Spaniens Vaterunser: „Schulden“ wurden 1986 zu „Vergehungen“

Das griechische Matthäus-Evangelium spricht von Schulden. Doch Spaniens Bischöfe änderten den Text 1986 zu Vergehungen. Die Debatte bleibt offen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Vaterunser: „Schulden“ wurden 1986 zu „Vergehungen“
Von „Schulden“ zu „Vergehungen“: Die Kirche änderte das Vaterunser

„Änderungen, die dem Ohr sehr angenehm sind.“ Mit diesem Argument wies der Kardinal von Toledo die Reform des Vaterunsers ab, die 1986 von der Spanischen Bischofskonferenz zusammen mit den Bischofskonferenzen aus 26 weiteren spanischsprachigen Ländern genehmigt wurde. Das am häufigsten gebetete Gebet des Christentums bat nicht mehr um Vergebung für Schulden, sondern für Vergehen. Vier Jahrzehnte später ist die Frage noch immer ohne offizielle Antwort: Warum wurde genau dieses Wort geändert?

Es handelt sich nicht um eine Sakristei-Diskussion. Jedes Mal, wenn jemand das Gebet mit dem griechischen Original vergleicht, taucht derselbe Verdacht auf: dass der Austausch nicht nur ästhetischer Natur war. Und es gibt einen wirtschaftlichen, keinen mystischen Grund, warum das Detail so schmerzt.

Was sagt das griechische Original von Matthäus 6,12?

Der überlieferte griechische Text des Matthäusevangeliums lautet ofeilémata, was Schulden bedeutet, nicht Vergehen. Die Transkription der Stelle —Kai afes emín ta ofeilémata 'emón, erschwert durch Akzente— und die morphologische Analyse weisen in dieselbe Richtung: Das Substantiv ofeilema im Nominativ, ofeilématos im Genitiv, mit seinem Akkusativ Plural ofeilémata, bezeichnet Schuld oder Verpflichtung. Das Verb ofeilo umfasst vier Bedeutungen: schulden, ein Schuldner sein, schuldig sein, verpflichtet sein.

Dies als Vergehen zu übersetzen, erfordert einen Sprung. Es ist nicht unmöglich, aber es ist ein Sprung. Wer die Änderung verteidigt, stützt sich darauf, dass das Konzept der Verletzung allgemeiner und verständlicher sei, besser vom Volk verstanden, jenen, die —mit einem Unterton hinzugefügt— niemals Gläubiger von Schulden sein werden. Das vollständige Detail der Textkette, Griechisch und Latein gegenübergestellt, würde eine philologische Sitzung erfordern, die hier keinen Platz hat.

Die Vulgata und die Generation, die Schulden und Schuldner betet

Das Latein ließ keinen Zweifel: et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimisimus debitoribus nostris. Daher beten viele ältere Katholiken das Vaterunser weiterhin mit Schulden und Schuldnern, unwissend über die Reform. Die aktuelle spanische Version wurde 1988 konsolidiert, obwohl die Änderungen zwei Jahre zuvor genehmigt wurden, unter Johannes Paul II. auf dem Thron Petri.

Das Nebeneinander der beiden Formeln hat einen kuriosen Effekt, der mehrfach hervorgehoben wurde: Die Menschen mischen beide Versionen, und die Redewendung „etwas wie das Vaterunser kennen“ verlor ihre Bedeutung. Es gibt keine einzige Version mehr im kollektiven Gedächtnis. Es gibt zwei, und jeder betet die, die ihm beigebracht wurde.

Warum wurde es geändert? Drei Lesarten und kein Beweis

Einige behaupten, die Änderung habe zum Ziel gehabt, das Gebet für eine Gemeinde ohne Ausbildung verständlich zu machen. Dagegen spricht ein einfaches Argument: Schuld ist kein schwieriges Wort. Es ist ein unbequemes Wort.

Eine zweite Lesart deutet auf eine Reaktion gegen die Befreiungstheologie hin, die diesen Vers als eine ihrer missionarischen Grundlagen hatte. Wer dies vorschlägt, räumt ein, dass die Frage in der Luft hängt. Ohne dokumentarische Belege bleibt es dabei.

Und eine dritte Linie, die lauteste, führt die Wendung auf einen angeblichen organisierten Druck versteckter Interessen und konkreter Gruppen zurück. Es wird kein einziges Dokument vorgelegt, und die Chronologie hilft nicht: Die Änderung stammt aus Mitte der Achtziger, nicht aus einer jüngeren Operation.

Gegen all das ist das stärkste Argument das langweiligste. Im Französischen lautet das aktuelle Vaterunser Pardonne-nous nos offenses. Im Deutschen dient dasselbe Wort —Schulden— sowohl für die finanzielle Schuld als auch für die sarracena Schuld. Wenn die Sprache keine Wahl erzwingt, hört die Wahl auf, verdächtig zu sein.

Die Vergebung von Schulden, die WIRKLICH in der Bibel steht

Würde man das Vaterunser wörtlich lesen, wäre ein Gläubiger mit Vermögen verpflichtet, unbezahlbare Schulden zu erlassen, besonders wenn sie missbräuchliche Zinsen tragen. Das Alte Testament hatte dies bereits geregelt: Deuteronomium 15,1 legt die Vergebung der Schulden alle sieben Jahre fest, und Levitikus 25 fügt die Freilassung der Sklaven alle sieben Jahre und die Rückkauf der Eigentumsrechte alle fünfzig hinzu. Niemand hält sich daran. Weder damals noch heute.

Die härteste Entgegnung kommt von der anderen Seite: Dass Menschen aus Gier Schulden machten, genau wie heute, um sich leisten zu können, was sie sich nicht leisten konnten, und dass Kredite denen gewährt werden, die Einkommen haben, um sie zurückzuzahlen, wie bei Hypotheken. Dass es missbräuchliche Kreditgeber gab, macht den Schuldner nicht automatisch zum Opfer. An diesem Punkt bricht der Argumentaustausch ab.

Das Thema kehrte 2008 mit Kraft zurück. Man sprach von Forderungsverzicht, Erlass, Rettungspaketen. Für Banken gab es Forderungsverzicht. Für Haushalte keinen.

Von „für alle Menschen“ zu „für viele“

Das Vaterunser war nicht der einzige geänderte Text. Die Formel für die Weinweihe wechselte von „wird vergossen für euch und für alle Menschen“ zu „wird vergossen für euch und für viele“. Gleiches Muster: Eine lexikalische Präzisierung, die die Reichweite des Gesagten einschränkt. Wer auf Latein betet, sagen einige, spart sich das ganze Problem.

Im Deutschen benennt dasselbe Wort die Schuld und die Übeltat. Im Griechischen bedeutet ofeilémata nur eines. Vierzig Jahre später hat niemand erklärt, warum die dritte Option gewählt wurde.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (125 Antworten).

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