Lonchafinismo: Sparen bis zur letzten Träne
In einem Haus in Spanien zeigt das Thermometer 13,5 Grad, während der Mieter ein Handbuch darüber verfasst, wie man die Heizung ausschaltet. Er bezeichnet sich selbst als "lonchafinista" (extremer Sparer) und hat seinen Alltag zu einem Experiment gemacht: doppelte Socken, Wollmütze, Bademantel und ein Eimer mit recyceltem Wasser, um die Toilettenspülung zu vermeiden. Sein Bericht, veröffentlicht in einem Forum für verantwortungsvollen Konsum, hat 167 Antworten ausgelöst und eine Diskussion entfacht, die weit über häusliches Sparen hinausgeht.
Der Autor spricht nicht von Armut, sondern von Methode. Früher ging er zweimal pro Woche aus; jetzt einmal, mit drei oder vier Bieren. Statt Einwegrasierer nutzt er nun klassische Klingen und Seife. Statt Duschgel verwendet er Glycerinseife für den ganzen Körper. Die Liste ist lang und akribisch, fast buchhalterisch. Und hier liegt die erste Paradoxie: Ein Mann, der in Schwimmbädern duscht, weil er dreimal wöchentlich schwimmt, der Halogenlampen entfernt hat und behauptet, bis zu 35 Grad ohne Klimaanlage durchzuhalten.
Das Eiswürfel-Experiment
Um seine Kältetoleranz zu rechtfertigen, führt der Autor einen Heimtest durch: zwei Eiswürfel, einer frei liegend, einer in ein Handtuch gewickelt. Der frei liegende schmilzt schneller, so sein Argument, da er Wärme verliert. Seine Schlussfolgerung: Schichtenkleidung erzeugt keine Wärme, sie verhindert nur deren Verlust. Eine Idee, die er dem Bergsport entlehnt und auf sein Wohnzimmer bei 13,5 Grad anwendet. Die Grenze für das Einschalten der Heizung setzt er bei 14 Grad. Bis dahin bleibt die Wollmütze auf.
Die Diskussion wandte sich schnell der Hygiene zu. Einige Teilnehmer argumentieren, tägliches Duschen sei unnötig und übermäßiger Seifengebrauch schade der Haut. Andere kontern, dass Nicht-Duschen unhygienisch sei und man es rieche. Mitten im Streit taucht ein historisches Faktum auf: Der Schriftsteller Sándor Márai berichtete, dass in seiner bürgerlichen Kindheit Baden als weichmachend galt und die Badewanne nur einmal jährlich genutzt wurde. Der Vergleich klärt nichts, ordnet aber die Debatte: Was heute als Schmutzigkeit gilt, war jahrhundertelang Normalität.
Waschmaschinen, Wasser und die reale Kosten-Nutzen-Rechnung
Im häuslichen Bereich wird der "Lonchafinismo" besonders technisch. Manche nutzen die Waschmaschine einmal pro Woche für zwei Personen; andere tun dies drei- oder viermal und werden dafür kritisiert. Eine Teilnehmerin rechnet vor, dass Bettwäsche und Handtücher allein schon eine volle Ladung ergeben, weshalb sie die hohe Frequenz nicht versteht. Eine andere antwortet, Winterdecken würden monatlich und Bettlaken alle zwei Wochen gewaschen, da Strom und Wasser teuer seien.
Wasser ist eine weitere Front. Ein Nutzer warnt, dass viele Gemeinden einen Mindestverbrauch abrechnen, unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch, und dass der menschliche Bedarf nur 20% des Gesamtverbrauchs ausmacht, während Industrie und Bewässerung den Rest teilen. Er fügt hinzu, dass etwa 30% des Leitungswassers durch Leckagen verloren gehen, die niemand repariert. Die implizite Schlussfolgerung ist unbequem: Individuelles Sparen hat strukturelle Grenzen. Es ist egal, wie viele Eimer man im Bad sammelt.
Sparen, das sich nicht auf der Rechnung niederschlägt
Bei Strom machen Laien-Sparer die meisten Fehler. Ein Teilnehmer stellt dies mit Zahlen klar: Eine Kilowattstunde kostet ca. 15 Cent, eine LED-Lampe verbraucht weniger als 10 Watt, und zwölf Stunden Betrieb pro Tag kosten im Monat rund 50 Cent. Das Fazit ist vernichtend für den Bericht des Autors: Das Handy bei der Arbeit zu laden oder mit einer Dynamo-Taschenlampe durchs Haus zu laufen, bringt keine nennenswerte Ersparnis. Es spart höchstens Fremdscham.
Die häufigste Kritik ist nicht ökonomischer, sondern charakterlicher Natur. Mehrere Teilnehmer weisen darauf hin, dass der Wechsel von exzessivem Konsumismus zu freiwilliger Askese keine Tugend ist, sondern Charakterlosigkeit. Früher gab man Geld aus, weil das Fernsehen es sagte; jetzt zieht man den Gürtel enger, weil dasselbe Medium es propagiert. Der Mittelweg fehlt, so ihr Argument. Und einige gehen weiter: Wenn die Ersparnis nicht investiert oder genossen wird, dient die Anstrengung nur dazu, schlechter zu leben.
Was passiert mit dem gesparten Geld?
Diese Frage taucht mehrfach auf und hat keine einheitliche Antwort. Eine Teilnehmerin gibt an, deutlich weniger auszugeben als sie verdient, einen Notgroschen zu haben, schuldenfrei zu sein und die Differenz zu investieren. Eine andere sagt, sie habe das Fitnessstudio gekündigt, kaufe auf Märkten ein und nutze Angebote aggressiv. Ein Dritter gesteht, weiterhin mittags Tortilla-Pinchos zu essen, weil er darauf nicht verzichten will. In der Praxis ist "Lonchafinismo" kein monolithischer Block: Jeder zieht seine eigene rote Linie.
Auch das Arbeitsleben spielt eine Rolle. Mehrere berichten, dass sie ihre Freizeit nicht mehr für die Arbeit opfern, ihre Pflicht erfüllen und gehen. Mit dem gleichen Gehalt leben sie besser als zuvor, weil sie Ausgaben gekürzt haben. Die Grundidee: Sparen ist nicht nur eine Reaktion auf Krisen, sondern eine Möglichkeit, die Abhängigkeit vom Lohn zu reduzieren. Je weniger man braucht, desto gleichgültiger steht man ausbleibenden Lohnerhöhungen gegenüber.
Die Grenze des Spaßes
Der ursprüngliche Autor räumt ein, dass sein Ziel auch Unterhaltung war. «Ich hoffe, mein Text hilft jemandem oder zumindest lacht man beim Lesen mit mir und nicht über mich», schreibt er. Dies gelingt zeitweise. Das Bild eines Mannes mit Wollmütze im Wohnzimmer, der Reis bei 13,5 Grad zubereitet, wirkt teils karikaturhaft, teils warnend. Denn unter der Übertreibung liegt eine unbeantwortete Frage: Wie viel davon ist Sparen und wie viel Angst?
Die Diskussion endet ohne Konsens. Einige verteidigen den "Lonchafinismo" als einzige rationale Antwort auf ein System, das Arbeitnehmer ausbeutet. Andere behaupten, so zu leben sei keine Freiheit, sondern eine andere Form der Sklaverei. In der Mitte bleibt eine Tatsache, die niemand bestreitet: Wer am wenigsten ausgibt, hat nicht immer am meisten, braucht aber fast immer am wenigsten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (167 Antworten).