AAA-Games auf dem Smartphone für 10 Euro im Monat, ganz ohne Konsole
Es ist elf Uhr nachts, der Fernseher ist belegt von der nächsten Folge einer Serie, und wer das Sagen im Wohnzimmer hat, muss sich mit dem Telefon begnügen. Auf dieser Szene, die jeder kennt, der müde nach Hause kommt und keinen eigenen Raum zum Spielen hat, basiert eine These, die in der Community seit Jahren kursiert: Man kann AAA-Titel auf einem günstigen Smartphone spielen, mit einem Bluetooth-Controller für 20 Euro und einem Abonnement für 10 Euro im Monat, ohne Konsole oder PC zu kaufen. Das Angebot verzichtet bewusst auf den technischen Wettlauf: „Uns geht es nicht um Frames bei 4K und solchen Kram, wir wollen einfach nur zocken.“ Der Mechanismus dahinter ist das Cloud Gaming: Das Spiel läuft auf Remote-Servern, das Endgerät zeigt nur das Bild an und sendet die Eingaben des Controllers.
Was Cloud Gaming wirklich kostet
Die verteidigte Anfangsinvestition ist minimal. Ein Bluetooth-Controller für etwa 20 Euro, vom Typ, der das Telefon wie eine Konsole umschließt, oder das Modell Kishi, das 44 Euro kostet und von Befürwortern bis zu 50 Euro als akzeptabel eingestuft wird. Als Endgerät reicht ein chinesisches Smartphone für 100 Euro, wobei man auch sein eigenes Telefon nutzen kann, wenn gewünscht. Danach ist alles eine Frage der Monatsgebühr.
Die genannten Zahlen variieren stark. Das am häufigsten genannte Abonnement liegt bei rund 10 Euro monatlich, während die teurere Variante für 20 Euro abgelehnt wird: Für kleine Bildschirme lohnt sich keine High-End-Grafikkarte. Die Alternative ist der Xbox-Dienst, der im ersten Monat für einen Euro getestet werden kann und laut einer in der Diskussion kursierenden Berechnung über drei Jahre hinweg etwa 60 Euro kostet, also ungefähr 1,5 Euro pro Monat. Hinzu kommt die Bibliothek: Spiele aus älteren Katalogen für 10 Euro und Titel, die regelmäßig auf digitalen Plattformen verschenkt werden, ermöglichen den Aufbau einer Sammlung ohne zusätzliche Kosten.
Warum Cloud Gaming mehr vom WLAN abhängt als vom Handy?
Weil auf dem Endgerät nichts gerendert wird. Die praktische Konsequenz ist, dass der Flaschenhals nicht der Prozessor des Telefons ist, sondern das Netzwerk. Befürworter drücken dies mit einem einfachen Vergleich aus: Wenn das Handy YouTube-Videos abspielen kann, kann es auch ein Streaming-Spiel empfangen. Nach diesem Kriterium reicht ein Modell für 100 Euro aus, vorausgesetzt, die Netzabdeckung ist gut.
Gesammelte Erfahrungen relativieren den Optimismus jedoch erheblich. Derselbe Dienst funktioniert per Glasfaserkabel akzeptabel, während die Erfahrung mit mobilen 4G-Daten unzuverlässig ist: Er eignet sich für ruhige Spiele, leidet aber sofort bei Action. Manche führen die wahrgenommene Latenz auf das WLAN, das Gerät selbst und die Grafikeinstellungen zurück. Bei Shootern zählen Millisekunden, und einige behaupten, dass der Unterschied bei Titeln wie The Division spürbar ist. Kostenlose Testphasen haben zudem Warteschlangen, die anfangs kurz sind, später aber lang werden: Zehn Minuten Warten vor dem Start verderben die Lust.
Der Aspekt, den die Cloud nicht löst: Mods und eigene Hardware
Alles, was auf fremden Servern läuft, hat eine klare Grenze: Es kann nicht modifiziert werden. Dies ist das stärkste Argument der Befürworter eigener Hardware, da viele Spiele gerade durch Community-Erweiterungen genossen werden. Das angeführte Beispiel: In einem Open-World-RPG ohne Mods gibt es etwa 30 Waffen, mit der von der Community heruntergeladenen Sammlung von Erweiterungen sind es über 200. Die Cloud erlaubt dies derzeit nicht. Die Antwort der Gegenseite ist spekulativ: Irgendwann wird man die gesamte Maschine mieten und installieren können, was man will.
Hier taucht oft verschwiegenen Kosten auf. Das Abonnement kostet zwar 10 Euro, aber eine ordentliche Glasfaserverbindung, die keine Mikro-Aussetzer verursacht, übersteigt 50 Euro im Monat, und in manchen Fällen ist dies eine Ausgabe, die bereits getätigt wurde, weil sie durch unbegrenzte mobile Daten ersetzt wurde. Dem wird Stromersparnis entgegengehalten: Drei Stunden tägliches Zocken in der Cloud vermeiden das Einschalten eines PCs, was auf etwa 6 Euro monatlich geschätzt wird.
Steam Deck, Laptops und die einmalige Anschaffung
Wenn die Diskussion von der Monatsgebühr zur einmaligen Investition wechselt, schießen die Zahlen in die Höhe. Die Handheld-Konsole von Valve erscheint für 500 Euro, eine andere Stimme nennt 400 Euro für das Modell mit 512 Gigabyte, das wegen seiner Bibliothek und Emulatoren als bester Kauf seit Jahren gepriesen wird. Der Kritikpunkt ist die Hitzeentwicklung bei anspruchsvollen Spielen. Im selben Preissegment liegen Laptops mit dedizierter Grafik zwischen 600 und 700 Euro, mit dem Argument, dass sie überall funktionieren, sogar ohne Netzabdeckung.
Die Verteidigung des Abonnements stützt sich genau darauf: Den Monat, in dem man nicht spielt, kündigt man. Und das Update ist permanent, man bleibt nicht veraltet. Mit einem alten Laptop und einem Abonnement kann, so die Argumentation, ein Teenager neue Titel spielen, ohne dass die Familie teure Hardware kaufen muss.
Die Skeptiker
Die Ablehnung ist weder einstimmig noch marginal. Manche finden es absurd, auf einem kleinen Handy-Bildschirm zu spielen, wenn ein großer Fernseher vorhanden ist, und fügen hinzu, dass man mit dem Controller auf dem Sofa nicht wirklich bei den Menschen ist, die neben einem sitzen. Ein weiteres wiederkehrendes Gegenargument ist das Telefon als unverzichtbares Werkzeug, das durch Apps langsam wird. Und schließlich: Ob ein günstiges Endgerät das Streaming aushält, ohne zum Heizkörper zu werden, bleibt abzuwarten. „Mit einem Redmi 9 startet man nicht mal Pokémon Go“, fasst eine Haltung zusammen.
Dem gegenüber steht die andere Seite, die ihre Position nicht abschwächt: Einige berichten von 200 Stunden in einem Actionspiel in der Cloud und von Achterspielen, bei denen niemand die Verbindung bemerkte, weniger als bei Kollegen mit PC.
Am Ende ist die Rechnung, die verwirrt, nicht die in Euro. Es ist die Tatsache, dass dasselbe Handy, das laut Kritikern schon beim Taschenrechner hängt, genutzt wird, um Titel zu spielen, die sonst viel teurere Hardware erfordern würden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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