Spaniens Stromausfall-Prognose: Jahre des Wartens ohne Ende

Die Warnung vor einem Blackout in Europa bleibt unerfüllt. Prepper bereiten sich mit Konserven, Kerzen und Munition auf das Unwahrscheinliche vor.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Stromausfall-Prognose: Jahre des Wartens ohne Ende
Der Stromausfall mit 100% Wahrscheinlichkeit, der nie eintrat

Die Wahrscheinlichkeit eines großflächigen Stromausfalls in Europa innerhalb der nächsten fünf Jahre wird als 100% angegeben. Zumindest legt eine weit verbreitete Interpretation der Notfallrichtlinien des österreichischen Bundesheeres dies nahe, die auch Deutschland, Schweden und die Schweiz mit ähnlichen Empfehlungen für ihre Bürger übernahmen. Mit dieser Zahl im Fokus wurde das Thema fast vier Jahre lang verfolgt; 1.458 Tage später hat sich die Prognose nicht bestätigt. Der Blackout blieb aus. Die Debatte jedoch nicht.

Feuerversicherung als Argument für Vorsorge

Manche verteidigen das Prepping mit einem einfachen Vergleich: Niemand schließt eine Hausratversicherung ab, weil er glaubt, sein Haus werde brennen, aber man ist dankbar, wenn es doch passiert. Auf Energie übertragen bedeutet dies, dass das Leben mit Kerzen, Wasser und Vorräten den Alltag nicht verändert, sondern nur die Abhängigkeit vom Supermarkt in den ersten Wochen eines Ausfalls vermeidet. Die mentale Vorbereitung wiegt ebenso schwer wie die materielle: Der Mangel bei anderen ist es, was viele emotional zerreißt.

Das klassische Gegenargument: Das „Mad Max“-Szenario tritt nicht ein, und wer Dosen hortet, starrt jahrelang vergeblich auf den Horizont. Manche fassen es mit bitterer Ironie zusammen: Die meisten können sich nicht vorbereiten, daher ist Leugnung billiger als Akzeptanz.

Warnungen, die teilweise richtig lagen

Die Chronologie der Prophezeiungen ist unbequem. Im November 2019 wurde eine schwere Krise für 2020 angekündigt: Es kam die Pandemie. Im Oktober 2021 warnten vor Stromausfällen und einer Energiekrise für 2022: Es kam der G7-Preisdeckel für russisches Öl, und Lieferstopps wurden zum Modethema, bis sie sogar in einer französischen Serie über den Kollaps auftauchten. Die Krise kam. Der große Stromausfall nicht.

Daher die gegenseitigen Vorwürfe. Wer seit Jahren auf die Fragilität des Systems hinweist, behauptet, die Warnungen erfüllten sich mit elastischen Fristen und die Staatsverschuldung habe das Problem nur verschoben. Skeptiker entgegnen, dass der Wolf durch ständiges Rufen seinen Schrecken verliert.

Vom Waffenarsenal zum Einkaufswagen

Die deklarierten Bestände reichen vom Vernünftigen bis zum Operettenhaften. Manche haben Radio, Batterien, Kerzen, Taschenlampen und Nahrung für zwei bis drei Wochen. Andere listen 1.000 Patronen .22lr, 100 .300 Win Mag und 200 .243 auf, plus zwei Kartons mit 480 Schuss 7,5 mm für drei hypothetische Schützen. Dazwischen der Normalbürger: der knappe Einkauf fürs Monatsende und Milch für 1,20 Euro im Regal.

Währenddessen bleibt das soziale Thermometer ruhig. Volle Terrassen werden als Beweis angeführt, dass nichts passiert – und gleichzeitig als Beweis, dass niemand versteht, was passiert. Im Oktober, mit dem Turrón (spanisches Weihnachtsgebäck) bereits im Supermarkt, lautete die Bilanz wie immer: Wir leben noch.

Plötzlicher Kollaps oder langsamer Verfall

Hier liegt der eigentliche Kern der Meinungsverschiedenheit. Gegen das Szenario des sofortigen Zusammenbruchs gewinnt die These des graduellen Verfalls an Bedeutung: ohne einzigen Auslöser, mit sinkendem Lebensstandard in Etappen und der Mehrheit, die sich unbemerkt anpasst. Unter diesem Blickwinkel behindert extremes Prepping mehr, als es hilft, da es einen Film verkauft, der potenzielle Vorsorgende abschreckt. Andere erinnern daran, dass man weiß, wie ein Blackout beginnt, aber nicht, wie er endet: 3.776 Festnahmen bei der größten Massenverhaftung in der Geschichte einer Stadt werden als Beispiel dafür genannt, wie schnell ein Ausfall eskaliert.

Am Ende teilen beide Lager einen unbehaglichen Grundkonsens: Das System ist verwundbar, die Schulden sind hoch, und der Handlungsspielraum einer durchschnittlichen Familie ist eng. Zu diskutieren, ob man Kerzen oder Gewehre braucht, ist fast schon Luxus. Angesichts dieser Vorgeschichte ist weder der 100%-Blackout noch die ewige Ruhe wahrscheinlich, sondern dass die nächste Warnung die meisten beim Einkaufen überrascht, als wäre nichts gewesen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (171 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver