden und die eine KI widerstandslos nachplapperte— besagen, dass die Waldfläche seit den 1970er Jahren um fast 50 % zugenommen hat und inzwischen über 28 Millionen Hektar beträgt, mehr als die Hälfte des Staatsgebiets. Doch wer im August durch Kastilien fährt, sieht keine Wälder, sondern Stoppelfelder. Und damit hat er nicht Unrecht.
Die Diskussion, die diese Tage in einem Geschichtsforum neu entfacht wurde, stellt zwei Erzählungen gegeneinander, die sich nicht ausschließen. Einerseits haben Landflucht und wirtschaftlicher Wandel es Büschen und Bäumen ermöglicht, frühere Ackerflächen zu besiedeln. Andererseits hat das Mittelmeerklima mit langen, trockenen Sommern und bestimmte landwirtschaftliche Praktiken —Abbrennen, Übernutzung, nicht heimische Arten— eine Landschaft hinterlassen, die auf den ersten Blick weiterhin wie eine Wüste wirkt.
Die Zahl, die der Wahrnehmung widerspricht: mehr Bäume als vor 40 Jahren
Die Zahl ist hartnäckig: Seit den siebziger Jahren ist die spanische Waldfläche um 50 % gewachsen. Wo früher marginales Getreide wuchs, stehen heute Büsche und Kiefern, die niemand gepflanzt hat. Hauptursache ist keine weitsichtige Forstpolitik, sondern der Niedergang der traditionellen Landwirtschaft. Die Menschen zogen vom Land in die Stadt, und das Land schloss sich schlicht.
Dieses Wachstum schlägt sich jedoch nicht in einer üppigen Landschaft nieder. Ein Großteil der neuen Waldfläche ist Buschland, kein reifer Wald. Und der verbleibende Wald ist wiederkehrenden Bränden, immer intensiveren Dürren und einer Forstverwaltung ausgeliefert, die durch Abwesenheit glänzt. Das Ergebnis ist ein Gebiet, das in Zahlen grüner ist, dem Auge aber weiterhin ockerfarben erscheint.
Warum der Süden und das Binnenland weiterhin wie ausgedörrtes Land wirken
Weil sie es zum Teil sind. Das Mittelmeerklima bringt einen langen, trockenen Sommer mit sich, der jede Landschaft in ein Pulverfass verwandelt. Doch es kommt noch dazu: Der Vergleich mit Frankreich, Deutschland oder Belgien ist unbillig, denn diese Länder haben feuchte ozeanische oder kontinentale Klimate. In Spanien ist Trockenheit keine Anomalie, sondern die Norm in weiten Teilen des Landes.
Trotzdem gibt es Stimmen, die konkrete Schuldige für die Degradation ausmachen. Die Rede ist von gelegten Bränden, von Maschinen, die alles niederwalzen, von invasiven Arten und einer Forstwirtschaft, die Löschung über Prävention stellt. Auch von missverstandener extensiver Viehhaltung und dem Abbrennen von Stoppelfeldern als uralter Praxis. Das Ergebnis ist eine Landschaft, die sich nur ruckartig erholt.
Das Paradox der Satellitendaten: grün im Frühjahr, braun im Oktober
Ein Satellitenbild von Valladolid im Mai zeigt einen grünen Teppich, der täuscht. Im Oktober erscheint dieselbe Provinz braun, umgepflügt, fast wüstenartig. Das ist der Regenfeldbau: Weizen, Gerste, Sonnenblumen. Kulturen, die mit dem Regen entstehen und mit der Sonne sterben. Es ist keine dauerhafte Einöde, aber ein halbes Jahr lang sieht es so aus.
Diese Saisonalität erklärt, warum die Waldstatistiken niemanden überzeugen, der das Binnenland bereist. Die bewaldete Fläche kann wachsen, doch der optische Eindruck bleibt der eines gepeinigten Gebiets. Und es hilft nicht, dass die Landflucht leere Dörfer und unbestellte Felder hinterlassen hat, was manchmal das Büschwachstum begünstigt, aber nicht unbedingt den Wald.
Die Grundsatzdebatte: maurische Invasion, Rom oder das Klima?
Die ursprüngliche Frage im Forum deutete auf die maurische Invasion als Ursache einer angeblich massiven Entwaldung hin. Die meistgegebene Antwort war eine andere: das Klima und schlechte landwirtschaftliche Praktiken, mit Parallelen in der Türkei, in Italien oder Nordafrika. Auch Rom und seine Flotte wurden erwähnt, die sich laut manchen Foren mit spanischem Holz versorgte. In der Diskussion gibt es keine Daten, die eine dieser Hypothesen bestätigen könnten, doch der implizite Konsens lautet, dass die spanische Trockenheit älter ist als jede Invasion.
Klar scheint dagegen, dass die spanische Landschaft nicht statisch ist. Sie hat sich mit dem Klima, der Wirtschaft und menschlichen Entscheidungen verändert. Und sie wird sich weiter verändern. Die Frage lautet nicht, ob Spanien eine Einöde ist, sondern wie viel davon natürlich ist und wie viel daraus resultiert, wie wir mit ihr umgegangen sind.
Am Ende verliert sich die Diskussion in einem Detail, das niemand bestreitet: Im Sommer, mitten in Kastilien, ist die Hitze unerträglich. Und das, mit oder ohne Wald, kann keine Statistik beheben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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