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Spaniens Vizepremier plant 21%-MwSt auf Privatmedizin und Bildung
Yolanda Díaz schlägt vor, die MwSt für private Gesundheits- und Bildungsleistungen von 0% auf 21% zu erhöhen, was 3 Mrd. Euro bringen, aber Risiken birgt.
Díaz will 21% Steuer auf private Gesundheit und Bildung
Die spanische Vizepremierministerin Yolanda Díaz hat vorgeschlagen, die Mehrwertsteuer (MwSt) für private Gesundheits- und Bildungsleistungen von 0% auf 21% zu erhöhen. Die Branche schätzt, dass dies den öffentlichen Kassen mehr als 3 Milliarden Euro einbringen könnte. Sie äußerte sich im Interview mit der Nachrichtenagentur EFE während der Haushaltsverhandlungen mit Finanzministerin María Jesús Montero. Zur Begründung fragte sie: „Warum zahlt die private Gesundheitsversorgung in Spanien 0%? Ist das gerecht?“ Kritiker argumentieren, dass die Last nicht bei großen Kliniken liegt, sondern bei lokalen Zahnärzten, Sprachschulen und Familien, die bereits doppelt zahlen.
Wer wird besteuert und wer spürt den Schmerz
Díaz' Vorschlag schließt staatlich subventionierte Schulen aus und zielt rein auf private Institutionen. In der Praxis würde der Satz von 21% alles erfassen, von Podologie-Besuchen bis zu Mathe-Nachhilfe, einschließlich Schulkantinen, Kindergärten, Akademien und Zahnkliniken. Carlos Rus, Präsident des Verbandes privater Gesundheitsanbieter Aspe, fasste es nüchtern zusammen: „Eine MwSt von 21% auf private Gesundheitsdienste bedeutet, die Patienten zu besteuern, die diese nutzen.“
Der private Gesundheitssektor besteht nicht nur aus großen Krankenhausgruppen. Er setzt sich größtenteils aus Selbstständigen mit kleinen Praxen oder Kliniken zusammen, dem schwächsten Glied bei einem Rückgang der Kunden. Die Logik ist einfach: Wenn Patienten 21% mehr zahlen müssen, bleiben einige weg. Und die, die wegbleiben, bleiben nicht zu Hause; sie kehren zum öffentlichen System zurück.
Der Bumerang-Effekt auf das öffentliche Gesundheitswesen
Hier liegt der Kern des Problems. Das öffentliche Gesundheitswesen leidet immer noch unter Wartelisten, die sich vom Kollaps der Pandemie nicht erholt haben und teils verschlechtert sind. Wenn Tausende von Patienten, die heute eine private Versicherung nutzen, ins öffentliche System zurückkehren, vervielfacht sich die Überlastung. Rus warnt ohne Umschweife, dass die zusätzlichen Einnahmen „mit hoher Wahrscheinlichkeit mittelfristig zu einem Anstieg der öffentlichen Ausgaben führen werden, der diese Einnahmen weit übersteigt“. Das heißt, auf der einen Seite wird Geld eingenommen, auf der anderen steigen die Kosten.
Im Bildungsbereich wiederholt sich das Argument anders. Die Spanische Konföderation der Bildungszentren (CECE) warnt, dass die Einführung der MwSt mitten in der wirtschaftlichen Krise nach der Pandemie frei gewählte Dienste „unerträglich“ verteuern und die Existenz des Sektors gefährden würde. Ihr Präsident Alfonso Aguiló beruft sich auf Artikel 27 der Verfassung, der das Recht auf Wahl der Bildung und die Freiheit zur Gründung von Zentren schützt.
Die Rechnung zum Schuljahresbeginn
Die Auswirkungen auf Haushalte haben konkrete Zahlen. Laut Pedro José Caballero, Präsident von CONCAPA, würden die durchschnittlichen Ausgaben zum Schulstart pro Kind von 450 Euro im Schuljahr 2023/2024 auf über 1.000 Euro steigen. Großfamilien wären am stärksten betroffen. „Es erscheint mir nicht logisch, dass ein Grundrecht Familien mehr kostet“, argumentiert er. Er fügt hinzu: „Wenn Yolanda die private Bildung zerstören will, soll sie es tun, aber nicht auf diese Weise.“
Ein Detail, das in kühlen Analysen oft erwähnt wird: Private Bildung und Gesundheitsversorgung sind kein Luxus für Reiche. Es sind auch der Zahnarzt, den die Sozialversicherung nicht deckt, die Nachhilfe für Kinder mit Problemen und Reaccionariorztbesuche, um Monate Wartezeit zu vermeiden. Dies zu besteuern, ist keine Besteuerung von Luxus, sondern die Besteuerung eines Ventils.
Das Argument der Doppelbesteuerung
Kritiker bestehen auf einem wichtigen Punkt: Wer für private Versicherungen oder Schulen zahlt, finanziert bereits durch Steuern das öffentliche Gesundheits- und Bildungswesen, das er nicht nutzt, und zahlt zusätzlich aus eigener Tasche für Alternativen. Eine zusätzliche MwSt von 21% macht diese doppelte Belastung dreifach. Daraus entstehen Vorschläge am Rande der Debatte: Gutscheine für Schulen oder Ärzte für jene, die auf öffentliche Leistungen verzichten, statt jene zu besteuern, die sie ergänzen.
Demgegenüber steht die offizielle These, die nicht rein fiskalisch ist. Díaz ordnet es in eine breitere Idee ein: Arbeitseinkommen sollten weniger besteuert werden als Kapitaleinkommen, um regressive Elemente der MwSt zu korrigieren. Für sie ist es eine Anomalie, dass Gesundheitsdienste mit 0% besteuert werden, während andere Grundgüter dies tun.
Was passiert, wenn es durchkommt
Die Betroffenen sehen drei Szenarien. Eins: Kundenverlust in kleinen Praxen und Akademien, was zu Schließungen und Jobabbau führt. Zwei: Abwanderung von Patienten und Schülern ins öffentliche System mit steigenden Kosten. Drei: Flucht nicht dringender Behandlungen in Nachbarländer, wo derselbe Service selbst inklusive Reisekosten günstiger sein könnte.
Nichts davon ist entschieden. Die Maßnahme wird in den Haushaltsverhandlungen zwischen Díaz und Montero diskutiert; derzeit ist es ein Vorschlag, kein Gesetz. Aber die Branche hat Alarm geschlagen, und nach ihren Berechnungen gehen die Zahlen nicht auf. Wenn das Ziel war, 3 Milliarden einzunehmen, besteht das Risiko, durch die Hintertür viel mehr zu zahlen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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