Spaniens Steuererlöse steigen, doch nur die Einkommensteuer trägt sie

Die Steuereinnahmen in Spanien schließen positiv ab, doch nur die Einkommensteuer stützt das Ergebnis: Die Körperschaftsteuer bricht ein und die Mehrwertsteuer passt nicht zur Inflation.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Steuererlöse halten sich: Einkommensteuer zieht an, Mehrwertsteuer passt nicht

Wie können die Steuererlöse steigen, wenn der Konsum der Haushalte kaum wächst und die Unternehmensgewinne einbrechen? Diese Frage steht seit Jahren im Raum für jeden, der die monatlichen Daten der AEAT (spanische Finanzverwaltung) betrachtet. Die Antwort – teilweise und unbequem – wiederholt sich: Nur die Einkommensteuer hält den Laden am Laufen, fast nichts anderes. Im Januar 2019 behauptete ein bekannter Wirtschaftskommentator, die Einnahmen schossen in die Höhe und das Jahr werde mit einem Wachstum von 8% enden. Das klang nach Übertreibung. Die Zahlen zeigten jedoch, dass er nicht ganz falsch lag.

Der Stand zum Jahresende: 7 Milliarden unter dem Rekord von 2007

Die Steuererlöse deuteten darauf hin, dass 2018 bei etwa 207.000 Millionen Euro abschließen würde, verglichen mit 214.000 Millionen im Jahr 2007. Der Vergleich ist irreführend: Jenes Jahr war ein anomaler Spitzenwert, 23.000 Millionen über 2006 und 25.000 über 2008, aufgebläht durch den Boom der Körperschaftsteuer. Die Sozialversicherung wies bis September ein Plus von 5,4% auf, aber ihre Verschuldung steuerte 2018 auf mehr als 40.000 Millionen zu.

Das Problem ist nicht das Niveau, sondern die Zusammensetzung. Die Körperschaftsteuer liegt zyklisch neutral bei etwa 28.000-30.000 Millionen und befand sich jahrelang darunter. Die Einkommensteuer hingegen glänzt, weil die Tarife nicht an die offizielle Inflationsrate angepasst werden: reine Kaltprogression. Bei aggregierten Löhnen um die 400.000 Millionen und einem durchschnittlichen Anstieg von 3% entspricht ein Zuwachs von 11.000 Millionen bei der Einkommensteuer dem Faktum, dass der Fiskus fast den gesamten Lohnanstieg abgeschöpft hat.

Die Mehrwertsteuer passt nicht zur offiziellen Inflation

Wenn die real verfügbaren Einkommen der Haushalte nicht wachsen, wächst auch der Konsum in Mengen von Gütern und Dienstleistungen nicht. Dann sollte der Anstieg der Mehrwertsteuereinnahmen als ziemlich treuer Proxy für die Verbraucherpreisindizes (VPI) dienen. Genau hier klafft die Diskrepanz, auf die mehrere Beobachter hinweisen: Was der Fiskus einnimmt, deutet auf stärkere Preiserhöhungen hin als die INE-Daten (nationales Statistikinstitut), während die offiziellen Indizes hinterherhinken.

Ein Detail wird oft übersehen. Ein Teil der eingenommenen Mehrwertsteuer stammt nicht aus dem Binnenkonsum, sondern vom ausländischen Tourismus. Auf den Kanarischen Inseln gibt es zudem keine Mehrwertsteuer, dort gilt die IGIC, was regionale Vergleiche verzerrt. Dennoch bleibt das Muster bestehen: Die Steuer hält sich wegen der Inflation, nicht wegen zusätzlicher Aktivität.

Körperschaftsteuer und Sozialversicherung: Hier liegt das wahre Loch

Die Körperschaftsteuer ist das Frühwarnsignal, immer das hässlichste. Wenn ihre Vorauszahlungen negativ werden, ist es kein Rauschen mehr, sondern eine Warnung: Die Unternehmensmargen schrumpfen. Ein Großteil des historischen Einbruchs dieser Steuer erklärt sich durch die Abschreibungen, die Banken nach der Krise nutzten, aber die aktuelle Verschlechterung hat andere Gründe.

Außerhalb der Steuern richtet sich der Blick auf die Sozialversicherung und das SEPE (Arbeitsamt). Sinkende Einnahmen und explodierende Ausgaben. Die Banco de España verzeichnete eine Verschlechterung der Nettofinanzposition um 22.000 Millionen in zwei Quartalen. Hält diese Rate an, liegt das Defizit über 3%. Das ist die Zahl, die wirklich zählt, nicht die Quartalsüberschrift.

Warum ist die Schattenwirtschaft auf einem Tiefstand?

Die klassische Schätzung von Medina und Schneider im Arbeitspapier des IWF zur Schattenwirtschaft bezifferte das Schwarzgeld in Spanien auf 22,01% des BIPs im Jahr 2015 und senkte es auf 17,2% im Jahr 2017. Es mag methodische Probleme geben, aber der Trend ist klar: Mehr elektronische Zahlungen und bessere steuerliche Kontrolle. Barzahlungen ohne Rechnung sind selbst bei kleinen Jobs immer seltener geworden.

Zwei unvereinbare Narrative über dieselben Daten

Nicht alle lesen die Zahlen gleich. Eine Strömung argumentiert, die Einnahmen brechen ein – die Mehrwertsteuer fiel bis September um 22,1%, die Körperschaftsteuer um 11,7% und die Sondersteuern um 15,4% –, und die aggregierte Überschrift verstecke eine erstickte Wirtschaft. Die andere zeigt genau das Gegenteil: Offizielle Daten der AEAT selbst zeigen homogene Anstiege von rund 5% und eine Einkommensteuer, die nahe 10% wächst. Beide Reihen existieren. Welche verwendet wird, hängt davon ab, was bewiesen werden soll.

Hinzu kommt das Kleingedruckte. Ein Pressebericht legte nahe, dass die Mehrwertsteuereinnahmen um fast 7.000 Millionen aufgeblasen seien, und die Abwicklungstätigkeit der AEAT – Prüfungen, Urteile – verliert real an Bedeutung, mit Fällen wie einem Urteil des Obersten Gerichtshofs, das zu einer Rückzahlung von über 1.000 Millionen führte.

Wer darin den Beweis sieht, dass das Land hervorragend läuft, bitte sehr. Die einzige Gewissheit ist: Am Tag, an dem die Einkommensteuer den Rest nicht mehr verdeckt, kommt die Anpassung von allein.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (353 Antworten).

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